Die Impfung gegen die Newcastle-Krankheit ist Pflicht. Doch ihre Wirksamkeit hängt von Details ab. Dr. Franca Möller vom Geflügelgesundheitsdienst Hessen zeigte in einem Online-Seminar von Netzwerk Fokus Tierwohl und Tierschutzberatungsdienst Brandenburg, wie stark sich Impfstofftyp, Applikation und Fehleranfälligkeit unterscheiden.
Dr. Franca Möller vom Geflügelgesundheitsdienst Hessen erläuterte in einem Online-Seminar, das das Netzwerk Fokus Tierwohl zusammen mit dem Tierschutzberatungsdienst Brandenburg zum Thema „Atypische Geflügelpest – Newcastle Krankheit beim Geflügel“ veranstaltete, dass sich je nach Impfstofftyp (Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe) sowie Haltungsform sowohl die Applikationswege als auch das Fehlerpotenzial erheblich unterscheiden.
Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige, aber abgeschwächte Erreger. „Abgeschwächt“ bedeutet, dass die Krankheitserreger so verändert wurden, dass sie keine Erkrankung mehr auslösen, aber dennoch eine Immunantwort stimulieren. Das Huhn bildet daraufhin spezifische Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper. Bei einzelnen Tieren erfolgt die Impfung direkt, etwa durch Eingabe des Impfstoffs in den Schnabel oder als Augentropfen. Diese Methoden erlauben eine sehr präzise Dosierung, sind jedoch arbeitsintensiv und daher für größere Bestände kaum praktikabel. In größeren Herden wird der Impfstoff häufig über die gesamte Herde verteilt, zum Beispiel durch Vernebelung als Spray oder über das Trinkwasser. Gerade die Trinkwasserimpfung gilt als praktikabel, ist aber störanfällig und verlangt sorgfältige Vorbereitung.
Bei der Trinkwasserimpfung soll jedes Tier innerhalb von zwei bis maximal drei Stunden eine vollständige Impfdosis aufgenommen haben, wofür das Trinkwasser frei von Zusätzen wie Chlor oder Säuren sein muss, da diese das Impfvirus inaktivieren können. Das benötigte Wasservolumen muss realistisch geschätzt oder am Vortag ermittelt werden: Eine 2 kg schwere Legehenne nimmt beispielsweise etwa 200 ml Wasser pro Tag auf. Vor der Impfung werden die Tiere gezielt durstig gehalten, und der Impfstoff wird erst unmittelbar vor der Gabe aufgelöst. So soll gewährleistet werden, dass die Tiere die gesamte Dosis innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens aufnehmen.
Die Impfkontrolle erfolgt durch eine einfache Sichtprüfung: Das Tränkewasser wird blau gefärbt, sodass nach zwei Stunden die Zunge, der Rachen und der Kropf der Tiere blaugrün erscheinen. Eine sichtbare Färbung zeigt an, dass das Tier tatsächlich getrunken hat. Zusätzlich kann eine Blutprobe erfolgen, um die Bildung von Antikörpern im Serum nachzuweisen, ein Verfahren, das in der Fachsprache als Serologie bezeichnet wird.
Die Trinkwasserimpfung ist wirksam, aber fehleranfällig. Probleme entstehen, wenn der Impfstoff in zu viel Wasser gelöst wird, sodass die Dosis pro Tier zu gering ausfällt, oder wenn er in zu wenig Wasser gelöst wird, sodass ranghohe Tiere mehr aufnehmen als ihre Artgenossen. Verzögerungen bei der Gabe oder eine zu geringe Wasseraufnahme können ebenfalls dazu führen, dass nicht alle Tiere geimpft werden. Selbst bei korrekter Dosierung kann das Virus inaktiv sein, wenn die Kühlkette unterbrochen, der Impfstoff zu warm gelagert oder eingefroren wurde oder das Wasser ungeeignete Zusätze enthält.
Totimpfstoffe enthalten nicht mehr vermehrungsfähige Erreger oder Bestandteile davon. Sie können keine Infektion auslösen, regen aber ebenfalls die Bildung von Antikörpern an. Im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen werden Totimpfstoffe immer injiziert, entweder intramuskulär, also in den Muskel, oder subkutan, unter die Haut. Bei Legehennen erfolgt die intramuskuläre Injektion in die Brustmuskulatur, bei der subkutanen Injektion wird eine Hautfalte im Nacken angehoben und der Impfstoff darunter appliziert.
Ob Trinkwasser oder Injektion – die Impfung im Geflügelbestand ist kein Routineakt, sondern ein präzise geplanter Eingriff in das Bestandsmanagement. Lebendimpfstoffe erfordern logistische Feinarbeit und exakte Zeitplanung, Totimpfstoffe anatomische Genauigkeit. In beiden Fällen entscheidet die Sorgfalt über die Wirksamkeit: Kleine Fehler können die Immunisierung erheblich beeinträchtigen.