Zehn Jahre IG Bio-Initiative: Strenge Standards ohne Ausnahmen für ökologische Geflügelhaltung
21 Oktober 2025
Deutschland
Gruppenbild aller Referenten und des Vorstands (v.l.): Dr. Reinhard Kaeppel (Vorsitzender IG Bio-Initiative), Silvia Ey (Geschäftsführerin GWV Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Kai-Uwe Kachel (Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern), Alexander Hissting (Geschäftsführer VLOG), Friedrich Behrens (EZ Fürstenhof), Margit Beck (MEG), Dietmar Tepe (geschäftsführer KAT), Dr. Caspar von der Crone (IG Bio-Initiative).
Mit einer hochkarätig besetzten Fachtagung feierte die IG Bio-Initiative e. V. am 16. Oktober 2025 ihr zehnjähriges Bestehen in Finkenthal. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Verbänden, Ministerien, dem Lebensmitteleinzelhandel sowie den Organisationen KAT, VLOG und MEG Marktinfo Eier & Geflügel diskutierten aktuelle Entwicklungen der ökologischen Geflügelhaltung – von Tierwohl und Biodiversität über die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung bis hin zu den neuen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung.
Zehn Jahre IG Bio-Initiative: Fachtagung in Finkenthal
Zu Beginn der Veranstaltung zeichnete Dr. Caspar von der Crone, Mitgründer und Vorstand der IG Bio-Initiative den Weg der vergangenen zehn Jahre nach – von der Idee über die Gründung bis zur heutigen Rolle als Impulsgeber im ökologischen Landbau. „Vor zehn Jahren haben wir uns gefragt, wie ökologische Geflügelhaltung glaubwürdig und nachvollziehbar gestaltet werden kann. Wir wollten klare Standards und keine Interpretationsspielräume – im Interesse der Landwirte, aber auch der Verbraucher“, sagte Caspar von der Crone.
"Caspar von der Crone „Wir wollten Glaubwürdigkeit schaffen – im Interesse der Verbraucher“"
Bereits damals habe man feststellen können, dass der Wunsch nach verbindlichen und überprüfbaren Bio-Kriterien groß gewesen sei. Gemeinsam mit Friedrich Behrens vom EZ Fürstenhof entwickelte von der Crone die Idee einer eigenständigen Bio-Initiative mit strengeren Vorgaben und klar definierten Regionalitätskriterien. „Wir haben Regionalität bewusst auf einen Radius von rund 200 Kilometern festgelegt“, erläuterte von der Crone. „Nur so können wir Transparenz und Glaubwürdigkeit sicherstellen.“
Pflichtenheft und dreistufige Kontrolle für mehr Transparenz
Kernstück der Arbeit der IG Bio-Initiative ist ein verbindliches Pflichtenheft, das sämtliche Produktionsstufen der ökologischen Geflügelhaltung umfasst – von Futterherkunft und Aufzucht bis hin zu Zertifizierung und Vermarktung. Die Anforderungen gehen deutlich über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus.
Das Kontrollsystem der Bio-Initiative ist dreistufig aufgebaut:
- Gesetzlich vorgeschriebene Öko-Zertifizierung
- KAT-Audit als zusätzliche Kontrolle und Verifizierung
- Spezifische Kontrolle der Bio-Initiative-Vorgaben
Zu den verbindlichen Prinzipien zählen:
- vollständige Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung,
- tiergerechte Haltung nach erweiterten Tierschutzvorgaben,
- das Verbot des Kükentötens (seit 2019 verpflichtend),
- Weidegang und betriebseigenes Futter,
- ein maximaler Tierbesatz von zwei Großvieheinheiten pro Hektar,
- Verzicht auf Gentechnik, Antibiotika und Leistungsförderer.
Zudem werden neutrale Zertifizierungsstellen regelmäßig auditiert, um die Integrität des Systems sicherzustellen.
„Wir wollten von Beginn an eine Prozesskette schaffen, die sich vom Futter bis zum Ei transparent nachvollziehen lässt“, betonte von der Crone. „Diese Nachvollziehbarkeit ist die Basis für Vertrauen in der Bio-Geflügelwirtschaft.“
Fortschritte im Tierwohl: Praxisbericht von Friedrich Behrens
Der Name Friedrich Behrens und sein Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof sind eng mit der Gründung und Entwicklung der Bio-Initiative verbunden. Es lag daher nahe, dass der Geschäftsführer des EZ Fürstenhof bei der Jubiläumstagung die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte Revue passieren ließ, um die Fortschritte im Biobereich zu verdeutlichen.
„Vor 20 Jahren – zur Gründung des EZ Fürstenhof – war unsere Vision ein geschlossener Kreislauf: vom Acker über die Brüterei und das Mischfutterwerk bis hin zur Verpackung und Vermarktung“, so Behrens. „Heute wissen wir: Nur mit klaren Strukturen, engagierten Mitarbeitern und vollständiger Prozesskontrolle lässt sich diese Vision erreichen und nachhaltig sichern.“
Behrens betonte, dass die heutigen Tierbestände der EZ Fürstenhof beeindruckende Leistungen zeigen: Produktionszeiten von 80 bis 90 Wochen, in einigen Fällen sogar 95 Wochen, bei einer Mortalität von unter zehn Prozent seien vor 20 Jahren noch nicht denkbar gewesen. Die konsequenten Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls, die man unternommen habe, hätten sich eindeutig ausgezahlt.
„Von Anfang an war uns auch klar, dass das gesamte System auch wirtschaftlich tragfähig sein muss. Idealismus allein reicht nicht – wir müssen täglich die Kosten im Blick haben und daran arbeiten, unsere Prozesse noch effizienter zu gestalten.“
Friedrich Behrens: „Von Anfang an war uns klar, dass das gesamte System auch wirtschaftlich tragfähig sein muss. Idealismus allein reicht nicht – wir müssen täglich die Kosten im Blick haben und unsere Prozesse kontinuierlich optimieren.“
Rückblickend gibt Friedrich Behrens zu: „Die Strukturen, die wir damals eingeführt haben, waren aus heutiger Sicht mutig. Wir haben sie aber kontinuierlich angepasst, weil sich sowohl der Einzelhandel als auch die Kostenstruktur und die Landwirtschaft verändert haben.“ Insgesamt zieht Behrens ein positives Fazit der letzten 20 Jahre: „Der Markt in Deutschland weiß, was er an uns hat. Gleichzeitig arbeiten wir jeden Tag daran, unsere Abläufe weiter zu verbessern.“
Ohne Ausnahmen: Bio-Initiative setzt strengere Standards
Auf diesen Erfolgen baut die IG Bio-Initiative auf, die sich von klassischen Bio-Verbänden wie Naturland oder Bioland insbesondere durch die konsequente Umsetzung ohne Ausnahmegenehmigungen unterscheidet. „Bei uns gibt es keine Ausnahmen – und das ist auch gut so“, sagt Friedrich Behrens. „Der Lebensmitteleinzelhandel weiß, dass der Standard der Bio-Initiative für Sicherheit und Verlässlichkeit steht.“
Während andere Bio-Siegel zunehmend auch im Discountbereich vertreten sind, versteht sich die Bio-Initiative als verlässlicher Partner für den qualitätsbewussten Lebensmittelhandel – etwa bei Edeka und Rewe. Heute ist der Verband zudem im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen und hat sich als maßgeblicher Qualitätsstandard in der ökologischen Geflügelwirtschaft etabliert.
Blick ins Auditorium der Fachtagung
Zehn Jahre Engagement für nachhaltige ökologische Geflügelhaltung
Nach zehn Jahren zieht die IG Bio-Initiative also eine positive Bilanz. Sie hat neue Maßstäbe für Transparenz, Regionalität und Tierschutz gesetzt – und bleibt dabei ein praxisorientierter Partner der Landwirtschaft. „Wir wollen, dass ökologische Tierhaltung glaubwürdig bleibt – für Landwirte, Handel und Verbraucher gleichermaßen“, so Caspar von der Crone.
In dem vielseitigen Fachprogramm, über das Geflügenews noch detailliert berichten wird, wurden aktuelle Entwicklungen der ökologischen Geflügelhaltung mit Einblicken aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis diskutiert.
- Dr. Kai-Uwe Kachel vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern erläuterte die aktuellen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung und nationale Optionen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der ökologischen Geflügelhaltung.
- Silvia Ey, Geschäftsführerin des Geflügelwirtschaftsverbands Mecklenburg-Vorpommern e. V., stellte neue Anforderungen im Bereich Tierwohl, Umwelt- und Biodiversitätsmanagement vor und beleuchtete deren Konsequenzen für die ökologische Produktion.
- Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), diskutierte die Zukunft der „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung und die Herausforderungen für den ökologischen Sektor.
- Margit Beck von der MEG Marktinfo Eier & Geflügel präsentierte aktuelle Strukturdaten der Eierwirtschaft sowie Trends in Angebot und Preisentwicklung.
- Dietmar Tepe, Geschäftsführer des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT), informierte über neue Kontrollvorgaben entlang der Prozesskette – von der Brüterei über Aufzucht und Kennzeichnung bis hin zur Vermarktung.
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