EU-Handelsabkommen mit Ukraine: Geflügel- und Ei-Importe stark ausgeweitet

08 Juli 2025
Eiermarkt
Ukraine Exporte EU Handelabkommen

Die EU öffnet ihren Agrarmarkt weit für ukrainische Produkte wie Geflügel, Eier und Zucker, schafft damit neue Marktchancen, verlangt jedoch strenge Standards.

Erweiterte Einfuhrquoten für Geflügel und Eier

Die Europäische Union hat ein überarbeitetes Handelsabkommen mit der Ukraine beschlossen, das besonders für Landwirte, Lebensmittelhersteller und Verbraucher in Europa relevant ist. Im Zentrum stehen die deutlich erhöhten Einfuhrquoten für Geflügel und Eier: Das Kontingent für Geflügelfleisch steigt von 90.000 auf 120.000 Tonnen. Die Einfuhrmenge für Eier und Eiweißprodukte soll sogar verdreifacht werden – von 6.000 auf 18.000 Tonnen.

Das Kontingent für Geflügelfleisch wird von 90.000 auf 120.000 Tonnen steigen.

Diese Änderungen schaffen für ukrainische Produzenten neue Absatzmöglichkeiten und sorgen gleichzeitig für ein breiteres Angebot in den Supermarktregalen der EU.

Weitere Agrarprodukte profitieren ebenfalls

Neben Geflügel und Eiern werden auch andere Agrarprodukte von dem neuen Abkommen profitieren. So erhöht sich die Quote für weißen Zucker von 20.070 auf 100.000 Tonnen. Für Weichweizen steigt das Kontingent auf 1,3 Millionen Tonnen, für Gerste auf 450.000 Tonnen und für Mais auf 1 Million Tonnen.

Honigimporte werden von 6.000 auf 35.000 Tonnen angehoben. Auch Milch, Sahne und Kondensmilch profitieren (von 10.000 auf 15.000 Tonnen), ebenso Butter und milchbasierte Aufstriche (von 3.000 auf 7.000 Tonnen) sowie Magermilchpulver (von 5.000 auf 15.400 Tonnen).

Zudem sollen die Quoten für verarbeitete Sahne, Vollmilchpulver, fermentierte Milch, Pilze und Traubensaft vollständig wegfallen, was einen freien Marktzugang ermöglicht.

Sensible Fleischsorten bleiben geschützt

Im Gegensatz dazu bleiben die Importquoten für empfindliche Fleischsorten wie Schweine-, Schaf- und Rindfleisch unverändert. Sie liegen weiterhin bei 40.000, 2.250 beziehungsweise 12.000 Tonnen. Damit will die EU ihre heimischen Produzenten schützen und Marktverwerfungen vermeiden.

Vorteile auch für europäische Exporteure

Nicht nur ukrainische Betriebe profitieren: Auch für EU-Exporteure sind Verbesserungen vorgesehen. Die Vorzugszollkontingente für Geflügel steigen von 20.000 auf 120.000 Tonnen, für Schweinefleisch von 20.000 auf 45.000 Tonnen und für Zucker von 40.000 auf 100.000 Tonnen.

Diese Regelungen erleichtern europäischen Landwirten und Verarbeitern den Zugang zum ukrainischen Markt.

Ukraine muss EU-Standards erfüllen

Ein zentrales Element des Abkommens ist die Anpassung der Ukraine an EU-Standards. Bis 2028 soll das Land schrittweise Vorgaben im Tierschutz, Pflanzenschutz und bei Tierarzneimitteln umsetzen. Über die Fortschritte muss Kiew jährlich berichten.

Zudem haben beide Seiten eine Schutzklausel vereinbart. Sollte die Marktöffnung zu negativen Folgen für einen der Partner führen, können Schutzmaßnahmen aktiviert werden.

Unterstützung für ukrainische Exporteure

Die EU-Kommission plant ergänzende Maßnahmen, um ukrainische Exporteure zu unterstützen. Ziel ist es, die durch den russischen Angriffskrieg verlorenen Märkte zurückzugewinnen und neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.

Boom der ukrainischen Geflügelwirtschaft

Ein Blick auf die Geflügelbranche zeigt, warum diese Änderungen für die Ukraine so bedeutend sind. Laut einem Bericht der Polissia National University hat sich die ukrainische Geflügelfleischerzeugung in den letzten zwei Jahrzehnten versiebenfacht. Der Anteil am gesamten Fleischmarkt stieg von 12 Prozent auf fast 57 Prozent.

Durch wettbewerbsfähige Preise, moderne Technik und Exporterfolge konnte sich die Ukraine als wichtiger Player am Weltmarkt etablieren. Größter Abnehmer ist mit über 100.000 Tonnen jährlich die Niederlande.

Die Geflügelfleischexporte stiegen von nur 130.000 Euro im Jahr 2004 auf beeindruckende 360 Millionen Euro im Jahr 2023. Heute gehen über 70 Prozent der Exporte in die EU und nach Großbritannien, während der Anteil an den GUS-Staaten stark zurückging.

Wettbewerbsfähige Preise sichern Marktanteile

Im internationalen Vergleich sind ukrainische Geflügelprodukte preislich konkurrenzfähig. 2023 lag der ukrainische Exportpreis bei 1.596 Euro pro Tonne und damit auf Augenhöhe mit Brasilien (1.584 Euro). Im Vergleich dazu waren die Preise in Polen (2.280 Euro) und den Niederlanden (2.123 Euro) deutlich höher.

Der inländische Konsum in der Ukraine stieg ebenfalls: 2023 verzehrte der Durchschnittsbürger etwa 22 Kilogramm Hähnchenfleisch pro Jahr – über 40 Prozent des gesamten Fleischkonsums. Zum Vergleich: In den EU-Ländern liegt der Anteil bei etwa 30 Prozent, in den USA bei etwa 50 Prozent.

Strukturwandel: Große Geflügelbetriebe dominieren in der Ukraine

Die Geflügelproduktion ist stark auf wenige Regionen konzentriert: Über 70 Prozent stammen aus Vinnytsia, Cherkasy und Dnipropetrovsk. Zudem sind Großbetriebe dominierend: Nur 12,5 Prozent der Betriebe halten mehr als 500.000 Tiere, diese decken aber 85 Prozent des Gesamtbestands ab.

Kleinbetriebe haben an Bedeutung verloren: Ihr Bestand schrumpfte von 98 Millionen (2000) auf 78 Millionen Tiere (2022). Diese Entwicklung zeigt den Trend hin zu industriellen Produktionsmethoden.

Neben strukturellen Veränderungen stellen Kriegseinflüsse, die Anpassung an EU-Normen und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit große Herausforderungen dar.

Fazit: Neue Chancen, aber auch Verantwortung

Das neue Handelsabkommen mit der EU bietet der Ukraine große Chancen, stärkt die Versorgungssicherheit in Europa und ermöglicht den Verbrauchern mehr Auswahl. Gleichzeitig verpflichtet es ukrainische Produzenten, hohe Standards zu erfüllen und nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Für Landwirte, Händler und Verbraucher bleibt die Entwicklung spannend – die Integration der Ukraine in den europäischen Agrarmarkt schreitet mit großen Schritten voran.

 

Geflügelnews
Bild: pluimveeweb, Adobe Stock ruslan
Quelle: AgE, pluimveeweb

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