Geschlechtsbestimmung im Ei: Weltweit auf dem Vormarsch

04 Februar 2026
Brüterei
Lohmann Publikum

Die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei wurde von der Gesetzgebung in Deutschland getrieben. Deutschland war weltweit das erste Land, dass das Töten von Eintagsküken verboten hat. Inzwischen kommen die neuen Technologien weltweit immer mehr zum Einsatz.  

Als erstes Land weltweit hatte Deutschland zum 1. Januar 2022 das Töten der männlichen Eintagsküken von Legeherkünften verboten. Dieses Gesetz, von verschiedenen Seiten als „Sieg“ in Sachen Tierschutz gefeiert, hatte enorme Konsequenzen für die Branche und insbesondere für die Brütereien hierzulande: Nicht alle, vor allem kleinere Betriebe, konnten in die neu entwickelten Technologien zur Geschlechtsbestimmung im Brutei investieren. In Folge sank die Anzahl an Brütereien stark, Importe nahmen zu, da das Verbot einseitig nur in Deutschland galt. 

Bruderhahnaufzucht stark rückläufig

Als eine Alternative zur Geschlechtsbestimmung im Brutei entstanden ab 2022 Aufzuchtkapazitäten für die sogenannten Bruderhähne, also die männlichen Geschwister der Legehennen. Diese Aufzucht stand jedoch immer in der Kritik wegen fehlender Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und fehlenden Absatzmöglichkeiten für das Fleisch. Die Bruderhahnaufzucht ist stark rückläufig. 

Inzwischen weltweit auf dem Vormarsch sind dagegen die Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Brutei („In-ovo Geschlechtsbestimmung“). Es gibt verschiedene Systeme am Markt. Hintergrund ist nicht nur, dass andere Länder dem Beispiel Deutschlands gefolgt sind und das Kükentöten inzwischen auch verboten haben. 

Treiber Lebensmittelhandel oder Eiererzeuger 

Johannes Grafe

Weltweit profilieren sich der Lebensmittelhandel oder große Eiererzeuger zunehmend auch mit der Erzeugung von Eiern „ohne Kükentöten“. Letzteres gilt interessanterweise zum Beispiel auch für die USA, wo ein Großteil der Legehennen nach wie vor in Käfigen gehalten wird. 

Vorne mit dabei, die Geschlechtsbestimmung im Ei weltweit zu verbreiten, ist das Cheggy Zoom Verfahren des Herstellers AAT (Agri Advanced Technologies GmbH) mit Sitz im niedersächsischen Visbek. AAT gehört zur EW Group und entwickelt spezialisierte Anwendungstechnologien für den Geflügelbereich. 

Johannes Grafe, Produktmanager bei AAT, stellte auf einer Veranstaltung von Lohmann Deutschland in Burgdorf (Niedersachsen) den aktuellen Stand zum Thema und speziell beim Cheggy Zoom Verfahren vor. 

Cheggy ohne Öffnen der Schale

Das Cheggy Zoom Verfahren ist eine optische Methode zur Geschlechtsbestimmung im Brutei, das nur bei Braunlegern genutzt werden kann. Hierzu werden Bruteier mit einer Halogenlampe durchleuchtet. Mittels hyperspektraler Bildgebung wird der Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Federfarbe erkannt.

Vorteile von Cheggy gegenüber anderen Verfahren sind, dass die Bruteischale nicht geöffnet werden muss, dass das System sehr schnell ist und dass keine Verbrauchsmaterialien nötig sind. 

Wie Johannes Grafe informierte, gibt es in der EU u.a. inzwischen auch in Frankreich ein Verbot des Kükentötens, In Italien soll es ab 2027 kommen und in den Niederlanden ist es noch für dieses Jahr angekündigt. In der Schweiz gibt es kein Verbot, aber eine entsprechende freiwillige Branchenvereinbarung. 

Keine EU-einheitlichen Regelungen

In den skandinavischen Ländern ist es der Lebensmittelhandel, der verstärkt auf Eier ohne Kükentöten setzen will. Sehr unterschiedlich ist derzeit noch die Auffassung, bis zu welchem Bebrütungstag die Geschlechtsbestimmung im Ei erfolgt sein muss. Das ist in Europa auch nicht einheitlich geregelt. Studien zeigen aber, dass ein Schmerzempfinden des Embryos nach dem 15. Bebrütungstag angenommen werden kann. 

Das Cheggy Verfahren findet seit 2020 Anwendung in Brütereien in Deutschland und Frankreich, mittlerweile aber auch in Italien, den Niederlanden und Spanien. Seit Ende 2024 sind insgesamt drei Anlagen in den USA  in Betrieb, AAT war damit Vorreiter auf dem amerikanischen Kontinent. 

Erste Anlage in Brasilien 

Laut Johannes Grafe sind in den USA die großen Lebensmittelketten, aber auch Zuchtunternehmen, Treiber der Entwicklung. Darüber hinaus wurde im Jahr 2025 durch die Firma AAT in Brasilien die erste Einrichtung zur In-ovo‑Geschlechtsbestimmung installiert – zugleich die erste ihrer Art in der südlichen Hemisphäre. 

Für Deutschland dürfte noch die Frage spannend sein, wie sich die Bioverbände künftig bezüglich der Geschlechtsbestimmung im Brutei positionieren. Die Anwendung des Verfahrens als Alternative zur Bruderhahnaufzucht oder der Verwendung von Zweinutzungsrassen wird dort viel diskutiert.

Christa Diekmann-Lenartz

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