Vogelgrippe-Folgen: Russland kämpft mit Bruteier-Engpass

16 März 2025
Agribusiness
Russland bei Nacht

Die russischen Geflügelzüchter stehen vor erheblichen Herausforderungen aufgrund eines Mangels an Bruteiern. Ursache sind die jüngsten Ausbrüche der Vogelgrippe in Europa, die die Lieferketten erheblich gestört haben. Zwar gibt es mit der einheimischen Smena-9-Kreuzung eine alternative Quelle, doch diese deckt bisher nur einen kleinen Teil des Marktes.

Importe aus der Türkei als Notlösung

Mehrere russische Unternehmen sind von den Engpässen auf dem europäischen Markt betroffen, wie die englischsprachige Geflügelnachrichtenseite Poultry World am 10. März berichtete. Das in Kaliningrad ansässige Unternehmen Produkty Pitaniye musste beispielsweise Bruteier aus der Türkei importieren, da sein früherer deutscher Lieferant aufgrund der Knappheit seine Lieferungen auf den europäischen Markt konzentrierte.

Steigende Kosten durch lange Transportwege

Auch Ungarn und Spanien liefern Bruteier nach Russland, doch die Mengen reichen nicht aus, um die Nachfrage vollständig zu decken. Die Umstellung auf türkische Lieferanten bringt zudem logistische Probleme mit sich: Die Transportzeit verlängerte sich von zwei Tagen auf zwei Wochen. Der Transportweg führt über die Türkei nach Georgien und Aserbaidschan, bevor die Bruteier in St. Petersburg die russische Grenze überqueren. Von dort aus erfolgt der Weitertransport per Fähre nach Kaliningrad. Diese komplizierte Logistik sorgt für stark steigende Kosten.

Rückgang der heimischen Bruteierproduktion

Gleichzeitig befindet sich die russische Bruteierproduktion in einer Krise. Investitionen in diesen Bereich gingen 2024 erheblich zurück, erklärte Dmitri Wlasenko, stellvertretender Leiter des russischen Landwirtschaftsministeriums, auf einer Branchenkonferenz im Februar 2025.

Im Jahr 2024 stieg der Import von Bruteiern nach Russland um fast 70 Millionen Stück. Wichtige Lieferländer waren die Türkei mit 100 Millionen Bruteiern, Ungarn mit 50 Millionen und Usbekistan mit 15 Millionen. Weitere Details dazu nannte Wlasenko nicht.

Russlands eigene Zuchtlinie: Hoffnungsträger Smena-9?

Um die Abhängigkeit von Importen zu verringern, setzt Russland verstärkt auf die einheimische Smena-9-Kreuzung. Laut Wlasenko macht diese inzwischen mehr als fünf Prozent der russischen Masthähnchenproduktion aus. Er betonte, dass die Hähnchen dieser Zuchtlinie einen durchschnittlichen Tageszuwachs von 74 Gramm erreichen – deutlich mehr als die 59 bis 62 Gramm bei importierten Kreuzungen.

Eine verbesserte genetische Leistung könnte der russischen Geflügelindustrie erhebliches Wachstumspotenzial bieten. Laut Wlasenko würde eine Steigerung der Tageszunahme um nur ein Gramm die Geflügelfleischproduktion um 100.000 Tonnen pro Jahr erhöhen.

Darüber hinaus arbeiten russische Wissenschaftler derzeit an der Entwicklung einer eigenen Legehennen-Kreuzung, wie Galina Bobyleva, Direktorin der Russischen Geflügelunion, mitteilte.

Fazit

Der Bruteiermangel stellt die russische Geflügelindustrie vor große Herausforderungen. Während Importe aus der Türkei, Ungarn und Spanien nur bedingt Abhilfe schaffen, könnte die Förderung der einheimischen Smena-9-Kreuzung langfristig eine Lösung sein. Dennoch bleibt die Lage angespannt, da Investitionen in die Branche rückläufig sind und die komplexe Importlogistik zusätzliche Kosten verursacht.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_Kalyakan
Quelle: www.wattagnet.com, Tom Schotman

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