Kieselgur im Hühnerstall | Anwendung und Wirkungsweise

Kieselgur im Hühnerstall | Anwendung und Wirkungsweise

Kieselgur, auch Diatomeenerde genannt, wird seit langem als natürliches Mittel zur Bekämpfung von Parasiten wie Milben, Flöhen und anderen kriechenden Schädlingen in Hühnerställen eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein feines Pulver, das aus den versteinerten Überresten von Kieselalgen gewonnen wird. Kieselalgen sind Mikroalgen, die eine mineralstoffreiche Schale aus Kieselerde besitzen. Die Schalen werden zerkleinert, getrocknet und gemahlen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über Kieselgur im Hühnerstall und den richtigen Einsatz.

Was ist Kieselgur / Diatomit / Bergmehl oder Kieselmehl?

Kieselgur, auch bekannt unter den Bezeichnungen Diatomit, Bergmehl oder Kieselmehl, ist ein natürlich vorkommendes, pulverförmiges Material, das aus den fossilen Überresten von Kieselalgen besteht. Diese mikroskopisch kleinen Algen haben im Laufe von Millionen von Jahren ihre Schalen aus Siliziumdioxid (Kieselsäure) in Sedimentschichten abgelagert, die heute als Kieselgur abgebaut werden.

Das Material zeichnet sich durch seine feine, poröse Struktur aus, was es besonders saugfähig und vielseitig einsetzbar macht. Es wird häufig in der Industrie, im Haushalt sowie in der Landwirtschaft, insbesondere in der Hühnerhaltung, verwendet.

Wirkweise von Kieselgur bei Hühnern

Seit vielen Jahrzehnten wird Kieselgur erfolgreich zur Milbenbekämpfung in Hühnerställen eingesetzt. Dabei entfaltet es seine Wirkung rein physikalisch, da die scharfkantigen Partikel die schützende Wachsschicht der Milben beschädigen. 

Diese Wachsschicht schützt die Parasiten vor dem Austrocknen, doch ohne sie verlieren sie rasch ihre Feuchtigkeit und sterben ab. Die Partikel von Kieselgur haften an den Milben und reiben ihre schützende Hülle mechanisch ab, was letztlich zum Austrocknen und Tod führt. Diese Methode ist besonders effektiv, da sie ohne den Einsatz von Chemikalien auskommt und somit keine Resistenzbildung bei den Parasiten ermöglicht.

 

Huhn Kieselgur

Anwendung von Kieselgur bei Hühnern

Kieselgur findet sowohl in präventiver Hinsicht als auch bei akutem Befall Anwendung als äußerst effektive Methode zur Bekämpfung von Parasiten wie Milben und Flöhen im Hühnerstall

Ein besonderes Risiko für einen Parasitenbefall besteht im Hühnerstall in Bereichen wie dem Stallboden, den Legenestern, den Sitzstangen sowie allen Ecken und Ritzen. Diese Bereiche bieten den Milben Versteckmöglichkeiten, da sie tagsüber in diesen Ritzen Schutz suchen und erst nachts aktiv werden. Daher wird Kieselgur in Hühnerställen in einer systematischen und gründlichen Weise angewandt, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Es findet überall dort Anwendung, wo eine Ansiedlung von Schädlingen möglich ist. Dies ermöglicht eine effektive Reduktion der Population sowie die Verhinderung einer erneuten Ausbreitung.

Eine Möglichkeit, die Wirkung von Kieselgur zu potenzieren, besteht in der Beimischung des Pulvers zum Sandbad der Hühner. Hühner führen regelmäßig diese Art der natürlichen und instinktiven Pflege durch, um sich von Parasiten zu befreien und ihre Federn zu reinigen. Durch die Beimischung des Pulvers wird eine Selbstapplikation des Kieselgurs durch die Hühner gewährleistet, was zu einer optimierten Verteilung des Mittels im Federkleid führt. Das führt zu einer verstärkten protektiven Wirkung und einer signifikanten Reduktion des Befalls durch Milben und andere Schädlinge. Diese Methode ist eine natürliche und stressfreie Form der Behandlung, da die Hühner das Mittel eigenständig und ohne zusätzlichen Aufwand anwenden.

Die Ausbringung von Kieselgur kann dabei auf unterschiedliche Weise erfolgen, meist traditionell durch Streuen im Hühnerstall, wobei eine gleichmäßige und ausreichende Menge des Mittels erforderlich ist, um alle potenziellen Aufenthaltsorte der Schädlinge zu bedecken. Als Alternative kann eine Zerstäuberpumpe zum Einsatz kommen, welche für eine gleichmäßige Vernebelung des Pulvers sorgt und somit auch schwer zugängliche Bereiche erreicht. Diese Methode deckt sämtliche Milbenverstecke ab, wie beispielsweise enge Ritzen und Spalten. Der Vorteil des Vernebelns liegt in der besseren Abdeckung des gesamten Stalls sowie in der minimierten Wahrscheinlichkeit, dass Stellen unbehandelt bleiben.

Doch obgleich Kieselgur selbst nicht toxisch ist, besteht aufgrund der feinen Struktur des Pulvers die Gefahr, dass es beim Einatmen die Atemwege reizt oder schädigt. Aufgrund der potenziellen Inhalation des Pulvers, welches bei wiederholter Exposition Atemwegserkrankungen verursacht, wird das Tragen eines Atemschutzes für den Anwender empfohlen. Darüber hinaus ist es notwendig, die Hühner während der Behandlung aus dem Stall zu entfernen, um auch für sie das Risiko für ihre Atemwege zu minimieren. Nach der Ausbringung sollte eine gründliche Durchlüftung des Stalls erfolgen, bevor die Hühner wieder zurückkehren dürfen.

Vorteile und Nachteile von Kieselgur im Hühnerstall

Zwar erweist sich Kieselgur als vielversprechende Maßnahme zur Parasitenbekämpfung in Hühnerställen, jedoch gibt es auch einige Nachteile.

Das Einatmen des feinen Pulvers kann eine potenziell gesundheitsschädliche Wirkung auf den menschlichen und tierischen Organismus haben, insbesondere bei häufiger Verwendung oder bei der Freisetzung großer Mengen. Die scharfkantigen Partikel von Kieselgur können eine Schädigung der Lungenbläschen verursachen, was unter Umständen zu Silikose führen kann. Dass die Hühner während der Anwendung aus dem Stall entfernt werden, ist daher wichtig.

Zu den wesentlichen Vorteilen von Kieselgur zählt hingegen die effektive Bekämpfung von Milben und anderen kriechenden Parasiten, wobei auf den Einsatz chemischer Substanzen oder Pestizide verzichtet werden kann. Dies macht es zu einer attraktiven Option für Halter, die auf biologische und natürliche Methoden setzen. Der mechanische Wirkungsmechanismus verhindert die Entwicklung von Resistenzen bei den Schädlingen. 

Kieselgur kann auch bei langfristiger Anwendung zuverlässig wirksam und kann ohne Verlust an Effektivität immer wieder zur Bekämpfung von Parasiten eingesetzt werden, da der physikalische Wirkmechanismus von Kieselgur auf der Zerstörung der äußeren Schutzhülle der Schädlinge basiert, was zu deren Austrocknung führt. Dies verhindert die Entwicklung von Resistenzen, im Gegensatz zu vielen chemischen Pestiziden. 

Kieselgur für Hühner

Tipps zur Anwendung von Kieselgur

Eine gewisse Regelmäßigkeit bei der Anwendung von Kieselgur wird empfohlen, um für eine nachhaltige Schutzwirkung zu sorgen. Dabei kann das Pulver etwa alle zwei bis drei Wochen nachgestreut werden, insbesondere nach dem Ausmisten des Stalls. Im Rahmen der Reinigung des Stalls sollten regelmäßig zahlreiche alte Kieselgur-Partikel entfernt werden, sodass eine erneute Applikation erfolgen kann, bei gleichzeitiger Gewährleistung der Effektivität. 

Gesundheitliche Aspekte und Kaufempfehlungen für Kieselgur

Grundsätzlich ist Kieselgur nicht toxisch. Aufgrund seiner physikalischen Wirkungsweise kann es als sicher für die Anwendung bei Hühnern erachtet werden. Es besteht aus amorphem Siliziumoxid, das im Gegensatz zu kristallinem Siliziumoxid keine schwerwiegenden gesundheitlichen Konsequenzen nach sich zieht, sofern die Anwendung korrekt erfolgt. Folglich besteht im Gegensatz zu den kristallinen Formen des Siliziumdioxids, welche bei langfristiger Einwirkung zu Krankheiten wie gravierenden Lungenschäden führen können, bei Beachtung der empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen kein signifikantes Risiko. 

Bei der Auswahl von Kieselgur ist es jedoch von Bedeutung, auf die Qualität des Produkts zu achten, da diese einen maßgeblichen Einfluss auf die zu erwartenden Ergebnisse hat. Es wird empfohlen, Kieselgur zu erwerben, welches frei von Zusatzstoffen ist und sich folglich auch für den Einsatz in der Nähe von Tieren, eignet, insbesondere, wenn deren Produkte (wie Eier) für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Mischprodukte hingegen sind möglicherweise weniger effektiv oder können unerwünschte Zusätze enthalten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Kieselgur

Wie benutzt man Kieselgur bei Hühnern?

Kieselgur findet im Hühnerstall Verwendung, indem es auf dem Stallboden, den Sitzstangen, den Legenestern sowie in sämtlichen Ecken und Ritzen ausgebracht wird. Dies führt zur Abtötung von Milben und anderen Parasiten. Das Pulver kann entweder gestreut oder mit einer Zerstäuberpumpe vernebelt werden. Dabei ist es empfehlenswert, die Hühner aus dem Stall zu entfernen und die behandelten Bereiche gründlich zu lüften, bevor die Tiere zurückkehren.

Was passiert, wenn Hühner Kieselgur fressen?

Die Verfütterung von Kieselgur an Hühner ist in der Regel unbedenklich, sofern es sich um Kieselgur in Lebensmittelqualität handelt. Dieses enthält Mineralstoffe, die sogar zur Nahrungsergänzung im Futter der Hühner beitragen können. Wenn es keine chemischen Zusätze enthält, stellt es keine Gesundheitsgefahr für die Tiere dar.

Kann man Hühner mit Kieselgur einstäuben?

Hühner mit Kieselgur einzustäuben wird nicht empfohlen, da man eine Inhalation des feinen Pulvers durch die Tiere in großen Mengen verhindern sollte. Vielmehr sollte man es in das  Federkleid einreiben, wobei sich ein Zeitpunkt während des Sandbades der Hühner anbietet, um den Vorgang für die Tiere so stressfrei wie möglich zu gestalten.

Wie schnell wirkt Kieselgur bei Milben?

Die Wirkung von Kieselgur tritt relativ zeitnah ein, sobald das Schädlingsbekämpfungsmittel mit den Milben in Kontakt kommt. In der Folge dessen kommt es innerhalb weniger Stunden zu einer Austrocknung der Schädlinge, da das Pulver ihre schützende Wachsschicht zerstört. Die vollständige Wirkung entfaltet sich jedoch erst nach einigen Tagen, bis alle Milben abgetötet sind. Um eine dauerhafte Kontrolle zu gewährleisten, empfiehlt es sich, Kieselgur alle zwei bis drei Wochen erneut auszubringen, insbesondere nach dem Ausmisten des Stalls, um eine erneute Infektion durch Parasiten zu verhindern.

Quellen:

  • https://www.huehner-haltung.de/huehnerstall/milben/milben-vorbeugen/kieselgur/
  • https://www.schicker-mineral.de/huefisan?gad_source=1&gclid=Cj0KCQjwpP63BhDYARIsAOQkATYxNAasAbYZKcNLvheMRuc1kTvskxzD1fsJZM5DARetLw8uBjJQzJ4aAk-qEALw_wcB
  • https://huehnerland.de/Natuerliche-Kieselgur-1kg
  • https://www.siepmann.net/Kieselgur_gegen_Milben.html
  • https://www.selbstversorger.de/kieselgur-fuer-huehner/

Bildquellen:

  • Canva
  • https://www.istockphoto.com/photo/chicken-gm497569125-41769162

 

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