Die britische Regierung treibt den Umbau der Nutztierhaltung voran. Eine neue Tierwohlstrategie sieht tiefgreifende Änderungen vor – vor allem für Legehennen. Ausgestaltete Käfige sollen verschwinden, das Töten von Eintagsküken soll beendet werden.
Regierung erklärt Tierwohl zur politischen Priorität
Kurz vor Weihnachten hat das britische Landwirtschaftsministerium DEFRA seine neue Tierwohlstrategie im Parlament vorgestellt. Ministerin Emma Reynolds sprach von einer notwendigen Reform, die Haltungssysteme, Schlachtmethoden und den gesetzlichen Tierschutz neu ausrichten soll.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem Maßnahmen für die Geflügelhaltung. Die Regierung will bestehende Praktiken beenden, die sie nicht mehr für zeitgemäß hält, und den Umbau der Ställe beschleunigen.
Geflügelhaltung ohne ausgestaltete Käfige
Kernpunkt der Strategie ist das geplante Ende der Haltung von Legehennen in ausgestalteten Käfigen. Noch immer lebt nach Regierungsangaben aus dem Jahr 2024 rund jede fünfte Legehenne in England in dieser Haltungsform.
Das DEFRA setzt dabei auf einen bereits laufenden Strukturwandel. Viele Betriebe stellen auf Boden- oder Freilandhaltung um. Staatliche Programme unterstützen Halter mit größeren Beständen dabei, Ställe zu modernisieren oder vollständig auf käfigfreie Systeme umzustellen.
Zusätzlichen Druck erzeugt der Lebensmitteleinzelhandel. Große Handelsketten verkaufen seit Ende 2025 keine Eier aus Käfighaltung mehr. Einige Unternehmen haben diese Zusage bereits auf verarbeitete Eier ausgeweitet.
Regierung will Töten von Eintagsküken beenden
Auch beim Umgang mit männlichen Küken kündigt die Regierung einen Kurswechsel an. Das DEFRA will die Geflügelbranche dazu bewegen, das Töten von Eintagsküken einzustellen. Konkrete Vorgaben oder Fristen nennt die Strategie allerdings nicht.
Damit bleibt offen, wie schnell alternative Verfahren wie die Geschlechtsbestimmung im Ei flächendeckend zum Einsatz kommen sollen. Klar ist jedoch: Die Regierung sieht hier dringenden Handlungsbedarf.
Schweinehaltung: Fixierung von Sauen abschaffen
Neben der Geflügelhaltung greift die Strategie auch Fragen der Schweinehaltung auf. Die Regierung kündigt an, langfristig Fixierungen von Sauen im Abferkelbereich sowie die Betäubung mit Kohlendioxid bei der Schlachtung zu beenden. Zeitpläne, technische Alternativen oder Förderzusagen enthält das Papier jedoch nicht.
Die Branche reagiert entsprechend zurückhaltend und verweist auf fehlende praxistaugliche Lösungen.
Branche prüft Pläne, fordert Augenmaß
Landwirtschaftliche Verbände bewerten die Strategie bislang vorsichtig. Viele Organisationen wollen die Vorschläge zunächst analysieren. Während Teile der Geflügelwirtschaft den eingeschlagenen Weg grundsätzlich mittragen, mahnen Vertreter der Schweinehalter einen schrittweisen Übergang und realistische Rahmenbedingungen an.
Ob und wann die angekündigten Maßnahmen gesetzlich verbindlich werden, bleibt vorerst offen.

































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