Freilandhaltung steht für Tierwohl – bringt aber Risiken. Greifvögel gefährden Legehennen zunehmend. Fachleute zeigen, wie Betriebe ihre Tiere im Auslauf wirksam schützen können.
Inga Garrelfs und Dr. Christiane Keppler aus dem Beratungsteam Tierhaltung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen besprachen in einem Online-Seminar, das das Netzwerk Fokus Tierwohl zum Thema „Schutz vor Prädatoren- Abwehr von Beutegreifern und effektiver Zaunbau” veranstaltete, welche Maßnahmen Hühner im Auslauf schützen können.
In vielen Regionen gehören Bussarde, Falken oder Milane zum natürlichen Ökosystem, weshalb Geflügelhalter zunehmend nach wirksamen Schutzmaßnahmen suchen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass selten eine einzelne Lösung ausreicht – entscheidend ist meist eine Kombination verschiedener Ansätze.
Struktur schafft Sicherheit im Auslauf
Eine wichtige Grundlage für einen sicheren Auslauf ist dessen Strukturierung. Unterstände, bepflanzte Bereiche oder Wintergärten schaffen Deckung und fördern gleichzeitig, dass die Hennen größere Teile der Fläche nutzen. Ohne solche Strukturen bleiben viele Tiere in Stallnähe, während entferntere Bereiche kaum genutzt werden. Darüber hinaus führt eine strukturierte Fläche zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere und damit auch der Nährstoffe im Boden. Sträucher, Bäume oder künstliche Unterstände bieten den Hühnern Rückzugsmöglichkeiten, die im Ernstfall Schutz vor Greifvögeln bieten können.
Abschreckung wirkt nur kurzfristig
Viele Betriebe setzen zusätzlich auf klassische Abschreckungsmethoden wie Flatterbänder, aufgehängte CDs oder Spiegel, Blitzlichter, Vogelscheuchen oder Radios im Auslauf. Solche Maßnahmen können kurzfristig eine Wirkung zeigen, verlieren jedoch häufig schnell an Effektivität, da sich Greifvögel an die unbeweglichen oder ungefährlichen Objekte gewöhnen. Um eine gewisse Abschreckung aufrechtzuerhalten, sollten diese Elemente regelmäßig verändert oder umgesetzt werden. Erst durch diese Abwechslung lässt sich die Gewöhnung der Tiere zumindest teilweise vermeiden.
Netze bieten hohen Schutz – mit Einschränkungen
Zu den sichersten Maßnahmen gegen Luftbeutegreifer zählen Netze über dem Auslauf. Sie verhindern Angriffe aus der Luft weitgehend zuverlässig, sind jedoch vor allem bei kleineren Tierzahlen praktikabel, da große Flächen nur mit erheblichem Aufwand überspannt werden können. Hinzu kommt, dass Netze in manchen Regionen nicht zulässig sind, weil die Gefahr besteht, dass sich Greifvögel darin verfangen. Betriebe müssen daher die jeweiligen rechtlichen Vorgaben beachten.
Photovoltaik bringt Schutz und Zusatznutzen
Zunehmend diskutiert wird auch die Kombination von Freilandhaltung und Photovoltaik. Agri-Photovoltaik-Anlagen im Auslauf können Schatten spenden, Schutz bei Niederschlag bieten und dazu beitragen, dass Hühner größere Teile der Fläche nutzen. Gleichzeitig ermöglicht die Stromproduktion eine zusätzliche Einnahmequelle und damit eine Doppelnutzung der Fläche. Rechtlich ist diese Kombination grundsätzlich möglich: Sowohl die EU-Vermarktungsnorm für Eier als auch die EU-Öko-Verordnung erlauben Photovoltaikanlagen auf Auslaufflächen, sofern die Bewegungsfreiheit der Hennen nicht eingeschränkt wird und die Anforderungen des Tierschutzes eingehalten werden.
In der Praxis ist die Umsetzung derzeit jedoch noch schwierig. Anlagen müssen bestimmte technische Anforderungen erfüllen, etwa nach DIN SPEC 91434 für die landwirtschaftliche Nutzung und DIN SPEC 91492 für die Nutztierhaltung. Da eine endgültige DIN-Norm bislang fehlt, besteht für viele Betriebe noch Unsicherheit. Zudem stellen Fragen der Hygiene sowie die Bearbeitung der Fläche zusätzliche Herausforderungen dar.
Ökologische Ansätze ergänzen den Schutz
Neben baulichen Maßnahmen werden auch ökologische Ansätze verfolgt. So können etwa Nistkästen für Turmfalken aufgestellt oder Sitzstangen – sogenannte Julen – errichtet werden, die Greifvögeln Ansitze zur Jagd auf natürliche Beute wie Mäuse bieten. Ziel ist es, das natürliche Nahrungsangebot zu fördern und den Druck auf Geflügelbestände zu reduzieren.
Darüber hinaus werden verschiedene innovative Ansätze erprobt, etwa Systeme auf Basis künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Greifvögeln, Ablenkungsfütterungen oder das gezielte Einsetzen von Greifvögeln durch Falkner, um bestimmte Reviere zu besetzen.
Fazit: Kombination entscheidet über den Erfolg
Ein wirksamer Schutz von Legehennen im Freiland beruht in der Regel auf mehreren Maßnahmen. Besonders zuverlässig gelten Netze – sofern sie technisch und rechtlich umsetzbar sind – sowie strukturreiche Ausläufe mit ausreichend Deckung. Ergänzend können Standortwechsel bei Mobilställen, abwechslungsreiche Abschreckungselemente oder Maßnahmen zur Förderung natürlicher Beute für Greifvögel sinnvoll sein. Entscheidend ist letztlich ein durchdachtes Zusammenspiel verschiedener Ansätze, das sowohl den Schutz der Tiere als auch eine möglichst gute Nutzung des Auslaufs ermöglicht.




































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