Tränkwasser: Fast jede zweite Probe überschritt Grenzwerte
Im vergangenen Jahr untersuchte die TiHo Hannover für eine Studie das Tränkwasser von Geflügel- und Schweinebetrieben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Beim Geflügel überschritten knapp 43 Prozent mikrobiologische Grenzwerte. Auf einer Veranstaltung im Emsland gab es Tipps, wie das zu verhindern ist.
„Ein sauberer Stall ist kein Luxus!“ Das sagte Hygienespezialist Dr. Dimitrios Ouzounis zu Beginn seines Vortrags, bei dem es -auch- um das Thema Tränkwasser im Geflügelstall ging. Auch wenn das Tränkwasser als mögliche Keimquelle in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt ist bei Tierhalterinnen und Tierhaltern, gibt es nach Einschätzung von Dr. Ouzounis immer noch Optimierungsbedarf. Hierzu zitierte er obige Studie der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover aus dem vergangenen Jahr. Dafür waren Proben aus 519 Ställen genommen worden.
Dr. Dimitrios Ouzounis ist Hygienespezialist.
Dr. Ouzounis referierte auf einer Veranstaltung beim Hygieneservice Huntenburg mit Sitz im emsländischen Bippen. Miteingeladen hatten Trouw Nutrition Deutschland und weiteren Kooperationspartnern aus dem Geflügelbereich.
Keime im Wasser sieht man nicht
Das tückische an Verunreinigungen und Keimbelastungen in den Wasserleitungen im Stall ist, dass man sie nicht sieht. Da das Wasser in den Tränkelinien eine niedrige Fließgeschwindigkeit aufweist, teilweise in der Dunkelphase von den Tieren nicht verbraucht wird und somit in den Leitungen steht, wird die Bildung von sogenanntem Biofilm im System begünstigt. Futterreste oder Schmutz im Stall können auch von den Tränkenippeln aus für die Entstehung von Biofilm mitverantwortlich sein.
„Entscheidend ist die Wasserqualität, die in der Tränke im Stall ankommt“, betonte der Spezialist der Stockmeier GmbH. Sein Unternehmen bietet Reinigungs- und Desinfektionsmittel unter anderem für die Landwirtschaft an. Dass das, was in den Stall hineinkommt, keineswegs immer das ist, was an den Tränken ankommt, belegte er mit einigen Zahlen einer Studie aus den USA: Die Farm, deren Wasser an der Frischwasser-Einspeisestelle quasi keimfrei war, zeigte am Tränkenippel eine sehr hohe Anzahl von 4.775.000 KBE/ml (KBE=Koloniebildende Einheiten) am Tränkenippel. Die Farm mit der höchsten Keimbelastung beim ankommenden Wasser (2.700 KBE/ml) hatte an den Tränken die besten Werte (26.600 KBE/ml).
Wasserproben immer am Ende nehmen
Dr. Ouzounis legte allen Geflügelhaltern ein laufendes Monitoring der Tränkwasserqualität nahe. Wasserproben sollten immer an den Leitungsenden genommen werden. Neben der Keimzahl empfahl er die Bestimmung von pH-Wert und Leitfähigkeit. Der pH-Wert von Tränkwasser sollte zwischen 6,5 und 8,5 liegen. Tränkwasser mit einem pH-Wert außerhalb dieses Bereichs kann Geschmack, Qualität und Sicherheit beeinträchtigen.
Die Mitveranstalter in Bippen hatten Infostände aufgebaut.
Die Leitfähigkeit des Wassers ist ebenfalls ein wichtiger Indikator für die Qualität, da sie direkt von der Menge der gelösten Stoffe im Wasser abhängt. Je höher die Leitfähigkeit, desto mehr Stoffe wie Verunreinigungen sind im Wasser gelöst, was die Wasserqualität negativ beeinflussen kann.
Verschiedene Möglichkeiten Desinfektion
Zur Erhaltung einer optimalen Tränkwasserqualität ist eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Wasserleitungen unerlässlich. Dafür gibt es verschiedene physikalische und chemische Möglichkeiten, die der Hygienefachmann in Bippen vorstellte.
Zusammenfassend betonte er, dass die Sicherstellung der Tränkwasserqualität ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Hygienekonzeptes sein muss – neben den anderen bekannten Bereichen wie Reinigung und Desinfektion zwischen den Durchgängen, Hygieneschleuse, klare Zugangsregeln zum Stall, kontrollierter Personen- und Fahrzeugverkehr, Kadaverlagerung etc.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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