15.000 statt 28.000 Hennen: Warum der neue Stall trotzdem mehr kostet

06 November 2026
Legehenne
Hof Scholtmann

Die Familie Scholtmann nahm 2023 ihren neuen Stall für 14.990 Legehennen in Freilandhaltung nach einem 9,5 Jahre dauernden Genehmigungsverfahren in Betrieb. „Wenn man eine Ausbildung in der Tierhaltung abgeschlossen hat und noch keinen eigenen Betrieb besitzt, kann man innerhalb von einem bis anderthalb Jahren eine Genehmigung für den Bau eines neuen Stalls für bis zu 14.999 Stück Geflügel erhalten. Bei einer Erweiterung, wie es bei uns der Fall war, ist das deutlich schwieriger. Deshalb dauerte das Genehmigungsverfahren so lange“, erzählt Nico Scholtmann.


Ein neuer Freilandstall mit knapp 15.000 Hennenplätzen kostet Familie Scholtmann mehr als ihr alter Stall mit 28.000 Plätzen. Die Finanzierung läuft über 20 Jahre. Trotzdem will der junge Betriebsnachfolger Nico Scholtmann weiter investieren – auch in Ackerland.

Ein neuer Legehennenstall mit halb so vielen Tierplätzen kostet mehr als ein deutlich größeres Gebäude aus dem Jahr 1999. Diese Erfahrung machte Familie Scholtmann aus Laar in der Grafschaft Bentheim.

2023 nahm der Betrieb einen neuen Freilandstall mit 14.990 Hennenplätzen in Betrieb. Der ältere Stall bietet dagegen Platz für rund 28.000 Legehennen. Trotzdem lagen die Baukosten des Neubaus über denen des alten Gebäudes.

„Die neue Stallanlage kostete 110 bis 115 Euro je Henne“, berichtet der 22-jährige Nico Scholtmann.

Gemeinsam mit seinen Eltern Hermann (55) und Bärbel (53) bewirtschaftet er den Familienbetrieb, der nur etwa 100 m von der niederländischen Grenze bei Hardenberg entfernt liegt. Die Familie hält insgesamt rund 43.000 Legehennen in Freilandhaltung und betreibt daneben Ackerbau. Auch Großvater Hindrik-Jan (80) arbeitet noch regelmäßig mit.

Im Stall hängen Luzerneraufen, um den Hennen Beschäftigung zu bieten. Die Familie entschied sich 2023 für Kunststoffroste in der Anlage.

Neuer Legehennenstall kostet bis zu 1,72 Millionen Euro

Bei Baukosten von 110 bis 115 Euro je Hennenplatz ergibt sich für den neuen Stall mit 14.990 Plätzen rechnerisch eine Investition von rund 1,65 bis 1,72 Mio. Euro. Damit liegt der Neubau nach Angaben der Familie über den damaligen Baukosten des älteren Stalls, obwohl dieser fast doppelt so viele Hennen aufnehmen kann. 

Für Hermann Scholtmann war die Investition deshalb keine leichte Entscheidung. Die Familie finanzierte einen großen Teil des neuen Gebäudes über einen Bankkredit. Diesen muss sie innerhalb von 20 Jahren zurückzahlen.

Eine so lange finanzielle Bindung habe seinen Vater zunächst stark beschäftigt, berichtet Nico Scholtmann. Schließlich müsse der Betrieb die Kreditverpflichtungen über einen langen Zeitraum erfüllen.

Ohne die Bankfinanzierung hätte die Familie den Neubau allerdings nicht verwirklichen können. Für den jungen Betriebsnachfolger ist deshalb klar, dass sich die Investition langfristig rechnen muss.

Eigenes Futter für unsere Legehennen herzustellen, kostet uns jede Woche ein paar Stunden, weil wir CCM holen müssen. Indem wir das Futter selbst mischen, sparen wir jedoch etwa 2 Euro je 100 Kilogramm beziehungsweise 20 Euro je Tonne“, sagt Scholtmann.

Stalltechnik soll hohe Legeleistungen sichern

Bei der Ausstattung der beiden Freilandställe setzt die Familie auf eine aufwendige Lüftungstechnik. Beide Gebäude verfügen über eine Gleichdrucklüftung. Sie ist nach Angaben von Nico Scholtmann sowohl in der Anschaffung als auch beim Energieverbrauch teurer als eine herkömmliche Unterdrucklüftung.

Die Familie hat sich dennoch bewusst dafür entschieden. Denn die Technik soll auch an kalten Wintertagen ein stabiles Stallklima gewährleisten.

Wie wichtig hohe Leistungen für die Wirtschaftlichkeit sind, zeigt das Ergebnis des ersten Durchgangs im neuen Stall. Bis zur 105. Lebenswoche sammelte der Betrieb insgesamt 523 Eier je Henne.

Ackerland verkaufen? Für Familie Scholtmann keine Option

Trotz der hohen Kosten für den Stallneubau wollte die Familie keine Ackerflächen verkaufen, um die Investition zu finanzieren. Im Gegenteil: Nico Scholtmann würde die Ackerbausparte des Betriebs gern weiter ausbauen.

Der Familie gehören derzeit rund 50 ha landwirtschaftliche Fläche. Weitere 50 ha hat sie gepachtet. Wenn in der Umgebung Ackerland zum Verkauf steht, prüft der junge Landwirt deshalb, ob sich ein Kauf lohnt.

Allerdings sind die Bodenpreise in der Region hoch. Nach seinen Angaben werden derzeit etwa 12 bis 13 Euro je Quadratmeter verlangt. Das entspricht rund 120.000 bis 130.000 Euro je Hektar. „Das ist eigentlich viel zu teuer“, sagt Scholtmann. Dennoch kann er sich vorstellen, weitere Flächen zu kaufen. Denn er rechnet damit, dass die Preise langfristig weiter steigen könnten.

Die Familie arbeitet mit einer Eierpackmaschine von Prinzen mit einer Leistung von 15.000 Eiern pro Stunde.

170.000 Euro je Hektar in fünf Jahren?

Scholtmann verweist auf den zunehmenden Flächenverbrauch in Deutschland. Straßen, Gewerbegebiete und Wohnbebauung beanspruchen immer mehr landwirtschaftliche Flächen. Dadurch werde das Angebot knapper, während die Nachfrage hoch bleibe.

Der junge Landwirt hält es deshalb für möglich, dass Ackerland in seiner Region in fünf Jahren bereits 160.000 bis 170.000 Euro je Hektar kostet. Wer heute nicht kaufe, könnte sich dann darüber ärgern, die Gelegenheit verpasst zu haben. Allerdings müsse sich auch eine Investition in Ackerland wirtschaftlich tragen.

Bei den derzeitigen Kaufpreisen könne die Amortisationszeit nach Scholtmanns Einschätzung möglicherweise 50 Jahre betragen. Das sei ein sehr langer Zeitraum.

Außerdem arbeiten sie in ihrem neuen Stall mit einer Scherenhebebühne.

Schon vor 15 Jahren galt Ackerland als zu teuer

Dass hohe Bodenpreise kein neues Problem sind, weiß Scholtmann aus Gesprächen mit seinen Eltern. Bereits vor zehn bis fünfzehn Jahren kostete Ackerland in der Region nach ihren Erfahrungen etwa 50.000 bis 60.000 Euro je Hektar. Auch damals hätten viele Landwirte die Preise für überzogen gehalten.

Inzwischen haben sich die Bodenpreise mehr als verdoppelt. Trotzdem werden weiterhin Flächen gekauft.

Für Nico Scholtmann bleibt deshalb die Frage, wie der Betrieb künftig investieren soll. Einerseits muss sich der neue Legehennenstall über viele Jahre rechnen. Andererseits möchte er die Ackerbausparte weiterentwickeln und langfristig zusätzliche Flächen sichern.

Das Beispiel der Familie zeigt, wie stark hohe Baukosten und Bodenpreise die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe beeinflussen. Wer heute in Stalltechnik oder Ackerland investiert, bindet viel Kapital über Jahrzehnte. Umso wichtiger ist es, dass die Investitionen dauerhaft genügend Erträge erwirtschaften.

Wie Familie Scholtmann mit Gleichdrucklüftung die Stalltemperatur auch bei Frost stabil hält und welche Erfahrungen sie damit gemacht hat, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Stallklima.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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