Legehennen im Mobilstall: „Wir verkaufen kein Ei unter Wert!“

07 Juni 2023
Mobilstall
Familie Schierholz

Friederike und Alexander Schierholz kombinieren die Tierhaltung mit der Land- und Forstwirtschaft und bewirtschaften all ihre Flächen komplett ohne Bodenbearbeitung. Bei der Tierhaltung setzt die Familie auf die Legehennenhaltung im Mobilstall.

„Wir haben 2016 einen kleinen Bauwagen gekauft, den blau angemalt und 50 Legehennen eingestallt“, sagt Friederike Schierholz. „Damals ging der Trend mit der Mobilstallhaltung gerade los und wir wollten das einfach mal ausprobieren.“ Schon kurz darauf wurde der Bauwagen durch einen professionellen Mobilstall mit 240 Legehennenplätzen ersetzt.

Schwieriger Start

Es folgte ein zweiter. Die Mobilstallhaltung erwies sich jedoch zunächst als schwieriger als gedacht. Der Arbeitsaufwand war größer als geplant, die Vermarktung der Eier kein Selbstläufer. Hinzu kam ein halbes Jahr Stallpflicht auf Grund von Geflügelpest.

„Irgendwann standen wir dann vor der Frage: Ganz oder gar nicht?“, sagt Friederike Schierholz. „Allerdings hatten wir schon so viel Zeit und Geld investiert und die Arbeit mit den Hennen machte uns Spaß. Wir haben dann eine aufwändige KAT-Zertifizierung durchlaufen, damit wir die Eier auch im Einzelhandel verkaufen können.“
2018 wurden 1.500 Hennen in den ersten von insgesamt drei großen Mobilställen eingestallt. Um die Tiere vor Sonne, Hitze, aber auch vor Greifvögeln, zu schützen, begann die Familie im Jahr 2020 damit, die Ausläufe mit Pappelreihen zu bepflanzen.

Erfolgreich vermarkten

Die Vermarktung läuft über einige große Supermarktketten, aber auch über ein paar freie Märkte, vor allem in und um Bremen. „Insgesamt 25 Märkte fahre ich pro Woche an“, sagt Alexander Schierholz. Das Besondere dabei: „Wir verkaufen kein Ei unter Wert. Ich bin der Landwirt. Ich sage, was wir haben wollen. Keine Diskussion.“

Ihre Produkte abliefern und darauf hoffen, dass die Abrechnung ihre Kosten deckt, dass wollten Alexander und Friederike Schierholz nicht mehr. Stattdessen schreiben sie jetzt Rechnungen. Damit die Vermarktung funktioniert, braucht es jedoch ein gutes Marketingkonzept, denn die Nische für höherpreisige Eier ist klein. Ein wichtiges Markenkennzeichen ist die blaue Eierverpackung, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. „Unser Logo und unsere Verpackung sind blau, weil wir den Bauwagen damals blau angestrichen hatten“, sagt Friederike Schierholz.

Direkter Kundenkontakt

Die – für Eierverpackungen doch eher ungewöhnliche Farbe – hat sich im Nachhinein als recht praktisch erwiesen. Doch auch der direkte Kundenkontakt ist für die Vermarktung der Schierholzer Wieseneier wichtig. Beim Einräumen der Eier in den Supermärkten spricht Alexander Schierholz die Kundinnen und Kunden auch schon mal direkt an und lädt sie zu einem Besuch auf dem Hof in Eydelstedt ein. Kleine Kärtchen in den Eierkartons weisen auf den eigenen Instagram-Kanal hin. Friederike Schierholz ist dabei bemüht, in den Sozialen Medien auch die alltägliche Realität zu zeigen: „Das ist ein landwirtschaftlicher Betrieb. Hier gibt‘s kein Hochglanz und Schickimicki. Da sind wir ganz offen und zeigen ehrlich, wie es bei uns zugeht. Mit Höhen und Tiefen.“

Mobilstallhaltung auf dem Hof Schierholz: Die Familie begann ihre Legehennenhaltung 2016 mit einem kleinen blauen Bauwagen, ersetzte diesen aber schnell durch einen professionellen Mobilstall mit 240_Legehennenplätzen.
Um die Hennen vor Sonne, Hitze und Greifvögeln zu schützen, bepflanzte Familie Schierholz die Ausläufe mit Pappelreihen.
Bis zu 4.500 Legehennen haben auf dem Hof Schierholz Platz.
Das abfallende Laub der Pappeln bietet den Hühnern ein willkommenes Beschäftigungsmaterial.
Die blaue Eierverpackung der Schierholzer Wieseneier besitzt einen hohen Wiedererkennungswert.
Um die Eier auch im Einzelhandel verkaufen zu können, durchlief Familie Schierholz eine aufwändige KAT-Zertifizierung.
Seit dem letzten Jahr gibt es auf dem Hof auch eine kleine, aber wachsende, Rinderherde. Die Tiere werden zwei Mal am Tag auf eine neue Parzelle gelassen. Dort fressen sie die Zwischenfrüchte ab und trampeln den Rest zu einer Mulchschicht.
Land und Forst / Leonie Jost
Bild: Kristoffer Finn

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.