Masthähnchen: Weltweite Produktion wächst stärker – was das für Europas Geflügelhalter bedeutet

13 August 2026
Markt Geflügelfleisch
Hähnchenmast wächst

Die weltweite Masthähnchenproduktion nimmt 2026 kräftiger zu als zunächst erwartet. Die Rabobank rechnet inzwischen mit einem Plus von 3,5 Prozent. Vor allem China, Brasilien und die USA treiben das Wachstum. Auch die EU erzeugt mehr Geflügelfleisch. Für europäische Mäster bleibt die Lage dennoch angespannt: Das Angebot wächst schneller als der Verbrauch, während Veränderungen im Welthandel zusätzliche Risiken für Preise und Absatz bringen.

Weltweite Hähnchenproduktion legt kräftig zu

Die internationale Geflügelwirtschaft steuert 2026 auf ein stärkeres Wachstum zu als bislang angenommen. Nach der jüngsten Prognose der Rabobank soll die weltweite Masthähnchenproduktion in diesem Jahr um 3,5 Prozent steigen.

Damit fällt die Einschätzung der Bank etwas optimistischer aus als die Prognose des Foreign Agricultural Service (FAS) des US-Landwirtschaftsministeriums. Dieser hatte im April ein Plus von rund 3 Prozent auf insgesamt 110,7 Millionen Tonnen erwartet.

Hinter dem Wachstum steht ein starkes erstes Halbjahr. Trotz geopolitischer Spannungen blieb die Nachfrage nach Geflügelfleisch weltweit robust. Gleichzeitig meldeten viele wichtige Erzeugerländer weniger Ausbrüche der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI). Das erleichterte vielerorts die Produktion.

Besonders stark soll die Erzeugung in China, Brasilien und den USA wachsen. Aber auch für die Europäische Union, Südafrika und die Philippinen erwartet die Rabobank steigende Mengen.

Hähnchen bleibt gegenüber Rindfleisch preislich im Vorteil

Ein wichtiger Wachstumstreiber bleibt der Preis. Hähnchenfleisch ist im Vergleich zu Rindfleisch für viele Verbraucher günstiger und behauptet damit seine starke Position im Wettbewerb der tierischen Proteine.

Die Rabobank sieht allerdings erste Risiken für die Nachfrage. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum und preissensiblere Verbraucher könnten den Absatz im weiteren Jahresverlauf bremsen. Das gilt besonders für Schwellenländer.

Auch im Welthandel bleiben die Zeichen zunächst auf Wachstum. Die Welternährungsorganisation FAO erwartet für 2026 einen Anstieg des internationalen Geflügelfleischhandels um 3,1 Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen. Bereits im ersten Quartal nahm der Handel laut Rabobank um 3,5 Prozent zu und erreichte damit ein historisch hohes Niveau.

Brasilien-Importe werden zum Unsicherheitsfaktor für die EU

Für europäische Geflügelhalter spielt vor allem die weitere Entwicklung der brasilianischen Exporte eine wichtige Rolle. Der europäische Importstopp für Geflügelfleisch aus Brasilien könnte die internationalen Warenströme nachhaltig verändern.

Bleibt Brasilien der Zugang zum EU-Markt versperrt, könnte das Angebot in Europa knapper werden und die Preise stützen. Gleichzeitig müssten brasilianische Exporteure größere Mengen auf anderen Märkten verkaufen. Dort könnten die zusätzlichen Mengen den Preisdruck erhöhen.

Von einer solchen Verschiebung könnten unter anderem China und Thailand profitieren.

Neben dem Welthandel bleiben die Kosten ein Thema. Zwar lässt der Inflationsdruck in vielen Regionen nach. Höhere Energiepreise und teurere Düngemittel belasten jedoch weiterhin die Produktionskosten. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verstärken diese Risiken.

USA steigern Masthähnchenproduktion auf rund 24 Millionen Tonnen

In den USA wächst die Produktion ebenfalls schneller als erwartet. Das USDA hatte zunächst mit einem Plus von 2 Prozent gerechnet. Inzwischen erwartet die Behörde einen Zuwachs von 2,9 Prozent. Damit dürfte die US-Produktion auf rund 24 Millionen Tonnen steigen.

Die Betriebe stallen mehr Küken ein und erzielen höhere Schlachtgewichte. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage im Inland stabil.

Für die Erzeuger hat die hohe Produktion jedoch eine Kehrseite. Laut Rabobank gerieten die Margen im zweiten Quartal unter Druck. Da die Unternehmen ihre Erzeugung zunächst auf hohem Niveau halten, dürfte sich der Markt erst im weiteren Jahresverlauf stärker erholen.

Beim Außenhandel erwartet das USDA gegenläufige Entwicklungen. Die US-Exporte sollen leicht auf etwas mehr als 3 Millionen Tonnen sinken. Die Importe könnten zugleich um mehr als 11 Prozent zurückgehen.

China wächst rasant und exportiert immer mehr Geflügelfleisch

Besonders dynamisch entwickelt sich China. Der FAS erwartet für 2026 einen Produktionszuwachs von 5 Prozent. Im ersten Quartal lag die chinesische Erzeugung laut Rabobank sogar 9,4 Prozent über dem Vorjahreswert.

Große Bestände an Großelterntieren sichern die Versorgung mit Küken. Gleichzeitig wachsen integrierte Geflügelunternehmen weiter und bauen ihre Produktion aus.

Während der heimische Verbrauch nur langsam steigt, gewinnt der Export deutlich an Bedeutung. China wandelte sich bereits 2024 vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Geflügelfleisch.

2026 setzt sich diese Entwicklung fort. Die chinesischen Ausfuhren steigen kräftig. Das Land könnte Thailand überholen und damit zu einem der weltweit führenden Geflügelfleischexporteure aufsteigen. Zu den wichtigsten Abnehmern gehören Japan, Hongkong, Russland und die Europäische Union.

Brasilien meldet Rekordexporte

Brasilien bleibt eine der treibenden Kräfte auf dem internationalen Geflügelmarkt. Das USDA erwartet für 2026 eine Produktion von 15,8 Millionen Tonnen. Der brasilianische Branchenverband ABPA rechnet mit 15,6 Millionen Tonnen.

Die Nachfrage im Inland bleibt hoch, zugleich exportiert Brasilien große Mengen. Nach mehreren Monaten mit sinkenden Preisen verteuerten sich lebende Masthähnchen im Mai wieder.

Die Produzenten reagieren dennoch vorsichtig auf die Marktlage. Sie haben die Kükenaufstallungen reduziert, um das Angebot besser an die Nachfrage anzupassen.

Im Export setzte Brasilien zuletzt eine neue Bestmarke. Im Mai führte das Land 509.000 Tonnen Geflügelfleisch im Wert von 1 Milliarde US-Dollar aus. In den ersten fünf Monaten lagen die Exportmengen 8,7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Entscheidend bleibt nun, ob Brasilien wieder Zugang zum europäischen Markt erhält. Davon hängt nicht nur die weitere Entwicklung der brasilianischen Ausfuhren ab. Auch für Preise und Handelsströme innerhalb Europas könnte die Entscheidung Folgen haben.

EU produziert mehr – doch die Margen bleiben knapp

Auch Europas Geflügelhalter steigern ihre Produktion. Die Europäische Kommission erwartet für 2026 ein Plus von 1,4 Prozent. Der FAS geht mit 1,5 Prozent von einem ähnlich starken Wachstum aus.

Im ersten Halbjahr profitierten die europäischen Masthähnchenhalter von einer guten Nachfrage. Gleichzeitig lagen die Futterkosten unter dem Niveau der Vorjahre. Auch die Zahl der HPAI-Ausbrüche ging zurück.

Die Erzeugung nahm allerdings deutlich Fahrt auf. Bereits im ersten Quartal stieg die Masthähnchenproduktion um 5,7 Prozent. Zugleich wurden deutlich mehr Küken eingestallt.

Genau darin liegt ein Risiko für die Erzeugerpreise. Nach Einschätzung der Rabobank wächst die Produktion derzeit schneller als der Verbrauch. Das zusätzliche Angebot setzte die Preise im ersten Halbjahr unter Druck.

Inzwischen zeigt sich eine leichte Erholung. Viel Spielraum haben die Betriebe jedoch nicht: Die Margen bleiben knapp.

Auch der Außenhandel liefert gemischte Signale. Die EU exportierte in den ersten Monaten des Jahres 6,7 Prozent weniger Geflügelfleisch. Gleichzeitig stiegen die Importe um 5 Prozent.

Thailand hofft auf zusätzliche Geschäfte mit Europa

Thailand könnte von den Veränderungen im internationalen Handel profitieren. Die dortige Geflügelwirtschaft konzentriert sich stark auf den Export verarbeiteter Produkte.

Im Inland bleibt die Nachfrage dagegen schwach. Die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und geringere Touristenzahlen bremsen den Absatz.

Die thailändische Geflügelproduktion soll 2026 um 0,9 Prozent auf 3,47 Millionen Tonnen steigen. Der Wert der Exporte dürfte um 3 Prozent auf 4,67 Milliarden US-Dollar zulegen.

Zusätzliche Chancen könnten sich ergeben, falls Brasilien weiterhin kein Geflügelfleisch in die EU liefern darf. Thailand könnte dann einen Teil der Nachfrage bedienen.

Auch auf der Kostenseite zeichnet sich Entlastung ab. Eine neue Vereinbarung erlaubt Thailand, bis zu 1 Million Tonnen Mais aus den USA zollfrei einzuführen. Das könnte die Futterkosten der Geflügelhalter senken.

Für EU-Mäster bleibt das wachsende Angebot entscheidend

Der weltweite Geflügelmarkt wächst 2026 kräftig. Hähnchenfleisch profitiert weiterhin von seiner günstigen Preisposition gegenüber anderen tierischen Proteinen. Gleichzeitig produzieren wichtige Erzeugerländer deutlich mehr.

Für deutsche und europäische Masthähnchenhalter kommt es deshalb besonders darauf an, wie sich Angebot und Nachfrage in den kommenden Monaten entwickeln. Steigt die Produktion weiter schneller als der Verbrauch, dürfte der Druck auf Erzeugerpreise und Margen anhalten.

Eine Schlüsselrolle spielt zudem Brasilien. Bleibt der EU-Markt für brasilianisches Geflügelfleisch geschlossen, könnte das die Preise in Europa stützen und zugleich die weltweiten Handelsströme neu ordnen.

Geflügelnews
Bild: Big Dutchman
Quelle: Sterke Erven Pluimvee, Luc Maertens

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