Günstige Aussichten: Nordfranzösische Ackerbauern starten Broilerzucht

22 August 2025
Frankreich
Michael (38) und seine Frau Amandine (37) Decouvelaere suchten nach der Übernahme des familieneigenen Landwirtschaftsbetriebs im Jahr 2020 nach Möglichkeiten zur Erweiterung und Diversifizierung ihres Ackerbaubetriebs in Nordfrankreich.
Ihr Unternehmen hat seinen Sitz in Lynde in der Nähe von Hazebrouck. Das liegt im Departement Nord, etwa 20 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt.
Am Tag der offenen Tür ihres neuen Stalls am Freitag, dem 8. August, begrüßten sie zusammen mit den Partnern ihres Projekts mehrere hundert Besucher.
Der Stall ist etwa 100 mal 20 Meter groß und bietet Platz für 40.000 konventionelle Masthühner.
Für die Stirnfassade und das Nebengebäude wurden Silex-Kieselsteine in die Paneele eingearbeitet.
Aufgrund des abschüssigen Geländes und zum Schutz des tiefer gelegenen Stalls wurde ein Wall angelegt, der bei starken Regenfällen das Wasser kanalisieren und ableiten soll.
Die französische Firma IVAGRI war für die gesamte Innenausstattung zuständig.
An der Vorderseite des Stalls befindet sich die Futterküche mit dem Vorratssilo für Weizen auf der linken Seite und den Futtersilos auf der rechten Seite.
Der Notstromgenerator, ein kompakter 9-kVA-Dieselgenerator des französischen Herstellers Gelec Energy, wurde ebenfalls in diesem Nebengebäude installiert.
Der klassische Stall ist mit sechs Dachabluftventilatoren (DA60-820 von Skov) und fünf großen Wandventilatoren (BF 50 von Skov, davon einer variabel) ausgestattet, sodass problemlos eine kombinierte Tunnelbelüftung eingesetzt werden kann.
Die Lufteinlassventile sind hoch in den Seitenwänden angebracht, um eine homogene Vermischung mit der Stallluft zu erreichen und einen guten Luftstrom in Richtung Decke zu erzielen.
Die Landmeco-Futtertröge wurden aufgrund ihrer Einfachheit, Zugänglichkeit und Benutzerfreundlichkeit ausgewählt. Neben den vier Futterleitungen wurden in diesem 20 Meter breiten Stall fünf Lubing-Trinkwasserleitungen installiert.

Die Landwirte Michael (38) und Amandine (37) Decouvelaere haben in Lynde bei Hazebrouck eine neue Broilerzucht in Nordfrankreich gegründet. Hintergrund ist die steigende Nachfrage nach regionalem Hühnerfleisch, während Frankreich im Gegensatz zu Belgien und den Niederlanden noch nicht selbstversorgend ist. Rund 20 % des Geflügelfleisches müssen importiert werden – eine große Chance für Landwirte, die in die Geflügelhaltung investieren möchten.

Tag der offenen Tür: Großes Interesse am neuen Masthähnchenstall

Am 8. August öffnete die Familie Decouvelaere die Türen ihres neuen Masthähnchenstalls für interessierte Landwirte und Partner aus der Region. Das Echo war positiv: Gerade in Nordfrankreich sehen viele Betriebe die Standard-Masthähnchenproduktion als sinnvolle Möglichkeit zur Betriebsdiversifizierung. Unterstützung kam vor allem von BeNeLux-Partnern, die Erfahrung in Stallbau und Geflügelhaltung mitbringen.

Investitionsboom: Zahlreiche Stallbauprojekte in Nordfrankreich

Die günstige Marktlage und die Förderung durch Genossenschaften sorgen dafür, dass derzeit dutzende Stallprojekte in der Region umgesetzt werden. Neben der klassischen Masthähnchenproduktion entstehen auch neue Betriebe für Elterntierhaltung und Bruteierproduktion.

Damit bietet sich für viele Landwirte eine zukunftssichere Investition, um Einkommen zu stabilisieren und die regionale Versorgung mit Geflügelfleisch aus Frankreich zu stärken.

Moderner Stall für 40.000 Masthähnchen

Mit Unterstützung des Futtermittelherstellers De Heus sowie des belgischen Bauunternehmens Beeuwsaert Construct wurde in diesem Frühjahr ein moderner Stall mit den Maßen 100 x 20 Meter fertiggestellt.

  • Kapazität: 40.000 Masthähnchen (konventionell)
  • Bauweise: isolierte Beton-Sandwichpaneele und gedämmtes Wellblechdach
  • Geländeschutz: Wall zur Ableitung von Regenwasser, geplante Begrünung
  • Technik: Belüftung, Fütterungs- und Tränkesysteme, Silos, Notstrom, Stallcomputer (Firma IVAGRI, Wormhout)

Eine Besonderheit ist die Futterküche mit Weizen-Zumischung, die über eine Mischanlage gesteuert wird. Diese Form der Eigenfütterung ist in Frankreich noch selten, eröffnet den Landwirten jedoch mehr Flexibilität und Kostenvorteile.

Tierhaltung und Umweltauflagen

In Frankreich bestehen bislang keine verpflichtenden Vorgaben zur Ammoniakreduzierung oder zum Einbau von Tageslichtsystemen in Standard-Broilerställen. Üblich ist jedoch die Installation einer Sprühkühlung, um die Stalltemperatur auch in heißen Sommern stabil zu halten.

Besonders interessant für die Region: Landwirte suchen gezielt nach trockenem Geflügelmist, der durch die kurzen Transportwege wirtschaftlich genutzt werden kann. Französische Getreidebauern profitieren zudem doppelt – sie liefern Weizen und Stroh an die Geflügelhalter und verwenden die Einstreu als organischen Dünger auf ihren Feldern.

Kreislaufwirtschaft: Geboren, Gezüchtet und Geschlachtet in Frankreich

Die Broilerzucht der Familie Decouvelaere zeigt, wie Geflügelhaltung und Ackerbau in Nordfrankreich ineinandergreifen. Das Modell unterstützt die regionale Kreislaufwirtschaft, stärkt die Selbstversorgung Frankreichs und setzt auf das Prinzip der 3 G’s: Geboren, Gezüchtet und Geschlachtet in Frankreich.

Dieses Siegel steigert nicht nur die Verbraucherakzeptanz, sondern schafft auch Mehrwert für landwirtschaftliche Betriebe.

Fazit: Chancen für Landwirte im Geflügelsektor nutzen

Die wachsende Nachfrage nach französischem Hühnerfleisch, die Unterstützung durch Genossenschaften und moderne Stalltechnik machen den Einstieg in die Broilerzucht in Nordfrankreich attraktiv. Für Landwirte bietet die Geflügelhaltung eine sichere Einkommensquelle, stärkt die regionale Selbstversorgung mit Geflügelfleisch und eröffnet neue Wege im Rahmen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Geflügelnews
Bild: Luc Maertens
Quelle: Luc Maertens

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