Newcastle-Krankheit beim Geflügel: Bestände wirksam schützen

Newcastle-Krankheit beim Geflügel: Bestände wirksam schützen

Die Newcastle-Krankheit kann Geflügelbestände innerhalb kurzer Zeit schwer treffen. Doch das Krankheitsbild zeigt sich oft uneindeutig. In einem Online-Seminar des Netzwerk Fokus Tierwohl und des Tierschutzberatungsdienst Brandenburg erklärte Franca Möller vom Geflügelgesundheitsdienst Hessen, wie Halter die Krankheit erkennen und welche Rolle Impfungen beim Schutz der Bestände spielen.

In einem Online-Seminar, das das Netzwerk Fokus Tierwohl zusammen mit dem Tierschutzberatungsdienst Brandenburg veranstaltete, klärte Dr. Franca Möller vom Geflügelgesundheitsdienst Hessen darüber auf, dass sich das klinische Bild von Newcastle Krankheit (oder Newcastle Disease - ND) ausgesprochen variabel zeigt – mitunter tückisch unspezifisch im Frühstadium, in schweren Verlaufsformen jedoch mit verheerenden Konsequenzen für ganze Bestände. Wie dramatisch die Auswirkungen sein können, hängt dabei von mehreren Faktoren ab: vom Virusstamm, von der Empfänglichkeit der jeweiligen Vogelart – und nicht zuletzt vom bestehenden Impfschutz.

Unterschiedliche Virusstämme – unterschiedliche Verläufe

Das Krankheitsgeschehen wird maßgeblich durch die Pathogenität des Virus bestimmt. Besonders gefürchtet sind velogene Stämme, also hoch virulente,besonders krankmachende Virusvarianten mit schweren Verläufen und hoher Sterblichkeit, die entweder viszerotrop (innere Organe wie Darm oder Verdauungstrakt betreffend) oder neurotrop (das Nervensystem betreffend) auftreten können. Mesogene Stämme verursachen in der Regel mittelschwere Krankheitsverläufe, während so genannte lentogene Formen (lentogen = schwach virulent / wenig krankmachend) mild erscheinen oder sogar asymptomatisch verlaufen können. Doch auch vermeintlich harmlose Varianten dürfen nicht unterschätzt werden, da sie in empfänglichen Populationen wirtschaftlich relevante Leistungseinbußen nach sich ziehen können.

Neben der Virulenz spielt die Geflügelart eine Rolle: Hühner reagieren in der Regel empfindlicher als andere Vogelarten. Entscheidenden Einfluss auf Verlauf und Ausmaß eines Ausbruchs hat zudem der Impfstatus des Bestandes.

Wie äußert sich die Newcastle-Krankheit?

Auf Herdenebene fallen zunächst unspezifische Veränderungen auf. Erhöhte Verluste, eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinbefindens vieler Tiere sowie ein abrupter Leistungsabfall – insbesondere bei Legehennen – können erste Hinweise sein. In schweren Fällen kommt es zu massiver Mortalität innerhalb kurzer Zeit. Die Symptome beim Einzeltier sind vielfältig: hochgradige Störungen des Allgemeinbefindens, Herz-Kreislauf-Probleme, Atemwegsbeschwerden mit Atemnot und Atemgeräuschen sowie katarrhalische Entzündungen der Schleimhäute im Kopfbereich; Schwellungen können hinzukommen. Zentralnervöse Störungen äußern sich in Koordinationsproblemen oder anderen neurologischen Auffälligkeiten. Durchfall ist ein weiteres mögliches Symptom.

Gerade im Frühstadium bleibt das Krankheitsbild jedoch häufig uneindeutig. Eine sichere Diagnose ist daher nur durch Labordiagnostik möglich – ein entscheidender Schritt, um geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Impfpflicht und Prävention – klare gesetzliche Vorgaben

Die wichtigste Maßnahme gegen die Newcastle Disease ist und bleibt die Impfung. In Deutschland schreibt § 7 der „alten“ Geflügelpest-Verordnung eine Impfpflicht für alle Hühner- und Putenbestände vor – unabhängig von der Bestandsgröße. Ergänzend ist eine konsequente Abschirmung der Bestände gefordert, um einen Viruseintrag zu verhindern.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt unterschiedliche Strategien: Während in Dänemark, Großbritannien und der Schweiz nicht geimpft wird, gilt in Polen seit Sommer 2025 eine Impfpflicht.

Kleinsthaltungen tragen ein besonderes Risiko

Ein erhöhtes Risiko besteht in Klein- und Hobbyhaltungen. Hier ist die Biosicherheit häufig weniger streng umgesetzt als in professionellen Betrieben, was das Eintragsrisiko steigert. Tiermärkte und Ausstellungen erhöhen zusätzlich das Verbreitungspotenzial des Virus, da Tiere unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen. Umso bedeutsamer ist die gesetzliche Regelung: Die Impfpflicht gilt ab dem ersten gehaltenen Tier.

Überblick über zugelassene Impfstoffe

Informationen zu zugelassenen Impfstoffen stellt das Paul-Ehrlich-Institut bereit. Das Bundesinstitut prüft und überwacht Impfstoffe sowie biomedizinische Arzneimittel in Deutschland. In seiner Datenbank finden Tierärztinnen, Tierärzte und Geflügelhalter eine Übersicht der aktuell zugelassenen Präparate gegen Newcastle Disease.

https://www.pei.de/DE/arzneimittel/tierarzneimittel/gefluegel/gefluegel-node.html

Andere Themen