Die niederländische Geflügelbranche warnt vor wirtschaftlichen Risiken durch geplante Tierwohlvorgaben ab 2040 und fordert realistische, wissenschaftlich fundierte und finanziell tragbare Lösungen.
Der niederländische Geflügelsektor, vertreten durch den Verband LTO/NOP, warnt vor wirtschaftlichen Risiken durch geplante gesetzliche Vorgaben zur tiergerechteren Haltung, die ab 2040 durch eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift (AMvB) greifen sollen. Parallel arbeiten Branchen- und Tierschutzorganisationen an einem Tierhaltungspakt, der im Juni 2025 unterzeichnet werden soll. Laut LTO/NOP sind insbesondere Geflügelhalter wirtschaftlich stark betroffen.
Geringere Besatzdichte als wirtschaftliches Risiko
Ein zentrales Problem sieht der Verband in der geplanten Reduzierung der Besatzdichte. Diese würde die Produktivität je Stallfläche deutlich senken und so die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe gefährden. Um das auszugleichen, fordert die Branche eine Cross-Compliance-Klausel: Trotz Tierwohlauflagen sollen wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Abschreibungsfristen, Investitionshilfen oder steuerliche Erleichterungen angepasst werden.
Wissenschaftliche Fundierung gefordert
Laut LTO/NOP sei die tierwohlfördernde Wirkung niedrigerer Besatzdichten wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Deshalb wurde die Universität Wageningen mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Entscheidungen müssten faktenbasiert getroffen werden – nicht nur auf Grundlage subjektiver Einschätzungen, betont Vorsitzender Kees de Jong.
Neue Behörde soll Tierwohl realistisch steuern
Zur Steuerung der Umsetzung fordert die Branche eine neue, unabhängige Behörde nach Vorbild der SDa (Veterinärmedizinische Behörde). Diese Institution soll Gesetze bewerten, koordinieren und alle relevanten Akteure einbinden – auch solche aus Handel und Gastronomie, die den Tierwohlpakt nicht unterzeichnen.
Für die Umsetzung des Pakts nennt der Sektor zentrale Bedingungen: Genehmigungen für Stallumbauten, wirtschaftliche Investitionsfähigkeit, ein funktionierender Markt für tiergerechte Produkte und Kompatibilität mit Umweltvorgaben. Diese sollen Planungssicherheit schaffen und eine machbare Transformation ermöglichen.
Finanzielle Hilfen für Stallumbau und Tierwohl-Investitionen
Um finanzielle Risiken abzufedern, schlägt LTO/NOP unter anderem folgende Maßnahmen vor:
- Verlängerte Abschreibungsfristen
- Investitionsförderung bei nicht rentablen Maßnahmen
- Steuerliche Rücklagenbildung
- Schnellere Abschreibung alter Ställe
- Anpassung bestehender Förderprogramme (z. B. MIA/Vamil)
- Ausnahmeregeln für Betriebe, die aussteigen
- Öffentliche Mittel für Forschung und Pilotprojekte
Geflügelpakt 2025: Diese vier Aktionspläne stehen fest
Im Rahmen des Tierwohlpakts wurden vier separate Aktionspläne erarbeitet:
- Aufzucht von Legehennen
- Haltung von Legehennen
- Aufzucht von Masthähnchen
- Haltung von Masthähnchen
Diese Pläne enthalten praxisorientierte Ziele, Maßnahmen und Leitfäden, die Landwirten konkrete Hilfestellung bieten sollen.
Tierwohl darf nicht zum Luxusgut werden, sagt LTO-Chef
Zum Abschluss betonte De Jong, dass Tierwohlregelungen nicht zu einem Luxusgut führen dürften. Die Anforderungen müssten finanzierbar bleiben – vergleichbar mit Wohnstandards, die ebenfalls nicht für alle gleich hoch seien. Laut LTO/NOP ist die Branche grundsätzlich zu Veränderungen bereit, fordert aber realistische Rahmenbedingungen.
Fazit: Ausgewogene Strategie notwendig
Der niederländische Geflügelsektor steht vor weitreichenden Veränderungen durch neue gesetzliche Vorgaben zur tiergerechten Haltung. Die Branche signalisiert grundsätzliche Bereitschaft zur Mitwirkung, fordert jedoch eine ausgewogene und umsetzbare Strategie, die Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sinnvoll verbindet. Die kommenden Monate sind entscheidend für die konkrete Ausgestaltung der AMvB und den finalen Abschluss des Tierhaltungspakts.

































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