Wenn die Leistung nicht stimmt, lohnt sich der Blick ins Tränkesystem

08 Juni 2026
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Pute zdg

Die ersten heißen Tage des Jahres liegen bereits hinter uns, dabei hat der Sommer gerade erst begonnen. Für Geflügelhalter rückt damit ein entscheidender Faktor noch stärker in den Fokus: die Wasserversorgung. Qualitativ hochwertiges Trinkwasser spielt eine zentrale Rolle, um Hitzestress zu begrenzen, die Futteraufnahme zu stabilisieren und die Tiergesundheit zu sichern. Gerade in der Aufzucht von Putenküken kann eine mangelhafte Wasserhygiene jedoch zum Problem werden. Biofilme in Tränkeleitungen bleiben häufig lange unentdeckt, können aber den Infektionsdruck erhöhen, die Darmgesundheit beeinträchtigen und die Leistungen der Tiere mindern. Ein Praxisbeispiel aus Thüringen zeigt, warum sich ein genauer Blick auf das Tränkesystem lohnt. 

Wenn die Ursache nicht im Futter, sondern im Wasser liegt

Benjamin Pohle mästet gemeinsam mit seinem Vater an zwei Standorten im Altenburger Land in Thüringen rund 30.000 Putenküken je Durchgang. Wie viele Geflügelhalter verfolgt er das Ziel, den Antibiotikaeinsatz auf das notwendige Minimum zu begrenzen.

Dennoch kämpfte der Betrieb immer wieder mit schwankenden Leistungen in der Aufzucht. Verdauungsstörungen, Atemwegsreizungen und andere Gesundheitsprobleme traten insbesondere in den ersten Lebenstagen der Tiere auf. Bei hohen Außentemperaturen verschärfte sich die Situation zusätzlich.

Erst eine gemeinsame Untersuchung von Tierbestand und Tränkesystem brachte die Ursache ans Licht: Biofilme in den Wasserleitungen.

„Ich hatte gar nicht vermutet, dass das Wasser überhaupt das Problem ist“, berichtet Pohle.

Biofilme entstehen oft unbemerkt

Nach Beobachtung von Hygieneberater Matthias Wiecha treten vergleichbare Probleme auf vielen Geflügelbetrieben auf. Selbst dort, wo bereits eine herkömmliche Desinfektion auf Chlorbasis erfolgt, können sich Biofilme in den Leitungen bilden.

Diese entstehen häufig durch Restwasser, stagnierende Bereiche oder organische Ablagerungen. Die schleimartigen Beläge bieten Mikroorganismen ideale Lebensbedingungen und schützen sie gleichzeitig vor vielen Desinfektionsmitteln.

In der Praxis finden sich häufig Umweltkeime wie Pseudomonaden oder Enterobacter-Arten. Sie können die Wasserqualität beeinträchtigen und die Darmgesundheit der Küken belasten.

Küken reagieren besonders empfindlich

Gerade in den ersten Tagen nach der Einstallung spielt die Wasserhygiene eine entscheidende Rolle. Das Immunsystem der Küken befindet sich noch in der Entwicklung, während die Wasseraufnahme im Verhältnis zum Körpergewicht besonders hoch ausfällt.

Belastetes Tränkwasser kann deshalb weitreichende Folgen haben:

  • geringere Futteraufnahme, 
  • schlechtere Nährstoffverwertung, 
  • höhere Anfälligkeit für Sekundärinfektionen, 
  • feuchte Einstreu und Darmprobleme, 
  • erhöhter Behandlungsbedarf. 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass belastetes Tränkwasser die Darmflora verändern und das Risiko für Pododermatitis erhöhen kann.

Wasserhygiene als Teil des Gesundheitsmanagements

Nach der Ursachenanalyse stellte Benjamin Pohle sein Hygienekonzept um. Heute kombiniert er die regelmäßige Reinigung und Spülung der Tränkeleitungen mit einer gezielten Wasserbehandlung während der empfindlichen Kükenphase.

Nach seinen Erfahrungen haben sich dadurch die Tiergesundheit und die Aufzuchtleistung stabilisiert. Besonders beim Einstallen beobachtet er weniger Probleme als in der Vergangenheit.

Für ihn steht fest, dass vorbeugende Maßnahmen wirtschaftlicher sind als spätere Korrekturen durch Behandlungen oder Leistungseinbußen.

Warum sich Biofilme so hartnäckig halten

Biofilme gehören zu den größten Herausforderungen in wasserführenden Systemen. Haben sie sich einmal etabliert, schützen sie die darin eingebetteten Mikroorganismen wirksam vor äußeren Einflüssen.

Zusätzlich fördern verschiedene Wasserinhaltsstoffe wie Eisen, Mangan oder Sulfate die Bildung solcher Beläge. Auch Temperaturschwankungen und organische Rückstände können die Entwicklung beschleunigen.

Deshalb reicht eine gelegentliche Desinfektion häufig nicht aus. Entscheidend ist vielmehr ein dauerhaftes Hygienekonzept, das Reinigung, Spülung und Kontrolle der Wasserqualität miteinander verbindet.

Wasserqualität stärker in den Fokus rücken

Für Geflügelhalter liefert das Praxisbeispiel eine klare Botschaft: Nicht jede Leistungsstörung lässt sich auf Fütterung, Stallklima oder Management zurückführen. Auch das Tränkesystem sollte regelmäßig überprüft werden.

Benjamin Pohle zieht daraus eine einfache Schlussfolgerung:

„Bei uns war es nicht der Stall, nicht das Futter, sondern das Wasser.“

Fazit

Tränkwasser bleibt eines der wichtigsten Betriebsmittel in der Geflügelhaltung. Gleichzeitig wird seine Qualität häufig unterschätzt. Biofilme in Tränkeleitungen können die Darmgesundheit von Puten beeinträchtigen, Leistungen mindern und den Infektionsdruck erhöhen.

Für professionelle Geflügelhalter lohnt sich deshalb ein kritischer Blick auf die Wasserhygiene. Wer Biofilme frühzeitig verhindert und die Tränkeleitungen konsequent überwacht, kann die Tiergesundheit stabilisieren und unerwünschte Leistungseinbußen vermeiden.

Quelle: Lena Kampschulte (NKDC Agrimarketing), Erstveröffentlichung in der Bauernzeitung.

Geflügelnews
Bild: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.
Quelle: Lena Kampschulte (NKDC Agrimarketing), Bauernzeitung

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