Projekt sLowFeedChickIns: Zeigen uns die Tiere die optimale Ration?

08 März 2026
Zweinutzungshuhn
zweinutzungshühner

Wie viel Protein brauchen Zweinutzungshühner wirklich? Und können sie ihre Nährstoffaufnahme selbst steuern? Auf der 30. Internationalen Geflügel-Fachtagung in Kiel präsentierte Dr. Daniela Werner vom Thünen-Institut aktuelle Ergebnisse aus dem Projekt sLowFeedChickIns. Die Daten stellen klassische Fütterungsstrategien infrage.

Auf der 30. Internationalen Geflügel-Fachtagung, zu der Bioland am 5. und 6. Februar 2026 nach Kiel einlud, kommunizierte Dr. Daniela Werner vom Thünen-Institut Erkenntnisse aus dem Projekt sLowFeedChickIns – insbesondere inwieweit Zweinutzungshühner die für sie optimale Ration selbst bestimmen können.

"Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann."

Das breit angelegte Gemeinschaftsvorhaben mehrerer Forschungs- und Praxispartner sLowFeedChickIns behandelt die Frage, wie sich Fütterungsstrategien an die besonderen Anforderungen von Zweinutzungstieren anpassen lassen. Spezialisierte Mast- oder Legehybriden werden seit Jahrzehnten auf maximale Leistung gezüchtet, allerdings ist dieser Ansatz bei Zweinutzungshühnern zum Scheitern verurteilt. Das Projekt sLowFeedChickIns will etablierte Fütterungsstrategien hinterfragen und neue Wege in der Haltung von Zweinutzungshühnern erproben.

Optimierte Nährstoffversorgung von Zweinutzungshühnern

„Was soll optimiert denn überhaupt heißen?“ Optimierung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Leistungssteigerung um jeden Preis, sondern eine bedarfsgerechte Anpassung. Der Ansatz des Projekts besteht darin, Rohprotein- und Methioningehalte im Futter zu reduzieren, bei konstantem Energiegehalt, und zu ermitteln, wie weit sich die Nährstoffdichte absenken lässt, ohne Tiergesundheit, Mast- oder Legeleistung zu beeinträchtigen.

Ergebnisse Fütterungsversuche Hähne

In Mastversuchen mit Hähnen (Zweinutzungshuhn: ÖTZ Coffee, Legehybride: ISA Warren) zeigte sich, dass eine moderate Absenkung des Rohproteingehalts – von rund 19 auf etwa 15,7 % – keinen signifikanten Einfluss auf die Gewichtsentwicklung hatte. Erst bei weitergehenden Reduktionen kam es zu deutlichen Leistungseinbußen. Ökonomische Auswertungen deuten darauf hin, dass proteinreduzierte Rationen, insbesondere bei Einsatz betriebseigener Futtermittel, wirtschaftlich interessant sein können.

Ergebnisse Fütterungsversuche Hennen

Auch bei Hennen (Zweinutzungshuhn: ÖTZ Coffee, Legehybride: ISA Warren) wurde eine optimierte Ration mit abgesenktem Protein- und Methioningehalt getestet. Der Fütterungsversuch begann bewusst erst nach der Legespitze, um wachstums- und entwicklungsbedingte Effekte auszuschließen. Die Legeleistung blieb stabil, teils lag sie mit der optimierten Ration sogar leicht höher. Die Futteraufnahme stieg geringfügig an. „Eine optimierte Fütterung hat in unserem Fall nicht dazu geführt, dass Resilienz in irgendeiner Art und Weise beeinflusst wurde“, fasste Dr. Werner zusammen. Tiergesundheitsparameter wie Brustbeinzustand oder Verlustraten zeigten keine gravierenden Unterschiede zwischen den Fütterungsvarianten. Veränderungen traten allerdings in der Eiergrößenverteilung auf, insbesondere bei Legehybriden; hier verschoben sich Anteile zugunsten kleinerer Eier. Die wirtschaftliche Bewertung dieser Effekte steht noch aus.

Einsatz alternativer Proteinquellen - Die Qual der Wahl

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts sind Wahlfütterungsversuche mit alternativen Proteinquellen. Den Tieren (ÖTZ Coffee) wurden neben Standard- und proteinreduzierten Mischungen zusätzliche Proteinträger angeboten, darunter Algen (Palmaria polmato, Uive lactuca) sowie Insekten wie Heimchen und die adulte Schwarze Soldatenfliege. Dabei zeigte sich eine klare Präferenz für die Insekten. Gruppenweise unterschieden sich die Aufnahmemengen jedoch deutlich – ein Hinweis auf komplexe Selektionsmechanismen im Fressverhalten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der adulten Schwarzen Soldatenfliege, die als Nebenprodukt der Larvenproduktion anfällt. Sie weist hohe Methioningehalte auf und könnte damit eine funktionale Ergänzung zu pflanzlichen Proteinträgern darstellen. Erste Praxistests verliefen vielversprechend; die Tiere nahmen das neue Futtermittel (getrocknete Soldatenfliegen, nicht pelletiert) gut an.

Können Zweinutzungshühner ihre Nährstoffaufnahme selbst regulieren?

Die zentrale Frage des Vortrags lautete: „Zeigen uns die Tiere die optimale Ration?“ Eine abschließende Antwort bleibt offen. Die bisherigen Ergebnisse legen jedoch nahe, dass Zweinutzungshühner in der Lage sind, ihre Nährstoffaufnahme bis zu einem gewissen Grad selbst zu regulieren – und dass eine maßvolle Reduktion der Proteinversorgung weder Leistung noch Tierwohl zwangsläufig beeinträchtigen muss. 2026 bis 2027 findet ein zweiter Fütterungsversuch statt, um zu klären, in welchem Umfang alternative Proteinquellen aufgenommen werden, wenn sie zusätzlich zu einem Mischfuttermittel mit reduzierter Nährstoffdichte angeboten werden, und wie hoch die daraus resultierende Gesamtproteinaufnahme ist.

Magdalena Esterer
Bild: Eva Wolf

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