Jan Verhoijsen: „Wir müssen unseren Beruf selbst erklären“

28 Februar 2025
Niederlande
UNternehmer Geflügelmäster

Landwirte müssen ihre eigene Geschichte erzählen, um ein realistischeres Bild der Branche in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Die Macht der Medien und die Notwendigkeit der Öffentlichkeitsarbeit

Jan Verhoijsen, der neun Jahre lang Vorsitzender der LTO/NOP (Land- en Tuinbouworganisatie Nederland / Nederlandse Organisatie Pluimveehouderij) für Masthähnchen war, blickt mit Stolz, aber auch mit klaren Worten auf seine Amtszeit zurück. „Vorstandsarbeit ist dringend notwendig, sonst reden andere über unseren Sektor“, betont er. 

Besonders die Medien könnten mit einseitiger Berichterstattung großen Schaden anrichten. „Heutzutage wird viel umrahmt – wenn eine Geschichte nur oft genug wiederholt wird, fangen die Menschen an, sie zu glauben.“ Deshalb ruft er Geflügelhalter dazu auf, aktiver über ihre Arbeit zu informieren: „Wir sollten 10 bis 15 Prozent unserer Zeit darauf verwenden, unsere Betriebe zu erklären und zu bewerben.“

Ein Beispiel, das ihn in dieser Haltung bestärkt, ist die Vereinigung Heeren van de Peel – eine Gruppe aus Unternehmern, Beamten und Direktoren, die seinen Hof besuchte. „Sie wussten nicht, was sie sahen, als die Küken in unseren Ställen schlüpften. Sie gingen mit einer ganz anderen Sichtweise nach Hause.“

Herausforderungen in der Geflügelbranche: Bürokratie und Politik

Die Arbeit als Vorsitzender hat ihn tief in die politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Geflügelhaltung geführt. „Es geht fast nie um die Tiere selbst, sondern um Stickstoff, Genehmigungen, Hitzeschutz oder Transportbedingungen“, erklärt er. Besonders frustriert ihn die Bürokratie. Ein prägendes Erlebnis war eine „Code Rot“-Wetterwarnung, bei der Inspektoren der NVWA (Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit,  Niederländische Behörde für Lebensmittel- und Verbraucherschutz) nicht erschienen und die Schlachtung zum Stillstand kam. „Ganz Holland war im Einsatz – nur die NVWA nicht. Das ist einfach zu verrückt.“

Auch in der Vogelgrippe-Krise 2014 zeigte sich, wie wichtig pragmatische Lösungen sind. Durch Verhandlungsgeschick konnten damals „Korridore“ geschaffen werden, die das Schlachten von Masthähnchen trotz Seuchengeschehen ermöglichten. „Wir wollten eine Wiederholung von 2003 mit massenhaften Keulungen verhindern – und wir haben es geschafft.“

Politische Widersprüche und wirtschaftlicher Druck

Die politische Regulierung der Landwirtschaft sieht Verhoijsen oft als widersprüchlich. „Die Regierung fördert den Umbau zur Masthähnchenhaltung, aber die Provinz verweigert die nötigen Genehmigungen. Wie krumm soll es denn noch werden?“ Gleichzeitig beobachtet er eine wachsende Wertschätzung für Lebensmittel: „Volle Supermarktregale wurden immer als selbstverständlich angesehen – bis sie plötzlich leer waren.“

Verhoijsen hat 700.000 Masthähnchen an sechs Standorten, eine Schweinezucht, 55 ha Ackerbau, Wohnwagenlager und Immobilien.

Doch faire Preise für Landwirte sind noch lange keine Realität. „Der Durchschnittsbürger ist dazu bereit, aber die Politiker noch nicht.“

Von der Krise zum Erfolg: Verhoijsens Weg als Unternehmer

Seine eigene Geschichte ist eine von Mut, Rückschlägen und Unternehmergeist. 1985 übernahm er mit seiner Frau Jeanne den elterlichen Hof mit Truthähnen und Mastschweinen. Ihr ehrgeiziger Zehnjahresplan ging bereits nach fünf Jahren auf. Heute bewirtschaften sie sechs Standorte mit 700.000 Masthähnchen, betreiben Schweinezucht, Ackerbau und Immobilienprojekte. „Man muss Chancen sehen und ergreifen – das ist Unternehmertum.“

Doch er hat auch Krisen erlebt. Die Schweinegrippe der 1990er Jahre traf ihn hart: „Wir hatten gerade investiert, dann brach der Markt ein. Die Schweine waren fett, die Preise miserabel, und ich war finanziell am Ende.“ Seine wichtigste Lehre daraus? „Man braucht immer einen Puffer. Das ist Unternehmertum – aus Krisen lernen.“

Wie der Marktmechanismus den Geflügelpreis beeinflusst

Trotz aller Herausforderungen sieht er die Zukunft der Branche positiv. „Der Marktmechanismus funktioniert – die Nachfrage steigt, und das Angebot folgt.“ Ein Schlüssel sei die bewusste Steuerung der Produktion: „Eine Woche längerer Leerstand oder 10 Prozent weniger Aufbau – das wirkt sich direkt auf den Preis aus.“ Auch EU-weite Veränderungen werden den Markt beeinflussen: „Die Europäische Hühnerfleischverpflichtung wird das Angebot verringern – das wird sich positiv auf die Preisgestaltung auswirken.“

Doch er warnt: Die intensive Tierhaltung steht unter Druck. „Zwanzig Jahre lang war die Milchviehhaltung das Vorzeige-Segment, während wir alle Schläge abbekamen. Jetzt sitzen die Milchbauern im selben Boot.“

Ein Abschied mit Energie: Was Verhoijsen als Nächstes plant

Nach neun Jahren an der Spitze gibt er sein Amt ab, aber zur Ruhe setzen will er sich nicht. „Ich bin 66 und habe noch viel Energie“, sagt er lachend. Sein nächstes Projekt? Der Bau eines Hauses am Dorfrand – und ein professioneller Flugsimulator. „Ich kann nicht stillsitzen. Wer weiß, vielleicht unterrichte ich Geflügelhaltung oder schreibe ein weiteres Buch.“

Sein Fazit für die Branche ist klar: „Zählt eure Segnungen. Wir haben ein gutes Produkt, gute Gewinnspannen und eine Zukunft – wenn wir klug handeln.“

Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Monique van Loon

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