Legehennen, Eier, Teamgeist: Wie Inklusion den Hof stärkt

04 Juli 2026
Deutschland
Zwei Jugendliche

Nur sieben Mitarbeitende und ein Azubi – trotzdem gehört Inklusion auf dem Müritz-Hof von Carolin und Stefan Knust ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Ihre Angestellten Sophie Tiede und Anakin Puls übernehmen Verantwortung bei Legehennen und Eiern und zeigen, wie gut Vielfalt in der Landwirtschaft funktionieren kann.

Sophie Tiede ist 26 Jahre alt und arbeitet seit 2018 eigenständig in der Eier-Packstelle des Müritz-Hofs. Mit großer Sorgfalt sortiert, kennzeichnet und verpackt sie täglich die Freilandeier – eine Aufgabe, die viel Verantwortung und Genauigkeit verlangt. Der 19jährige Anakin Puls ist seit drei Jahren dabei und in erster Linie für die Versorgung der Freilandhennen zuständig. 

Acht Mobilställe mit Direktvermarktung

Zum Familienbetrieb Knust in der Nähe von Waren/Müritz gehören acht Mobilställe. Die Eier werden an Edeka Märkte und Hotels in der Region verkauft, aber auch über ihre XL-Warenautomaten in Waren und im Hofladen. Anakin Puls unterstützt Betriebsleiter Steffen Knust sowie das Team daneben tatkräftig auf dem Feld und bei der Betreuung der Mutterkuhherden. 

Die Aufgaben auf dem Hof sind so vielfältig wie die Menschen, die hier arbeiten, sagt Carolin Knust, und: „Wir geben seit Jahren jungen Menschen eine Chance, die es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben.“. Dazu zählen Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder ohne Schulabschluss, die auf dem Hof Praktika absolvieren – von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten. Ein- bis zweimal pro Woche sammeln sie praktische Erfahrungen und gewinnen Einblicke in die Landwirtschaft.

Inklusion darf nicht mit der Schule enden

Für Carolin Knust ist klar: Inklusion darf nicht am Schultor enden. „Im Bildungssystem ist Inklusion ein großes Thema. Aber danach hört es oft auf“, kritisiert sie. Förderprogramme für Betriebe würden sich meist auf Ausbildungsplätze und finanzielle Zuschüsse konzentrieren. Ob ein Betrieb sich aktiv für Inklusion einsetzt, spiele kaum eine Rolle. Dabei sei die Arbeit mit beeinträchtigten jungen Menschen anspruchsvoll und erfordere Zeit, Geduld und Engagement. Unterstützung und Anerkennung von staatlicher Seite fehle hier häufig.

Gemeinsam mit benachbarten Schulen schafft der Hof aber immer wieder Möglichkeiten für Praktika und erste Arbeitserfahrungen. „Jeder Mensch ist anders und bringt eigene Stärken mit“, sagt Steffen Knust. „Manche haben schulische Schwierigkeiten, sind dafür praktisch sehr begabt.“ Trotz aller Herausforderungen empfinden er und seine Frau die Zusammenarbeit als große Bereicherung – für den Betrieb und für alle, die daran teilhaben.

Müritz-Hof ist breit aufgestellt

Der Müritz-Hof ist wirtschaftlich breit aufgestellt: Auf dem Hof gibt es mehrere Ferienwohnungen und ein neues Ferienhaus – die Region ist beliebtes Touristenziel. Neben den Legehennen gehört eine Black-Angus-Mutterkuhherde zum Viehbestand. Die Tiere sind ganzjährig draußen, das hochwertige Bio-Rindfleisch wird über den Hofladen und online verkauft. Saisonale Einkommensquellen sind zudem Erdbeeren und Heidelbeeren – unter anderem zum selbst ernten. 

Astrid Wiebe, Bauernzeitung
Bild: Carolin Knust

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