Die Impfpflicht gegen die Newcastle-Krankheit stellt Geflügelhalter vor neue Anforderungen. Fachleute erklären, wie Betriebe die Vorgaben umsetzen – und warum besonders kleine Bestände an Grenzen stoßen.
In einem Online-Seminar des Netzwerkes Fokus Tierwohl, bei dem 1.000 Personen angemeldet waren und sich noch mehr gerne angemeldet hätten, erläuterte der Fachtierarzt für Geflügel Dr. Holger Stolle, wie sich die Impfpflicht der Newcastle-Krankheit umsetzen lässt.
Tierarzt und Tierhalter: Geteilte Verantwortung
Die Umsetzung der Impfpflicht erfordert ein koordiniertes Zusammenspiel zwischen Tierarzt und Tierhalter. Beide Seiten tragen klar definierte Pflichten, deren Einhaltung entscheidend für den Seuchenschutz ist.
Die Aufgaben von Tierärztinnen und Tierärzten im Rahmen der Impfpflicht sind vielfältig und gehen weit über die reine Verabreichung von Impfstoffen hinaus. Sie sind dafür verantwortlich, Tierhaltende im sachgerechten Umgang mit Impfstoffen zu schulen und einen individuell auf den jeweiligen Bestand abgestimmten Anwendungsplan zu erstellen. Darüber hinaus gehört die jährliche Impfanzeige gemäß § 44 Absatz 1a der Tierimpfstoff-Verordnung zu ihren Pflichten.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ihrer Tätigkeit sind regelmäßige Bestandsbesuche, bei denen die Tiere klinisch untersucht werden. In diesem Zusammenhang prüfen Tierärztinnen und Tierärzte auch die Impffähigkeit des Bestands und kontrollieren sorgfältig die Dokumentation, um eine ordnungsgemäße und nachvollziehbare Durchführung der Impfmaßnahmen sicherzustellen.
Auch Tierhaltende tragen eine zentrale Verantwortung bei der Umsetzung der Impfpflicht. Sie sind verpflichtet, eine betreuende Tierärztin oder einen betreuenden Tierarzt auszuwählen und regelmäßige Bestandsbesuche zu organisieren sowie zu ermöglichen. Die Impfungen müssen eigenverantwortlich und strikt nach dem vorgegebenen Anwendungsplan durchgeführt werden.
Darüber hinaus sind Tierhaltende dazu angehalten, den Anwendungsplan über einen Zeitraum von fünf Jahren aufzubewahren und eine lückenlose Dokumentation aller durchgeführten Impfungen zu führen, die ebenfalls über diesen Zeitraum verfügbar sein muss. Nicht zuletzt gehört auch die sorgfältige Beobachtung der Tiere nach der Impfung zu ihren Pflichten, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können.
Was im professionellen Betrieb Standard ist, wird für Kleinsthaltungen schnell unrealistisch. „Bei drei oder fünf Hühnern ist das für den Tierhalter nicht umzusetzen – und für den Tierarzt auch nicht“, heißt es von Dr. Stolle.
Pragmatische Lösungen für Hobbyhalter
Um die Impfpflicht auch im Hobbybereich praktikabel umzusetzen, werden zunehmend pragmatische Ansätze diskutiert. Ziel ist es, den Seuchenschutz zu gewährleisten, ohne unnötige bürokratische Belastungen aufzubauen.
Sinnvolle Maßnahmen können sein:
- Vorab-Gesundheitsnachweis der Tiere per Handy-Video an den Tierarzt
- Organisation gemeinschaftlicher Impfaktionen über Rassegeflügelzuchtvereine
- Konsequente Grundimmunisierung der Nachzucht
- Regelmäßige Trinkwasserimpfungen im Abstand von fünf bis sechs Wochen
- Frühzeitige Vektorimpfung am ersten Lebenstag (beispielsweise Marek-Impfung)
- Ergänzende jährliche Nadelimpfung durch den Tierarzt
Dr. Stolles Appell an die Behörden ist dabei eindeutig: weniger Bürokratie, mehr Praxisnähe. Zu hohe Hürden könnten kontraproduktiv wirken – „dann impft keiner mehr und das ist der absolut falsche Weg“.
Impfmethoden in der Praxis: Von der Brüterei bis in den Stall
Die Wirksamkeit einer Impfung hängt nicht nur vom Impfstoff selbst ab, sondern auch vom richtigen Zeitpunkt und der passenden Anwendung. Bereits der Immunstatus der Elterntiere und die Bedingungen in der Brüterei beeinflussen den späteren Impferfolg.
In der Praxis werden verschiedene Verfahren kombiniert: Dazu zählen die Vektorimpfung am ersten Lebenstag, Sprayimpfungen in der Aufzucht sowie Lebendimpfstoffe im Stall, die über Augentropfen, Spray oder das Trinkwasser verabreicht werden. Ergänzend kommen inaktivierte Impfstoffe per Nadelinjektion zum Einsatz, um eine länger anhaltende Immunität zu sichern. Unterstützend kann die Gabe von Vitaminen rund um die Impfung sinnvoll sein.
Besonders bei der Trinkwasserimpfung ist eine sorgfältige Durchführung entscheidend: Der Impfstoff sollte frisch angesetzt, innerhalb von zwei bis drei Stunden verbraucht und die Wassermenge genau abgestimmt werden. Zudem hilft es, die Tiere vorübergehend dursten zu lassen, damit alle den Impfstoff aufnehmen.
Auch bei der Sprayimpfung spielt die Technik eine zentrale Rolle, denn die Tröpfchengröße bestimmt, wie tief der Impfstoff in die Atemwege gelangt – von den oberen Bereichen bis hin zu Lunge und Luftsäcken.
Häufige Impffehler – und wie man sie vermeidet
Selbst kleine Fehler können die Wirksamkeit einer Impfung erheblich beeinträchtigen. Zu den häufigsten Problemen zählen:
- Unsachgemäße Lagerung der Impfstoffe
- Unvollständige oder fehlerhafte Resuspension
- Falscher Impfzeitpunkt oder zu lange Anwendungsdauer
- Kontakt mit keimtötenden Substanzen wie Chlor oder Desinfektionsmitteln
- Injektionsfehler bei der Nadelimpfung




































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