NRW-Geflügeltag: Heimische Produktion hat Zukunft!

06 Mai 2026
Deutschland
NRW-Geflügeltag

Der NRW-Geflügeltag hat sich als fester Termin im Kalender der Branche etabliert. In diesem Jahr standen u.a. konkrete Einstiegs- bzw. Umbaukonzepte im Fokus. In der Mast braucht es mehr Haltungsform 3, für den wachsenden Eierbedarf fehlen auch Junghennenaufzuchtplätze. Die Chancen sind da – können Landwirte sie nutzen?

Karl Werring ist Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) und damit Hausherr im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Hier findet jedes Jahr der NRW-Geflügeltag statt. In seiner Begrüßung sprach Werring das -bekannte- Kernproblem der Geflügelwirtschaft an: Der Markt läuft gut, aber nach wie vor sind Genehmigungsverfahren für Stallneu- oder -umbauten sehr zeit- und kostenaufwändig, es gibt viele Stolpersteine. Nach wie vor fehlen verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, kritisierte er die aktuelle Bundesregierung. 

Heimischer Markt bietet Chancen

Dass der heimische Markt viele Chancen für Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter, aber eben auch für Neueinsteiger bietet, machten mehrere Referenten deutlich. Johannes Bünger vom Putenvermehrer Moorgut Kartzfehn betonte ebenso wie Henrik Rieke-Heyen vom Hähnchenvermarkter Plukon, dass die Haltungsform 3 des Lebensmittelhandels verstärkt vom Markt nachgefragt wird. Zu den Haltungskriterien dieser Stufe gehört bekanntlich ein Außenklimabereich. 

Viele Puten- und Hähnchenmäster und -mästerinnen haben Interesse, ihre vorhandenen Ställe umzubauen, scheitern aber an der Baugenehmigung für den Umbau. Wenn ein konventioneller geschlossener Hähnchenstall quasi geöffnet wird mit einem Wintergarten, müssen zum Beispiel höhere Geruchs-Emissionswerte angesetzt werden (plus 10 Prozent). Der Wert wurde festgelegt ohne wissenschaftliche Grundlage. 

Wenn sich „schützenswerte Güter“ wie Wald oder Wohnbebauung in der Nähe befinden, bedeutet das unter Umständen, dass eben kein Wintergarten angebaut werden kann oder die Tierzahl reduziert werden muss. Das stellte Inga John vom Ingenieurbüro Michael Herdt, Büdingen, vor. Das Büro begleitet Stallneu- und-umbauten im Geflügelbereich. 

Privilegierung für gewerbliche Geflügelhalter

Zumindest eine positive Nachricht hatte Inga John für gewerbliche Geflügelhaltungen mitgebracht, die ihre Ställe umbauen wollen: Es gibt seit kurzem einen Referentenentwurf zur Privilegierung im Außenbereich. Diese gilt bislang bekanntlich nur für Schweineställe, wenn durch einen Umbau die Haltungsbedingungen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus verbessert werden und die Tierzahlen nicht erhöht werden. Diese Regelung soll laut Referentenentwurf künftig auch für andere Tierarten gelten.  

Abgerundet wurden die Vorträge zur Haltungsform 3 durch den kurzweiligen Bericht von Hähnchenmäster Ralf Osterloh (Landkreis Oldenburg), der in seinen Ställen bereits seit mehreren Jahren für höhere Haltungsstufen produziert und insgesamt ein positives Fazit zog.

Marius Drolshagen, Gut Friedrichsruh

Neue Aufzuchtbetriebe dringend gesucht

Die Geflügelvermehrung Gut Friedrichsruh ist nicht das einzige Unternehmen, dass auf der Suche nach Neueinsteigern in die Legehennenaufzucht ist. Mitarbeiter Marius Drolshagen warb hierfür auf dem NRW-Geflügeltag und machte eine einfache Rechnung auf: Der Eierverbrauch pro Kopf und Jahr ist in den vergangenen Jahren beständig gestiegen, man geht von einem weiteren Zuwachs aus. 

Für einen Mehrverbrauch von nur 1 Ei pro Kopf und Jahr sind 280.000 zusätzliche Legehennenplätze nötig. Das bedeutet 200.000 zusätzliche Junghennen oder 80.000 Junghennen-Aufzuchtplätze. Wie Marius Drolshagen betonte, werden derzeit viele neue Legehennenställe gebaut, die Aufzucht hinke jedoch hinterher. 

Auch aus den Niederlanden fehlen Eier

Deutschland hat bei Eiern einen Selbstversorgungsgrad von etwa 72 Prozent. In unserem Nachbarland Niederlande, das größter Importeur von Schaleneiern ist, werden jedoch auch Stallkapazitäten abgebaut. Durch das staatliche Ausstiegsprogramm fallen Legehennen- und Aufzuchtplätze weg. Das vergrößert den Bedarf hierzulande. 

Marius Drolshagen listete in seinem Vortrag die Vorteile einer Junghennenaufzucht als neuen Betriebszweig auf: Die Investitionssumme ist deutlich geringer als etwa für einen Legehennenstall, es wird keine Auslauffläche benötigt. Es braucht deutlich weniger Umlaufkapital, wenn der Vermehrer den Tierzukauf, Futter- und Tierarztkosten trägt. Drolshagens Unternehmen reduziert das Risiko für den Aufzüchter zudem durch eine Auslastungsgarantie für mehrere Jahre und eine Ertragsschadensversicherung. 

Schadnagerbekämpfung mit digitaler Hilfe

In einem anderen interessanten Vortrag ging es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Geflügelbeständen. Svenia Paul stellte das kameragestützte Überwachungssystem des Herstellers VetVise vor. Es kommt inzwischen nicht nur in Masthähnchenställen zum Einsatz, sondern auch in der Putenaufzucht und -mast sowie in der Elterntierhaltung. Getestet wird es derzeit zudem in Legehennenställen. 

Vorgestellt wurden auf dem Geflügeltag außerdem ein Projekt zur digitalen Erfassung von Rattenbefall auf landwirtschaftlichen Betrieben und die künftigen rechtlichen Änderungen bei der Schadnagerbekämpfung. 

Brüssels Mühlen mahlen sehr langsam 

Dr. Hans-Peter Schons von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter e.V. (ADT) berichtete über laufende Gesetzesvorhaben auf EU-Ebene wie die Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung. Ein Teil hiervon ist die EU-Transportverordnung. Hierbei ist frühestens im Januar kommenden Jahres mit einer Abstimmung im EU-Parlament zu rechnen. 

Veranstalter des NRW-Geflügeltages, der wieder vor vollem Haus stattfand, sind die Landwirtschaftskammer NRW und der Geflügelwirtschaftsverband NRW. Geflügelnews wird noch detaillierter auf einzelne Themen der sehr praxisorientierten Veranstaltung eingehen. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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