Landwirte müssen ihre eigene Geschichte erzählen, um ein realistischeres Bild der Branche in der Öffentlichkeit zu vermitteln.
Die Macht der Medien und die Notwendigkeit der Öffentlichkeitsarbeit
Jan Verhoijsen, der neun Jahre lang Vorsitzender der LTO/NOP (Land- en Tuinbouworganisatie Nederland / Nederlandse Organisatie Pluimveehouderij) für Masthähnchen war, blickt mit Stolz, aber auch mit klaren Worten auf seine Amtszeit zurück. „Vorstandsarbeit ist dringend notwendig, sonst reden andere über unseren Sektor“, betont er.
Besonders die Medien könnten mit einseitiger Berichterstattung großen Schaden anrichten. „Heutzutage wird viel umrahmt – wenn eine Geschichte nur oft genug wiederholt wird, fangen die Menschen an, sie zu glauben.“ Deshalb ruft er Geflügelhalter dazu auf, aktiver über ihre Arbeit zu informieren: „Wir sollten 10 bis 15 Prozent unserer Zeit darauf verwenden, unsere Betriebe zu erklären und zu bewerben.“
Ein Beispiel, das ihn in dieser Haltung bestärkt, ist die Vereinigung Heeren van de Peel – eine Gruppe aus Unternehmern, Beamten und Direktoren, die seinen Hof besuchte. „Sie wussten nicht, was sie sahen, als die Küken in unseren Ställen schlüpften. Sie gingen mit einer ganz anderen Sichtweise nach Hause.“
Herausforderungen in der Geflügelbranche: Bürokratie und Politik
Die Arbeit als Vorsitzender hat ihn tief in die politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Geflügelhaltung geführt. „Es geht fast nie um die Tiere selbst, sondern um Stickstoff, Genehmigungen, Hitzeschutz oder Transportbedingungen“, erklärt er. Besonders frustriert ihn die Bürokratie. Ein prägendes Erlebnis war eine „Code Rot“-Wetterwarnung, bei der Inspektoren der NVWA (Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit, Niederländische Behörde für Lebensmittel- und Verbraucherschutz) nicht erschienen und die Schlachtung zum Stillstand kam. „Ganz Holland war im Einsatz – nur die NVWA nicht. Das ist einfach zu verrückt.“
Auch in der Vogelgrippe-Krise 2014 zeigte sich, wie wichtig pragmatische Lösungen sind. Durch Verhandlungsgeschick konnten damals „Korridore“ geschaffen werden, die das Schlachten von Masthähnchen trotz Seuchengeschehen ermöglichten. „Wir wollten eine Wiederholung von 2003 mit massenhaften Keulungen verhindern – und wir haben es geschafft.“
Politische Widersprüche und wirtschaftlicher Druck
Die politische Regulierung der Landwirtschaft sieht Verhoijsen oft als widersprüchlich. „Die Regierung fördert den Umbau zur Masthähnchenhaltung, aber die Provinz verweigert die nötigen Genehmigungen. Wie krumm soll es denn noch werden?“ Gleichzeitig beobachtet er eine wachsende Wertschätzung für Lebensmittel: „Volle Supermarktregale wurden immer als selbstverständlich angesehen – bis sie plötzlich leer waren.“
































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