Trotz Kritik: EU weitet Handel mit ukrainischem Geflügel aus und investiert Millionen

06 November 2025
Markt Geflügelfleisch
Ukraine und die EU - Flaggen

Die Europäische Union stärkt den ukrainischen Geflügelsektor mit neuen Handelsvorteilen und frischem Kapital. Während Brüssel Importquoten ausweitet und Kredite absichert, warnen osteuropäische Länder vor Marktverzerrungen und wachsendem Druck auf heimische Produzenten.

EU und Ukraine vereinbaren höhere Handelsquoten

Die Europäische Union und die Ukraine haben sich auf neue Einfuhrquoten für Geflügelfleisch und Eier geeinigt. Die Ukraine darf künftig jährlich 120.000 Tonnen Geflügelfleisch und 18.000 Tonnen Eier in die EU exportieren – deutlich mehr als bisher. Das entspricht einem Anstieg um ein Drittel beim Fleisch und einer Verdreifachung bei Eiern.

Gleichzeitig öffnet sich auch der ukrainische Markt für EU-Produkte. Künftig können jährlich 120.000 Tonnen Geflügelfleisch zollfrei in die Ukraine exportiert werden – bislang waren es 20.000 Tonnen. Die Anpassungen sind Teil der überarbeiteten Freihandelszone zwischen der EU und der Ukraine.

Wachsende Kritik aus Osteuropa

In mehreren osteuropäischen Mitgliedsstaaten stößt das neue Abkommen auf Widerstand. Polen, Ungarn, die Slowakei, Bulgarien und Rumänien befürchten Wettbewerbsnachteile für ihre Landwirte. Sie warnen, dass billigeres ukrainisches Geflügel den europäischen Markt unter Druck setzen könnte.
Landwirtschaftsvertreter sehen darin eine weitere Belastung für die ohnehin angespannten Agrarmärkte. Beobachter erwarten politische Spannungen, falls ukrainische Exporte weiter steigen.

Ukrainische Geflügelexporte legen kräftig zu

Tatsächlich boomt der ukrainische Geflügelexport. In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 stiegen die Ausfuhren um 13 Prozent auf einen Wert von 716 Millionen US-Dollar. Die Niederlande bleiben mit fast 16 Prozent Marktanteil der größte Abnehmer, gefolgt von Saudi-Arabien, dem Vereinigten Königreich und der Slowakei.

Mit einem Anteil von 28,2 Prozent bleibt die Europäische Union der wichtigste Absatzmarkt.

EU-Bank unterstützt Wiederaufbau der Geflügelproduktion

Neben der Handelsliberalisierung fließt auch weiterhin Geld in den ukrainischen Geflügelsektor. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) vergab über die Credit Agricole Ukraine eine Garantie von 5 Millionen US-Dollar für einen Kredit über 12 Millionen US-Dollar an die Dniprovska Group, den zweitgrößten Geflügelproduzenten des Landes.

Das Darlehen soll den Wiederaufbau zerstörter Anlagen und Felder nach Kriegsschäden ermöglichen und den Betrieb stabilisieren.

Wirtschaftliche Chancen – politische Spannungen

Während Brüssel die Unterstützung als Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Ukraine sieht, wächst in der EU der Unmut über die Marktöffnung. Die Frage bleibt, wie lange Europas Landwirte den wachsenden Konkurrenzdruck aus der Ukraine noch tragen können.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_Pavlo Vakhrushev
Quelle: Tom Schotman

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