Die niederländische Geflügel- und Schweinewirtschaft erlebt aktuell eine Trendwende. Obwohl die wirtschaftlichen Ergebnisse 2023 und 2024 historisch gut sind, sinkt die Anzahl der Tiere. Laut Rabobank-Sektormanager René Veldman erzielen vor allem Schweinehalter eine hohe Rentabilität. Dabei schneiden Sauen- und Mastbetriebe unterschiedlich gut ab – hohe Güllekosten mindern die Gewinne einiger Betriebe.
Geflügelwirtschaft: Eierpreise und Liquidität auf Höchststand
Auch in der Geflügelhaltung zeigt sich laut Rabobank eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Die Preise für Eier und Fleisch sind auf Rekordniveau, was den Betrieben eine solide Finanzlage beschert. Viele Landwirte nutzen die gute Liquidität zur Tilgung ihrer Hypotheken, da Investitionen durch fehlende Genehmigungen kaum möglich sind. Die Zahl der Neu-Finanzierungen nimmt deutlich ab.
Trotz der robusten finanziellen Lage der Betriebe steigt die Tierzahl nicht mehr wie früher nach erfolgreichen Jahren. Im Gegenteil: Die Sauenpopulation in Europa schrumpft. Das Wachstumspotenzial bei Schweinen und Geflügel ist begrenzt, auch wenn die Produktivität leicht zunimmt. Laut Rabobank bleiben strukturelle Hindernisse wie Genehmigungsfragen entscheidend.
Neue Genehmigungspflicht bremst Stallumbauten massiv aus
Ein Urteil vom 18. Dezember hat die Situation weiter verschärft: Für jede Änderung an Ställen ist nun eine neue Naturschutzgenehmigung nötig – auch bei gleichbleibendem äußeren Erscheinungsbild oder reduzierten Emissionen. Damit sind Betriebe bei Bauvorhaben einem hohen Genehmigungsrisiko ausgesetzt. Die Rechtsunsicherheit bremst die Entwicklung und Investitionsbereitschaft deutlich aus.
Zusätzlich wirkt sich das sogenannte „Stoppersystem“ auf die Tierzahlen aus. Obwohl unklar ist, wie viele Betriebe tatsächlich teilnehmen, zeigt sich bereits ein starker Rückgang – vor allem in der Peripherie. Laut Veldman sind davon vor allem Zulieferer wie Schlachthöfe und Futtermittelhersteller betroffen. Die rückläufigen Tierzahlen gefährden deren Rentabilität erheblich.
Futtermittelindustrie unter Druck: Absatzrückgang und Strukturwandel
Ein weiterer Druckfaktor ist die zunehmende Nachhaltigkeit. Immer mehr Futtermittelhersteller setzen auf Restströme, was zu Überkapazitäten in der Mischfutterindustrie führt. Besonders genossenschaftlich organisierte Hersteller können zwar durchhalten, kämpfen aber mit sinkender Produktion und Rendite. Diese Entwicklungen spiegeln sich bereits in den aktuellen Jahreszahlen wider.
Den betroffenen Unternehmen fehlt es laut Rabobank vor allem an Zeit, um sich auf den schrumpfenden Markt einzustellen. Daher sucht die Futtermittelbranche zunehmend nach Absatzmöglichkeiten im Ausland, etwa in Nachbarländern.

































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