Belgische Schweinehalter entdecken Geflügelhaltung als Ausweg aus der Stickstoffkrise

05 November 2025
Belgien
Huhn und Schwein

In Belgien denken immer mehr Schweinehalter über einen Wechsel in die Geflügelproduktion nach. Strengere Umweltauflagen, hohe Schweinepreise und die wachsende globale Nachfrage nach Hühnerfleisch treiben diesen Wandel voran. Doch Genehmigungen und Investitionen bremsen viele Betriebe aus.

Steigende Auflagen setzen Schweinehalter unter Druck

Nicht nur in Deutschland, auch in Belgien verliert die Schweinehaltung an Attraktivität. Immer mehr Landwirte prüfen, ob sich ein Wechsel in die Geflügelproduktion lohnt. Strengere Stickstoff- und Ammoniakvorschriften, aber auch steigende Kosten und ein wachsender internationaler Markt für Geflügelfleisch fördern das Interesse. Das meldet das Flämische Informationszentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (Vilt).

Martijn Chombaere vom Landesverband für Geflügelhaltung beobachtet den Trend genau. „Wir stellen fest, dass sich viele Schweinehalter für die Geflügelhaltung interessieren“, sagt er. Besonders mobile Hühnerställe stehen derzeit hoch im Kurs.

Rekordpreise und globale Nachfrage befeuern den Trend

Im September erreichten Masthühner in Belgien einen Rekordpreis von 1,40 Euro pro Kilogramm Lebendgewicht. Laut einer Studie des europäischen Dachverbands Avec wird Geflügelfleisch bis 2030 rund 80 Prozent des weltweiten Wachstums der Fleischproduktion ausmachen. Der Marktanteil dürfte dann etwa 43 Prozent betragen – ein deutliches Signal für Landwirte, die sich neu orientieren wollen.

Investitionen verlagern sich Richtung Geflügel

Auch das Beratungsunternehmen DLV Belgien verzeichnet zunehmendes Interesse am Geflügelsektor. „Mehrere Schweine- und Rinderhalter prüfen derzeit, ob sie auf Geflügel umsteigen sollen“, sagt DLV-Experte Carl de Braeckeleer. Hintergrund ist das sogenannte PAS-Programm, das strengere Umweltziele bis 2030 vorgibt. „Viele Betriebe mit älteren Ställen überlegen, neue Investitionen auf Geflügel zu konzentrieren.“

Banken beobachten Trend – aber bleiben vorsichtig

Bei der belgischen Crelan Bank zeigt sich derselbe Trend. „Das Investitionsinteresse wächst spürbar“, bestätigt Wim Vranken, Leiter der Agrarabteilung. Vor allem junge Landwirte wollen vom stabilen Geflügelmarkt profitieren. Dennoch vergibt die Bank Kredite mit Bedacht – zu hoch ist das Risiko, wenn Genehmigungen oder Umweltauflagen scheitern.

Genehmigungen bleiben große Hürde

Der Wechsel in die Geflügelhaltung ist komplex. Neben strengen Ammoniak- und Stickstoffnormen müssen Landwirte auch über ausreichende Nährstoffemissionsrechte (NER) verfügen. Diese Rechte sind teuer und oft fest an Tierkategorien gebunden – wer sie nicht flexibel einsetzen kann, stößt schnell an Grenzen.

Auch die Akzeptanz in der Nachbarschaft spielt eine Rolle. Geruch, Verkehr und die Sichtbarkeit neuer Ställe entscheiden mit darüber, ob eine Genehmigung erteilt wird.

Geflügelnews
Bild: Agrio
Quelle: Lorena Bronk

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