Lasst uns über das Zweinutzungshuhn sprechen!

25 Januar 2024
Zweinutzungshuhn
Domäne Gold

Der 22. Januar ist der Tag des Zweinutzungshuhns. Und an diesem Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Hahn & Henne in der zeitgemäßen ökologischen Züchtung von Nutztieren wieder zusammengehören, so zumindest das Ziel seiner Initiatoren, der Initiative „ei care“, dem Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter und der Ökologischen Tierzucht gGmbH. Unter dem Motto „Lasst uns über Hühner sprechen“ widmete sich in diesem Jahr eine Podiumsrunde der Frage, wie das Zweinutzungshuhn Teil der Ernährungswende sein kann.

Die Veranstaltung am Rande der Grünen Woche in Berlin war von der ÖTZ gGmbH und Neuland e.V. organisiert worden. „Beim Zweinutzungshuhn geht es um mehr als nur ums Ei“, sagte Inga Günther, Geschäftsführerin der ÖTZ gGmbH. „Es geht ums Ganze“. Die Wirtschaft beschäftige sich derzeit intensiv mit der Frage, wie das Nischenprodukt „Zweinutzungshuhn“, dessen Nische in Zukunft möglicherweise sogar noch kleiner werde, dem Verbraucher nähergebracht werden könne. „Nur dann funktioniert es nämlich erst“. Für die Umsetzung brauche es Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam.

Stand der Entwicklung beim Zweinutzungshuhn

Von Seiten der Wissenschaft hatte man Prof. Dr. Bernhard Hörning von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde eingeladen. Er bezeichnete die Zucht des Zweinutzungshuhns als konsequenteste Alternative, wenn es um das Vermeiden des Tötens männlicher Eintagskükens von Legehennen geht. Erfreulich sei, dass inzwischen alle bekannten Hybridzuchtunternehmen auch Zweinutzungshybriden anböten. Offensichtlich verspreche man sich hier für die Zukunft auch international einen Markt. Auch in der Tierzuchtwissenschaft beginne man umzudenken und setze sich mit der an der einseitigen Zucht auseinander, um langfristig zu einer größeren Nachhaltigkeit in der Geflügelzucht und -haltung zu kommen.

Problematisch an den Zweinutzungstieren sei jedoch, dass sie im Vergleich zu den Spezialisten weniger Fleisch und Eier lieferten. Wenn Tierhalter Zweinutzungstiere halten sollten, müssten sie deshalb höhere Preise für die Produkte dieser Tiere erzielen, was sehr schwer zu erreichen sei.
Aus Sicht des Wissenschaftlers kommen für die Zucht von Zweinutzungshühnern zum einen Rassehühner in Frage, zum Beispiel Les Bleues, Bresse Gauloise, Mechelner, Sulmtaler, Marans oder Vorwerkhühner. Dies funktioniere aber nur begrenzt, weil Rassehuhnzüchter ihre Tiere zuallermeist als Hobby in kleinen Gruppen züchteten. Ein anderer Weg sei die Leistungssteigung durch Einfachkreuzung zweier Rassen, zum Beispiel von Les Bleues und Sulmtaler-Hühnern, oder die Kreuzung von Hybriden.

Zweinutzungshuhn treffender erklären

Das Problem der Zweinutzungshühner sei ihr mangelnder Bekanntheitsgrad beim Verbraucher, so Hörning. Die Begriffe „Kükentöten“ und „Bruderhahn“ seien vielen Menschen durchaus geläufig. Auf den Begriff, „Zweinutzungshuhn“ treffe dies eher nicht zu. „Wir müssen die Tiere also besser erklären und einen besseren Begriff als den des Zweinutzungshuhnes finden“, so der Wissenschaftler. „Und wir müssen eine gängige Kurzdefinition zum Zweinutzungshuhn formulieren“. Als Vorteile sollte man unter anderem herausstellen, dass man nur eine Rasse für die Erzeugung von Eiern und Fleisch benötige. Wichtig sei auch das Herstellen des regionalen Bezugs. Der Experte plädiert darüber hinaus für mehr Engagement des Staates bei der Zucht von Zweinutzungshühner: „Es wäre wünschenswert, wenn das Geflügel im deutschen Tierzuchtgesetz auftaucht und Leistungsprüfungen klar geregelt und auch auf den Ökolandbau ausgedehnt werden“, so Prof. Hörning.

Anmerkung: Die Beiträge zur praktischen Haltung und Vermarktung von Zweinutzungshühnern folgen!

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Daniel Schewe

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