Dr. Kristian Düngelhoef
Die Newcastle-Krankheit (ND) ist nach Jahrzehnten zurück in Deutschland und hat bereits viele Betriebe getroffen. Bei uns besteht Impfpflicht – die durch das erneute Auftreten in den Fokus gerückt ist. Zeitweise gab es Impfstoff-Engpässe für Hobbyhaltungen. Die Geflügelfachpraxen waren und sind jedoch gut gerüstet, sagt Tierarzt Dr. Kristian Düngelhoef.
Ende Februar dieses Jahres ist in Deutschland das erste Mal nach rund 30 Jahren wieder die Newcastle Disease (ND) aufgetreten. Immer wieder kommt es seitdem zu neuen Infektionen in Brandenburg und Bayern. Zuletzt war ein Hähnchenmastbetrieb mit über 300.000 Tieren betroffen.
Haustierpraxen nicht immer versorgt
In Deutschland gilt Impfflicht gegen ND für Geflügel – egal ob Großbetrieb oder Hobbyhaltung mit wenigen Tieren. In den vergangenen Wochen gab es Meldungen, dass es Engpässe beim Impfstoff gab, was Hobbyhaltungen angeht. Den Kleinsthaltungen wurde, wenn beim Haustierarzt kein Impfstoff verfügbar war, dann zum Beispiel empfohlen, sich an eine Nutztierarztpraxis zu wenden. Uni-Einrichtungen wie die Tierärztliche Hochschule Hannover oder die Justus-Liebig-Universität Gießen bieten ebenfalls Impftermine für Hobbyhaltungen an.
Für kommerzielle Geflügelhaltungen kann Dr. Kristian Düngelhoef einen totalen Impfstoffmangel nicht bestätigen. Er ist Fachtierarzt für Geflügel in der Tierarztpraxis an der Güterstraße in Hamminkeln am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen). „Unsere Praxis war immer lieferfähig, aber nicht jeder Impfstoff konnte zu jeder Zeit von uns beim Hersteller nachbestellt werden“, betont der Tierarzt und geht davon aus, dass die Situation bei anderen spezialisierten Praxen ähnlich ist.
Variabel mit den Impfstoffen umgehen
Laut seiner Aussage war es daher teilweise erforderlich, auf einen anderen ND-Impfstoff auszuweichen. „Das ist aber ohnehin Strategie, dass mit verschiedenen Impfstoffen von verschiedenen Herstellern gearbeitet wird, weil es auch in der Vergangenheit immer mal wieder Lieferengpässe bei einzelnen Impfstoffen gab,“ sagt er.
Die ND-Impfstoffe werden nicht speziell oder allein für Deutschland produziert, so dass auch mehr Chargen nach Deutschland gehen konnten. Von den Herstellern weiß er, dass eine vorübergehende „Umverteilung“ grundsätzlich möglich ist. Die ND-Impfung rückt naturgemäß in denjenigen Ländern in den Fokus, in denen die Krankheit auftritt. In Europa sind das außer Deutschland Polen, Tschechien und die Slowakei. Auch in Spanien gab es seit Jahresbeginn mehrere Ausbrüche.
Zusätzlicher neuer Impfstoff verfügbar
Laut Dr. Kristian Düngelhoef kommt zudem in Kürze ein weiterer neuer ND-Impfstoff auf den Markt: „Wir Tierärzte können der Impfpflicht auf jeden Fall immer nachkommen“, versichert er.
Was er zu bedenken gibt: „Wenn ND in das geflügelstarke Niedersachsen käme, könnte es sicherlich größere Probleme mit der Impfstoffverfügbarkeit geben. Die Impffrequenz würde voraussichtlich noch weiter gesteigert werden. Insbesondere bei den Broilern, die besonders empfänglich für ND-Infektionen sind, würde dann sicherlich mindestens eine weitere Impfung hinzukommen.“
Herstellkapazitäten unter Umständen limitiert
Auf ganz Deutschland bezogen rechnet er vor: „In Deutschland werden ca. 700 Mio. Broiler pro Jahr gemästet. Allein bei einer zusätzlichen Impfung wären also 700 Mio. zusätzliche Impfdosen für die Broiler nötig.“ Das könnte dann schon zu Problemen führen, da die Herstellkapazitäten durchaus begrenzt seien. Ein limitierender Faktor seien die SPF-Eier („spezifisch-pathogenfrei“), die für die Produktion der Impfstoffe benötigt würden.
Auch Dr. Kristian Düngelhoef betont noch einmal nachdrücklich, wie wichtig aber auch die Impfung in den Hobby- und Kleinsthaltungen ist. In Osteuropa gelten die Kleinsthaltungen als Reservoir für den gefährlichen Erreger.




































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.