Der US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat vorgeschlagen, dass Landwirte die Vogelgrippe absichtlich auf ihren Geflügelfarmen verbreiten sollten, um Vögel zu identifizieren, die gegen das Virus immun sind. Diese Idee stößt bei Experten jedoch auf massive Ablehnung. Sie warnen vor den dramatischen Folgen eines solchen Ansatzes.
Laut der Geflügeltierärztin Rocio Crespo von der North Carolina State University ist dieser Plan „verrückt“ und würde „eine unvorstellbare Zahl von Geflügeltoten zur Folge“ haben. Sie betont, dass die Vogelgrippe „jedes einzelne Organ“ der Vögel angreift, was eine schnelle und vollständige Zerstörung des gesamten Bestandes zur Folge hätte.
Vogelgrippe: Forscher bestätigen – genetische Resistenz bei Hühnern gibt es nicht
Die Vogelgrippe H5N1 führt bei betroffenen Hühnern innerhalb von drei bis vier Tagen zu einer nahezu hundertprozentigen Sterblichkeitsrate. Laut Matt Koci, Immunologe und Virologe an der North Carolina State University, „überfordert die Krankheit die Vögel“ so stark, dass sie „nie die Antikörper entwickeln, die die Grippe abwehren“ könnten. Die schnelle Sterblichkeit der Tiere bedeutet, dass wenig Raum für eine Forschung oder das Aufspüren genetischer Resistenzen bleibt. Koci erklärt dazu: „Genetische Resistenz bei Hühnern und Truthähnen gibt es nicht.“
Wissenschaftler wie Huaijun Zhou, Professor für Tierwissenschaften an der Universität von Kalifornien in Davis, haben in ihrer Forschung zur Newcastle-Krankheit – einer anderen, ebenfalls tödlichen Geflügelkrankheit – festgestellt, dass genetische Varianten, die eine längere Überlebensdauer bei infizierten Vögeln ermöglichen, nur minimale Auswirkungen haben. Zhou stellt fest: „Es bedurfte einer Kombination aus Hunderten von Varianten, um einen spürbaren Unterschied in der Überlebensrate zu erreichen.“ Bei der Vogelgrippe mit ihrer extrem hohen Sterblichkeitsrate sei ein Erfolg der Forschung auf diesem Gebiet noch unwahrscheinlicher.
Fatale 'Let-it-rip'-Strategie: Warum Kennedys Plan den Geflügelmarkt bedroht
Kennedys Vorschlag, die Krankheit in den Beständen sich ausbreiten zu lassen, zeigt nach Ansicht von Experten ein gravierendes Missverständnis über die Geflügelzucht. Koci erklärt, dass die Hühner, die für die Fleisch- und Eierproduktion gezüchtet werden, keine Zuchtpopulationen sind, die genetisch resistent gegenüber Krankheiten gemacht werden könnten. Er erklärt weiter, dass die „Ausrottung der arbeitenden Nachkommen dieser Züchter nichts an den nächsten Generationen ändern würde.“
Ein weiterer gravierender Aspekt des „Let-it-rip“-Ansatzes ist die potenzielle Zerstörung des internationalen Handels mit Geflügelprodukten. Die massenhafte Ausbreitung des Virus würde dazu führen, dass Importeure amerikanische Produkte nicht mehr akzeptieren würden, was enorme wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen würde. „Die Chick-fil-A's und die Kentucky Fried Chickens und all die Hühnergerichte, die es gibt, können Sie vergessen“, warnt Crespo.
Forscher setzen auf Impfstoffe und verbesserte Biosicherheitsmaßnahmen
In der Vergangenheit konnte die Vogelgrippe in den USA durch Keulung und strikte Biosicherheitsmaßnahmen effektiv bekämpft werden. Doch der derzeit zirkulierende Erregerstamm hat neue Übertragungswege gefunden, sodass das Risiko einer Ausbreitung nun ganzjährig besteht, wie Koci erklärt: „Wir versuchen zu verstehen: Können wir diese anderen Quellen herausfinden, und können wir unsere Biosicherheitsmaßnahmen ändern?“ Diese neuen Herausforderungen haben dazu geführt, dass die Wissenschaftler nach langfristigen Lösungen suchen, etwa durch die Entwicklung besserer Impfstoffe, die nicht nur das Leben der Tiere retten, sondern auch die Übertragung des Virus eindämmen können.
Rollins unterstützt Kennedys Plan
Trotz der umfangreichen Kritik an Kennedys Vorschlag, haben auch andere politische Entscheidungsträger wie Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins eine gewisse Unterstützung für die „Let-it-rip“-Strategie angedeutet. Die New York Times berichtete kürzlich, dass Rollins gegenüber Fox News erklärte, einige Landwirte zeigten Interesse an der Erprobung dieser Methode. Dennoch ist das Gesundheitsministerium in seinen Äußerungen besorgt und erklärt, dass „die Keulung die Menschen dem höchsten Risiko aussetzt“, und dass „strenge Biosicherheit die Lösung“ sei. Emily Hilliard, stellvertretende Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums, erklärte: „Wir wollen die Menschen von der gefährlichsten Variante der aktuellen Vogelgrippe fernhalten.“
Vogelgrippe absichtlich ausbreiten? Eine riskante Fehlentscheidung!
Die Diskussion um die „Let-it-rip“-Strategie verdeutlicht die ernsthaften Risiken, die mit einer unkontrollierten Ausbreitung der Vogelgrippe verbunden sind. Experten warnen eindringlich vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen, die eine solche Politik nach sich ziehen würde, und betonen, dass die derzeitigen Maßnahmen der Keulung und strengen Biosicherheitskontrollen weiterhin notwendig sind, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.
Kennedys Vorschlag, die Vogelgrippe absichtlich zu verbreiten, ist extrem gefährlich. Experten warnen vor massiven wirtschaftlichen Verlusten und gesundheitlichen Risiken und plädieren für eine Fortsetzung der bestehenden Keulungs- und Sicherheitsmaßnahmen und eine intensivere Forschung an Impfstoffen.
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