Rabobank: Nachhaltigkeitsgeld fließt kaum in Technik und Stallumbau

13 April 2025
Niederlande
Alex Datema

Viele niederländische Landwirte nutzen Nachhaltigkeits-Fördergelder vor allem für die Extensivierung, weil politische Unsicherheit Investitionen in Innovationen hemmt.

Die Rabobank in den Niederlanden sieht große Unsicherheit in der Agrarpolitik als Hemmnis für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Laut Alex Datema, Direktor Food & Agri bei der Rabobank, sei diese Unsicherheit für Landwirte wie für Banken ein zentrales Problem, da Unternehmer nur dann handeln, wenn klare Perspektiven vorhanden sind.

Die Bank hatte bereits vor zwei Jahren ihre „Agrofood-Vision 2040“ vorgestellt und in diesem Zusammenhang mehrere Instrumente entwickelt, um Landwirte bei nachhaltigen Maßnahmen zu unterstützen. Dazu gehört ein Übergangsfonds mit einem Volumen von drei Milliarden Euro. Aus diesem Fonds können Landwirte günstige Finanzierungen erhalten, wenn sie ihren Betrieb nachhaltiger gestalten.

Nachhaltigkeitsfonds wird meist für Flächenkauf genutzt

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass rund 80 Prozent des Geldes aus dem Fonds für den Kauf von Flächen zur Extensivierung genutzt werden. Datema betont zwar, dass der Fonds deutlich breiter gedacht sei, aber aufgrund der politischen Unsicherheiten und der unsicheren Rahmenbedingungen würden die meisten Landwirte das Geld für Landkäufe einsetzen.

Besonders in der Viehzucht bremst diese Entwicklung laut Datema die von der Rabobank angestrebten Innovationen. In Ackerbau-Betrieben hingegen erwartet die Bank mehr Offenheit für neue Technologien wie Robotik oder präzisere Pflanzenschutztechnik, weil diese weniger stark von rechtlichen Vorgaben abhängen.

Neben dem Übergangsfonds bietet die Rabobank auch einen KMU-Nachhaltigkeitsfonds an. Damit können kleinere landwirtschaftliche Betriebe einmalig bis zu 10.000 Euro als Zuschuss zu nachhaltigen Investitionen erhalten. Das Geld wird den Unternehmen direkt ausgezahlt.

Für Projekte, die schwer über klassische Banken zu finanzieren sind, wie etwa Agroforstwirtschaft, nutzt die Rabobank zusätzlich Mittel aus dem Nationalen Grünen Fonds. Da sich bei Agroforstwirtschaft die Erträge oft erst nach sieben bis acht Jahren einstellen, ist dieses Finanzierungsmodell speziell dafür geeignet.

„True Value“: Neuer Standard zur Bewertung von Nachhaltigkeit

Bei der Vergabe von Finanzierungen prüft die Rabobank systematisch, wie nachhaltig ein Betrieb bereits ist und welche Maßnahmen noch geplant sind. Das kann bei Landwirten mitunter Frustration auslösen, weil zusätzliche Anforderungen entstehen. Allerdings sei die Nachhaltigkeit meist nicht der entscheidende Hinderungsgrund für eine Finanzierung – wirtschaftliche Faktoren seien oft wichtiger.

Datema fordert klare Vorgaben von der Politik, damit Landwirte wissen, wohin sie sich entwickeln sollen. Die Bank sei auf diese politischen Entscheidungen angewiesen. Gleichzeitig appelliert Datema an die gesamte Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft, selbst mehr Mut und Entschlossenheit zu zeigen, wenn die Politik zögert.

Ein wichtiger Fortschritt sei für die Rabobank das Konzept des sogenannten „True Value“, also der Bewertung von Nachhaltigkeit in Unternehmen. Noch im Sommer soll dazu eine Vereinbarung unterzeichnet werden, um einen Standard für die Nachhaltigkeitsbewertung zu entwickeln.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel

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