Brüssel hält am Käfig-Aus fest: EU konkretisiert Tierwohlpläne

22 Juni 2026
Legehenne
Legehenne

Die EU-Kommission treibt den Umbau der Nutztierhaltung weiter voran. Ein geleakter Entwurf der neuen Tierhaltungsstrategie sieht das Ende der Käfighaltung bei Hühnern und den Ausstieg aus der Kastenstandhaltung bei Sauen vor. Gleichzeitig will Brüssel den Rückgang der Tierbestände stoppen und Milliardenhilfen für Investitionen mobilisieren. In Deutschland ist klassische Käfighaltung von Legehennen seit dem 1. Januar 2010 verboten. Und auch die sogenannte „Kleingruppenhaltung“ ist seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr gestattet.

„End the Cage Age“ bleibt politisches Ziel der EU

Die EU-Kommission hält trotz politischer Diskussionen am geplanten Ausstieg aus der Käfighaltung fest. Das geht aus einem Entwurf der neuen EU-Tierhaltungsstrategie hervor, der am 1. Juli offiziell vorgestellt werden soll. Das Papier liegt nach Angaben des Pressedienstes AGRA Europe bereits vor.

Damit greift die Behörde zentrale Forderungen der Europäischen Bürgerinitiative „End the Cage Age“ erneut auf. Neben der Legehennenhaltung betrifft das auch die Schweinehaltung. Kastenstände für Sauen sollen langfristig verschwinden und durch alternative Buchten-Systeme ersetzt werden. In Deutschland ist klassische Käfighaltung von Legehennen seit dem 1. Januar 2010 verboten. Und auch die sogenannte „Kleingruppenhaltung“ ist seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr gestattet.

Auch Kükentöten soll europaweit verboten werden

Nach den Plänen der Kommission soll zudem das routinemäßige Töten männlicher Küken aus Legehennenlinien enden. Stattdessen setzt Brüssel auf Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei. In Deutschland ist das Töten männlicher Eintagsküken seit dem 1. Januar 2022 gesetzlich verboten. Zusätzlich gilt seit dem 1. Januar 2024, dass eine Geschlechtsbestimmung im Brutei von Legehennen und anschließende Sortierung bis zum 12. Bruttag erfolgen kann.

Konkrete Termine für neue Gesetze oder Übergangsfristen nennt der Entwurf allerdings nicht. Ursprünglich hatte die EU-Kommission Regelungen für Ende 2026 angekündigt. Inzwischen rechnen Beobachter mit Verzögerungen.

EU will gleiche Standards für Importe

Die Kommission sieht Wettbewerbsnachteile für europäische Tierhalter, wenn Importware unter niedrigeren Standards produziert wird. Deshalb kündigt Brüssel an, künftig auf gleichwertige Tierwohlauflagen für Drittstaaten zu drängen. Die Maßnahmen sollen mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar bleiben.

Wie diese Vorgaben praktisch umgesetzt werden sollen, bleibt bislang offen.

Brüssel will Rückgang der Tierbestände stoppen

Die EU-Kommission sieht die Tierhaltung weiterhin als wirtschaftliches Rückgrat vieler Regionen. Laut Entwurf erwirtschaftet der Sektor rund 40 Prozent der landwirtschaftlichen Wertschöpfung in der Europäischen Union. Etwa sieben Millionen Menschen arbeiten demnach in rund vier Millionen Betrieben.

Bis 2040 will Brüssel erreichen, dass die Nutztierbestände nicht weiter sinken. Dafür sollen landwirtschaftliche Betriebe wieder wirtschaftlich rentabler arbeiten können.

Schweine- und Rinderbestände schrumpfen deutlich

Der Entwurf beschreibt die aktuelle Entwicklung in der europäischen Tierhaltung kritisch. In Deutschland ging der Schweinebestand innerhalb von zehn Jahren um 22 Prozent zurück. Frankreich verlor im selben Zeitraum rund 16 Prozent seines Rinderbestands.

Die Kommission prüft deshalb Änderungen bei der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken. Außerdem könnten Hygieneregeln für Schlachtungen gelockert werden. Kleine und mobile Schlachthöfe im ländlichen Raum sollen leichter genehmigt werden.

Milliardenbedarf für Stallumbauten

Der Umbau zu mehr Tierwohl wird teuer. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten bis 2040 jährlich zwischen 5,9 und 8,4 Milliarden Euro zusätzlich nötig werden.

Für einzelne Betriebe rechnet Brüssel mit erheblichen Mehrkosten. Milchviehbetriebe müssten je nach Größe jährlich zwischen 34.000 und 136.000 Euro zusätzlich investieren. Für Schweinemastbetriebe nennt der Entwurf durchschnittlich 236.000 Euro pro Jahr, für Sauenhalter rund 399.000 Euro.

Die Investitionslücke beziffert die Kommission auf mehr als 18 Milliarden Euro bis 2040. Geplant ist deshalb ein eigenes Finanzinstrument innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Zusätzlich soll privates Kapital stärker eingebunden werden.

Tierfonds und Klimaversicherungen geplant

Darüber hinaus arbeitet die EU-Kommission an neuen Absicherungen gegen Tierseuchen und Klimarisiken. Versicherungen, Rückversicherungen und Einkommenssicherungsmodelle sollen leichter zugänglich werden. Details erarbeitet Brüssel derzeit gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank.

Bei der Seuchenbekämpfung setzt die Behörde stärker auf Impfungen. Gleichzeitig will sie bestehende Vorschriften zur Seuchenkategorisierung überprüfen.

Emissionen sollen sinken

Auch Klimaschutz spielt in der Strategie eine zentrale Rolle. Nach Vorstellung der Kommission könnten moderne Technologien die Treibhausgasemissionen der Tierhaltung bis 2040 um mindestens 16 Prozent gegenüber 2025 senken.

Die Mitgliedstaaten sollen deshalb Biogas und Biomethan stärker fördern. Zudem setzt Brüssel auf effizientere Fütterung, besseres Güllemanagement und Zuchtlinien mit geringeren Methanemissionen bei Wiederkäuern.

Viele Fragen bleiben offen

Ob die ambitionierten Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit offen. Weder Finanzierungsdetails noch verbindliche Zeitpläne liegen bislang vor. Zudem wächst in mehreren Mitgliedstaaten der politische Widerstand gegen zusätzliche Auflagen für Tierhalter.

Spätestens mit den konkreten Gesetzesvorschlägen wird sich zeigen, wie weit die EU-Kommission ihre Pläne tatsächlich durchsetzen kann.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_stockphoto mania
Quelle: AgE

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