Die Landwirte Michael (38) und Amandine (37) Decouvelaere haben in Lynde bei Hazebrouck eine neue Broilerzucht in Nordfrankreich gegründet. Hintergrund ist die steigende Nachfrage nach regionalem Hühnerfleisch, während Frankreich im Gegensatz zu Belgien und den Niederlanden noch nicht selbstversorgend ist. Rund 20 % des Geflügelfleisches müssen importiert werden – eine große Chance für Landwirte, die in die Geflügelhaltung investieren möchten.
Tag der offenen Tür: Großes Interesse am neuen Masthähnchenstall
Am 8. August öffnete die Familie Decouvelaere die Türen ihres neuen Masthähnchenstalls für interessierte Landwirte und Partner aus der Region. Das Echo war positiv: Gerade in Nordfrankreich sehen viele Betriebe die Standard-Masthähnchenproduktion als sinnvolle Möglichkeit zur Betriebsdiversifizierung. Unterstützung kam vor allem von BeNeLux-Partnern, die Erfahrung in Stallbau und Geflügelhaltung mitbringen.
Investitionsboom: Zahlreiche Stallbauprojekte in Nordfrankreich
Die günstige Marktlage und die Förderung durch Genossenschaften sorgen dafür, dass derzeit dutzende Stallprojekte in der Region umgesetzt werden. Neben der klassischen Masthähnchenproduktion entstehen auch neue Betriebe für Elterntierhaltung und Bruteierproduktion.
Damit bietet sich für viele Landwirte eine zukunftssichere Investition, um Einkommen zu stabilisieren und die regionale Versorgung mit Geflügelfleisch aus Frankreich zu stärken.
Moderner Stall für 40.000 Masthähnchen
Mit Unterstützung des Futtermittelherstellers De Heus sowie des belgischen Bauunternehmens Beeuwsaert Construct wurde in diesem Frühjahr ein moderner Stall mit den Maßen 100 x 20 Meter fertiggestellt.
- Kapazität: 40.000 Masthähnchen (konventionell)
- Bauweise: isolierte Beton-Sandwichpaneele und gedämmtes Wellblechdach
- Geländeschutz: Wall zur Ableitung von Regenwasser, geplante Begrünung
- Technik: Belüftung, Fütterungs- und Tränkesysteme, Silos, Notstrom, Stallcomputer (Firma IVAGRI, Wormhout)
Eine Besonderheit ist die Futterküche mit Weizen-Zumischung, die über eine Mischanlage gesteuert wird. Diese Form der Eigenfütterung ist in Frankreich noch selten, eröffnet den Landwirten jedoch mehr Flexibilität und Kostenvorteile.
Tierhaltung und Umweltauflagen
In Frankreich bestehen bislang keine verpflichtenden Vorgaben zur Ammoniakreduzierung oder zum Einbau von Tageslichtsystemen in Standard-Broilerställen. Üblich ist jedoch die Installation einer Sprühkühlung, um die Stalltemperatur auch in heißen Sommern stabil zu halten.
Besonders interessant für die Region: Landwirte suchen gezielt nach trockenem Geflügelmist, der durch die kurzen Transportwege wirtschaftlich genutzt werden kann. Französische Getreidebauern profitieren zudem doppelt – sie liefern Weizen und Stroh an die Geflügelhalter und verwenden die Einstreu als organischen Dünger auf ihren Feldern.
Kreislaufwirtschaft: Geboren, Gezüchtet und Geschlachtet in Frankreich
Die Broilerzucht der Familie Decouvelaere zeigt, wie Geflügelhaltung und Ackerbau in Nordfrankreich ineinandergreifen. Das Modell unterstützt die regionale Kreislaufwirtschaft, stärkt die Selbstversorgung Frankreichs und setzt auf das Prinzip der 3 G’s: Geboren, Gezüchtet und Geschlachtet in Frankreich.
Dieses Siegel steigert nicht nur die Verbraucherakzeptanz, sondern schafft auch Mehrwert für landwirtschaftliche Betriebe.
Fazit: Chancen für Landwirte im Geflügelsektor nutzen
Die wachsende Nachfrage nach französischem Hühnerfleisch, die Unterstützung durch Genossenschaften und moderne Stalltechnik machen den Einstieg in die Broilerzucht in Nordfrankreich attraktiv. Für Landwirte bietet die Geflügelhaltung eine sichere Einkommensquelle, stärkt die regionale Selbstversorgung mit Geflügelfleisch und eröffnet neue Wege im Rahmen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

































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