Das Augsburger Huhn, eine gefährdete Hühnerrasse, hat seine Wurzeln im Augsburger Gebiet und repräsentiert eine historisch bedeutsame Hühnerrasse Bayerns. Als Zweinutzungsrasse wird es wegen seiner hervorragenden Legeleistung sowie wegen seines schmackhaften Fleisches wertgeschätzt. Dieser Artikel widmet sich einer detaillierten Betrachtung dieser Hühnerrasse.
Hier ein kurzer Steckbrief zum Augsburger Huhn:
| Eigenschaft | Beschreibung |
| Herkunft | Deutschland, gezüchtet um 1870 |
| Lateinischer Name | Gallus gallus domesticus |
| Farben |
ursprünglich schwarz mit Grünglanz oder blau-gesäumt |
| Größe |
40 – 50 cm |
| Gewicht |
Hahn: 2,3-3,0 kg, Henne: 2,0-2,5 kg |
| Legeleistung |
ca. 180-200 Eier/Jahr |
| Eierschalenfarbe |
weiß |
| Eigewicht |
ca. 58 g |
| Lebenserwartung |
5-8 Jahre |
| Besonderheiten |
bekannt für den Kronen- oder Becherkamm, vergleichsweise gute Flugfähigkeit, robust und wetterfest |
| Platzbedarf |
benötigt viel Auslauf, ideal für großflächige, kleinbäuerliche oder extensive Nutzung geeignet |
| Brutlust |
eher brutfaul, Nachzucht meist mittels Brutgerät |
| Haltung |
freilandähnliche Haltung bevorzugt, widerstandsfähig gegenüber sich ändernden klimatischen Bedingungen |
| Futter |
abwechslungsreiche Ernährung mit Getreide & Grünfutter bevorzugt. Möglichkeit zur Futtersuche im Auslauf ist wichtig |
| Flugfähigkeit |
vergleichsweise gute Flugfähigkeit |
Die Geschichte des Augsburger Huhns ist eng mit dem Namen Julius Meyer verbunden, der es um 1870 in Haunstetten bei Augsburg durch Kreuzung von La Flèche-Hühnern mit anderen Hühnerrassen züchtete. Ziel war es, ein Huhn mit guter Legeleistung und hoher Fleischqualität zu erschaffen, was Meyer auch gelang. Die Rasse wurde schnell bekannt und verbreitete sich in der Region, nicht zuletzt wegen des schmackhaften Fleisches dieser Hühnerrasse.
Im Laufe der Zeit erlebte das Augsburger Huhn verschiedene Phasen der Beliebtheit und des Rückgangs. Besonders kritisch war die Situation im Jahr 2009, als nur noch 17 Zuchtbetriebe mit 64 Hähnen und 289 Hennen registriert waren, was die Dringlichkeit einer Erhöhung der Zahl der Züchter unterstrich.
Trotz dieser Herausforderungen wurde das Augsburger Huhn 2011 von Slow Food Deutschland in die „Arche des Geschmacks" aufgenommen, um es vor dem Vergessen zu bewahren und zu erhalten. Darüber hinaus hat die Rasse interessante historische Wendepunkte erlebt, wie die große Aufmerksamkeit auf der Schwäbischen Geflügelausstellung in Günzburg 1882 oder die Verbreitung im Schwarzwald, die durch die farbliche Ähnlichkeit mit der regionalen Tracht gefördert wurde.
Die Zucht der Augsburger Hühner besteht heute aus zwei Linien, einer neueren reinerbigen und einer ursprünglichen mischerbigen, deren Zukunft von der Zahl der Züchter und der Bestandsentwicklung abhängt. Die Bemühungen um die Zucht reinerbiger Tiere mit dem charakteristischen Kamm und die Auffrischung durch Einkreuzung anderer Rassen wie Rheinländer oder Australorps zeugen von der Leidenschaft und dem Engagement vieler Züchter für die Erhaltung dieser bayerischen Hühnerrasse.
Die Augsburger Hühner haben einen charakteristischen Kamm, der ihnen ein unverwechselbares Aussehen verleiht. Sie sind schwarz mit grünem Schimmer, es gibt aber auch Varianten mit blauem Saum.
Obwohl diese Hühnerrasse vielseitig genutzt und geschätzt wird, steht sie kurz vor dem Aussterben und wird als stark gefährdet eingestuft. Dies ist auf verschiedene historische Ereignisse zurückzuführen, darunter ein Verbreitungsverbot im Jahr 1905, die Auswirkungen der Weltkriege und die Konkurrenz durch moderne Hybridrassen. Engagierte Züchter und Organisationen wie die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen tragen jedoch dazu bei, die Existenz dieser Rasse zu sichern.
Charakteristisch für die Augsburger Hühner sind ihr aufrechter Rücken, ihr auffälliger Schwanz mit langen, glänzenden Sichelfedern, ihre kräftigen, mittellangen Beine und ihr Körperbau, der ihnen vergleichsweise gute Flugeigenschaften verleiht. Sie gelten als lebhaft und energisch, mit einer hohen Lebensfreude und Kältetoleranz, was sie für die Freilandhaltung qualifiziert. Eine Henne wiegt rund 2 bis 2,5 kg und ein Hahn zwischen 2,3 und 3 kg. Sie legen durchschnittlich etwa 180-200 weiße Eier im Jahr.
Augsburger Hühner bevorzugen eine naturnahe Haltung mit viel Freiraum für Bewegung und Futtersuche. Ihre Ernährung sollte ausgewogen sein, bestehend aus Getreide, Körnern und Grünfutter. Trotz ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterbedingungen und Krankheiten ist eine sorgfältige Stallhygiene und ein geschützter Unterstand wichtig für ihr Wohlbefinden.
Das Augsburger Huhn ist nicht nur ein kulturelles Erbe Bayerns, sondern auch ein Beispiel für die Bedeutung der Erhaltung alter und gefährdeter Hühnerrassen. Seine Geschichte, Eigenschaften und Bedürfnisse machen es zu einer beliebten Wahl für Züchter, die sich für eine nachhaltige Hühnerzucht und den Erhalt der Biodiversität einsetzen.
Quellen:
Bildquellen: