Geflügelhalter warnen: Neue EU-Öko-Vorgabe gefährdet Tierwohl und Höfe

06 Mai 2025
Deutschland
Landwirt Hähnchen

Neue EU-Vorgaben für Bio-Küken gefährden laut Landwirten Tierwohl und Existenzen. Verbände fordern dringend Nachbesserungen.

Die neue Auslegung der EU-Öko-Verordnung 2018/848 sieht vor, dass Junggeflügel bereits ab dem ersten Lebenstag Zugang zu Grünauslauf erhalten soll. Bio-Geflügelhalter warnen jedoch vor erheblichen praktischen und tierschutzrelevanten Problemen.

Küken im Auslauf ab Tag 1? Praktiker schlagen Alarm

So kritisiert der Bio-Hähnchenmäster Kilian Henne aus Deitersen diese Vorgabe scharf. Küken seien in den ersten Lebenswochen nicht ausreichend befiedert und immunstark, um im Freien überleben zu können. Der Zugang zu Außenflächen könne zu Krankheiten und damit zu einem erhöhten Antibiotikaeinsatz führen – genau das Gegenteil der angestrebten Tierwohlverbesserung.

Henne hält in seinen Ställen rund 28.800 Tiere nach Naturland-Regeln, wobei den Tieren erst ab dem 28. Lebenstag Auslauf gewährt wird. Würde die neue Auslegung ab Ende 2030 umgesetzt, müsste er sechs Hektar Auslauffläche für Küken bereitstellen – Flächen, die ihm nicht zur Verfügung stehen. Zudem würde der Platz kaum genutzt.

Millioneninvestitionen auf der Kippe: Bio-Höfe vor dem Aus?

Neben den tierschutzfachlichen Risiken sieht Henne auch wirtschaftlich gravierende Folgen. Er betreibt seine Ställe klimaneutral über eine Biogasanlage und nutzt eigenes Bio-Futter. Die EU-Vorgabe würde seine millionenschwere Investition in Frage stellen. Er spricht von einer möglichen Stilllegung des Stalls, sollte keine Ausnahme gewährt werden.

Etwa 80 Prozent der Bio-Geflügelhalter wären laut Henne von der neuen Regelung betroffen. Viele könnten die baulichen Anforderungen gar nicht erfüllen. Zusammen mit Verbänden und Vermarktern hat er sich an die Politik gewandt – bisher jedoch ohne Erfolg. Die Rückmeldung der EU-Kommission sei ernüchternd gewesen: Entweder sei das Problem nicht erkannt worden, oder es fehle an Interesse.

Realitätsferne Politik? Kritik an der EU-Kommission wächst

Carsten Bauck, Vorsitzender des Ausschusses Ökolandbau im Landvolk Niedersachsen, kritisiert die neue Regelung als realitätsfern. Die Haltung von Küken im Freien ab dem ersten Tag sei fachlich nicht vertretbar. Viele Betriebe befürchten eine Halbierung ihrer Kapazitäten – und das in einer Phase, in der der Ökolandbau eigentlich ausgebaut werden soll.

Bauck warnt vor einem drohenden Strukturbruch. Besonders Niedersachsen sei betroffen, da dort mehr als jedes dritte deutsche Bio-Huhn gehalten werde. Viele Betriebe könnten gezwungen sein, aus der Geflügelhaltung auszusteigen oder den Bio-Status aufzugeben. Er fordert dringend ein Überdenken der Reform durch die Politik.

Geflügelnews
Bild: Landvolk Niedersachsen
Quelle: Landvolk Pressedienst

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