Russlands Fleischbranche schlägt Alarm: Die Importe von Geflügelfleisch aus China steigen rasant. Vertreter der Industrie warnen vor Preisdruck bei Geflügel und Schwein – und sehen den starken Rubel als zentralen Treiber.
Russland befürchtet massive Geflügelimporte aus China
Die russische Fleischwirtschaft blickt mit wachsender Sorge auf den sprunghaften Anstieg der Geflügelfleischimporte aus China. Branchenvertreter befürchten, dass das zusätzliche Angebot die Preise für Masthähnchen- und Schweinefleisch weiter nach unten drückt – in einem Markt, der bereits unter Spannung steht.
Nach Angaben von Juri Kowaljow, Direktor des Russischen Verbandes der Schweinefleischproduzenten, importierte Russland im Jahr 2025 rund 110.000 Tonnen Geflügelfleisch aus China. Auf einer Branchenkonferenz in Moskau erklärte er, die Liefermengen hätten im Jahresverlauf deutlich zugelegt. Im Dezember lagen sie demnach fast fünfmal höher als zu Beginn des Jahres.
Sollte sich das Tempo fortsetzen, könnte Russland 2026 zwischen 200.000 und 250.000 Tonnen mageres Geflügelfilet aus China einführen. Umgerechnet auf Magerfleischanteil und Lebendgewicht entspreche das etwa einer halben Million Tonnen Schweinefleisch.
Starker Rubel senkt Importpreise
Zu Beginn des vergangenen Jahres importierte Russland im Schnitt rund 4.000 Tonnen Geflügelfleisch pro Monat aus China. Gegen Jahresende zog das Volumen jedoch stark an. Russische Produzenten rechnen deshalb mit sinkenden Margen.
Als Hauptursache gilt die Aufwertung des Rubels. Die russische Währung gewann im vergangenen Jahr gegenüber wichtigen Leitwährungen fast 40 Prozent an Wert. Dadurch wurde importiertes Fleisch für russische Käufer günstiger – und chinesisches Geflügelfleisch verbesserte seine Wettbewerbsposition.
Kowaljow warnte, die Preise für Geflügel- und Schweinefleisch könnten 2026 um zehn bis 15 Prozent fallen, falls sich die Entwicklung fortsetzt. Eine akute Krise sehe er zwar noch nicht, doch die Branche müsse die Lage gemeinsam mit der Politik genau beobachten.
Geflügelunion warnt vor Tempo der Importwelle
Nach Schätzungen der Russischen Nationalen Geflügelunion importierte Russland 2025 insgesamt 327.400 Tonnen Geflügelfleisch – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser vergleichsweise moderaten Steigerung wächst die Nervosität in der Branche, vor allem wegen der Dynamik bei Lieferungen aus China.
Die Vorsitzende Galina Bobyleva erklärte, die aktuellen Mengen seien noch beherrschbar. Doch Geschwindigkeit und Umfang des Anstiegs entwickelten sich zu einem sensiblen Thema für die russischen Produzenten.
Russland exportiert weiter Geflügel nach China
Trotz der steigenden Einfuhren bleibt Russland Nettoexporteur von Geflügelprodukten nach China. Im Jahr 2025 lieferten russische Unternehmen Geflügelfleisch und Nebenprodukte im Wert von 375,6 Millionen Euro an chinesische Abnehmer. Das entspricht einem Zuwachs von 3,6 Prozent im Vergleich zu 2024.
Den größten Anteil machen Produkte aus, die in Russland kaum gefragt sind, in China aber als Delikatesse gelten – darunter Hühnerfüße und bestimmte Nebenprodukte. Für russische Geflügelunternehmen bleibt dieser Absatzmarkt daher strategisch wichtig.
Überangebot verschärft die Lage am Binnenmarkt
Die neuen Handelsströme treffen die russische Geflügelwirtschaft in einer schwierigen Phase. Branchenbeobachter sehen bereits Anzeichen eines Überangebots. Das drückt auf Preise und Renditen.
Russland war im vergangenen Jahr nach Brasilien der zweitgrößte Lieferant von Geflügelprodukten nach China. Brasilien exportierte Geflügelwaren im Wert von mehr als 670 Millionen Euro auf den chinesischen Markt.




































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