Hitzeschutz für Gänse: Was Pappelreihen auf der Weide bringen
Gänse im Baumschatten beim Gänsepeter
Wie lassen sich Gänseweiden auf heißere Sommer vorbereiten? Auf einem Betrieb in Rommerskirchen untersucht die Hochschule Rhein-Waal, wie Gänse unterschiedliche Weidestrukturen nutzen. Neben Grünland, Obstbäumen und Mais steht dabei ein neues Agroforstsystem mit Pappelreihen im Fokus. Sensoren und Drohnen sollen zeigen, ob die Bäume das Mikroklima verbessern, mehr Schatten schaffen und damit das Tierwohl fördern.
Gänse nutzen strukturierte Weiden intensiv
Auf dem Betrieb Gänsepeter in Rommerskirchen halten Peter Eßer und sein Sohn Sebastian mehrere Tausend Gänse in Gruppen. Die Tiere weiden auf unterschiedlich gestalteten Flächen: auf klassischem Grünland, zwischen Obstbäumen oder auf Ackerweiden, auf denen beispielsweise Mais wächst.
Seit 2025 ergänzt ein Agroforstsystem diese Flächen. Dort wachsen Pappelreihen neben Ackerkulturen wie Mais oder Ackergras. Die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) untersucht auf dem Betrieb, wie Mast- und Legegänse die unterschiedlichen Strukturen nutzen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Gänseweiden an steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden anpassen lassen. Die Forscher wollen herausfinden, welche Strukturen den Tieren auch an heißen Tagen geeignete Aufenthaltsbereiche bieten.
„Gänse sind sehr mobile Weidegänger. Die Tiere sind neugierig und nutzen die Weideflächen voll aus“, sagt Jannis Menne, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Rhein-Waal.
Wie intensiv die Tiere einzelne Bereiche nutzen, hängt jedoch auch vom Wetter ab. Besonders bei starker und länger anhaltender Hitze verändert sich ihr Verhalten.
Jannis Menne im Agroforst beim Gänsepeter
Pappeln sollen zusätzlichen Schatten schaffen
Mais gehört auf dem Betrieb schon seit einigen Jahren zu den Gänseweiden. Die Pflanzen erfüllen dabei mehrere Aufgaben. Sie dienen als Futterquelle, beschäftigen die Tiere und bieten ihnen Rückzugsmöglichkeiten. Im Sommer spenden die hohen Pflanzen zudem Schatten.
Das Agroforstsystem soll weitere geschützte Bereiche schaffen. Die 2025 gepflanzten Pappeln sind inzwischen mehr als vier Meter hoch. Damit können sie den Gänsen bereits erste Schattenflächen bieten.
Mit zunehmender Größe könnten die Bäume noch wichtiger werden. Ihre Kronen beschatten die Fläche, während die Verdunstung über die Blätter das Mikroklima zusätzlich beeinflussen könnte.
Ob und wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt, untersucht die Hochschule nun unter Praxisbedingungen.
Sensoren messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Jannis Menne erfasst dazu das Mikroklima in den verschiedenen Weidebereichen. Er hat Sensoren unter anderem im Mais, auf offenem Grünland sowie innerhalb und zwischen den Pappelreihen installiert.
Die Messgeräte erfassen Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Aus diesen Werten lässt sich ein Temperatur-Feuchte-Index (THI) ableiten, der Hinweise auf mögliche Hitzebelastungen liefert.
Weil die Forscher alle untersuchten Weidestrukturen mit Sensoren ausstatten, können sie die Bedingungen anschließend direkt miteinander vergleichen. So soll sich zeigen, ob sich beispielsweise unter Pappeln oder im Mais günstigere Bedingungen entwickeln als auf unbeschatteten Flächen.
Drohnen zeigen, wo sich die Gänse bei Hitze aufhalten
Messwerte allein beantworten allerdings noch nicht die entscheidende Frage: Nutzen die Gänse Bereiche mit einem günstigeren Mikroklima tatsächlich stärker?
Deshalb beobachtet das Forschungsteam die Tiere zusätzlich aus der Luft. Drohnen überfliegen die Weiden in 80 bis 120 Metern Höhe. Die Aufnahmen zeigen, wo sich die Gänse zu bestimmten Zeiten aufhalten und wie sie sich auf der Fläche verteilen.
Erste Beobachtungen machen den Einfluss hoher Temperaturen deutlich. Bei Hitze ziehen sich die sonst mobilen Tiere in den Stall zurück oder ruhen unmittelbar an den Schattengrenzen von Gebäuden und Bäumen. Erst wenn die Temperaturen sinken, werden sie wieder aktiver.
Die Versuche begannen 2025. In diesem Jahr setzt die Hochschule die Drohnenflüge fort.
Pappelreihen mit Schattenwirkung
Sensordaten und Luftbilder werden zusammengeführt
Für die Auswertung kombiniert Menne die Drohnenaufnahmen mit den Daten der Klimasensoren. Dadurch lässt sich untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen Mikroklima und Aufenthaltsort der Tiere besteht.
Die Forscher wollen damit zwei Fragen beantworten: Wie stark verändern unterschiedliche Weidestrukturen Temperatur und Luftfeuchtigkeit? Und wie reagieren die Gänse auf diese Unterschiede?
Menne entwickelt und erprobt dafür digitale Verfahren, mit denen sich das Verhalten der Tiere unter praktischen Bedingungen erfassen und auswerten lässt. Die Untersuchungen gehören zu seiner Doktorarbeit im Agroforst-Reallabor des Förderprojekts TransRegINT an der Hochschule Rhein-Waal.
Agroforst könnte Tierwohl bei Hitze unterstützen
Von den Pappelreihen erwartet Menne mehrere Vorteile. Die Gehölze unterteilen große Weideflächen und schaffen geschützte Bereiche. Mit zunehmendem Wachstum dürfte auch die verfügbare Schattenfläche steigen.
Zugleich könnten Beschattung und Verdunstung dazu beitragen, die Bedingungen unmittelbar zwischen und neben den Bäumen zu verbessern. Ob dieser Effekt ausreicht, um das Verhalten der Gänse messbar zu verändern, sollen die Untersuchungen zeigen.
Damit berührt das Projekt eine Frage, die für die Weidehaltung von Geflügel an Bedeutung gewinnt: Wie können Betriebe ihre Ausläufe so gestalten, dass die Tiere auch während längerer Hitzeperioden geeignete Bereiche vorfinden?
Pappeln könnten Landwirten einen zusätzlichen Nutzen bringen
Bestätigen sich die Erwartungen, könnten Agroforststrukturen für Gänsehalter gleich mehrfach interessant sein. Pappelreihen würden dann nicht nur Struktur und Schatten auf der Weide schaffen. Die Bäume könnten zugleich als Energieholz dienen.
Für Landwirte könnten sich damit Tierwohl, Klimaanpassung und eine zusätzliche Nutzung der Fläche verbinden. Wie groß diese Vorteile unter Praxisbedingungen tatsächlich ausfallen, müssen die laufenden Untersuchungen allerdings erst zeigen.
Die Ergebnisse sollen Betrieben schließlich dabei helfen, Weideflächen gezielter an heißere Sommer anzupassen und Gänsen auch bei hohen Temperaturen attraktive Aufenthaltsbereiche im Freien anzubieten.
Geflügelnews
Bild:
HSRW_Samuel Lemmen
Quelle:
HSRW I Jannis Menne
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