Ukrainekrieg: Russische Geflügelwirtschaft mit Problemen

04 April 2022
Politik

Der russische Nationalverband der Geflügelzüchter hat ein Schreiben an das Landwirtschaftsministerium gesandt, in dem er darum bittet, den Export von Futterweizen, Mais, Sojaschrot, Futteraminosäuren, Vitaminen, Verpackungen, Ausrüstung und Bruteiern aufgrund des andauernden Ukrainekrieges auszusetzen. Das berichtet die englischsprachige Geflügel-News-Site www.poultryworld.net. Der Grund ist die Sorge vor einer Inflation, weil der russische Rubel seit Beginn des Ukrainekrieges um 40 Prozent gefallen ist. Das russische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung hat den Export von Getreide und Zucker in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion – einem Handelsblock aus Russland, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan und Armenien – mittlerweile ausgesetzt.

Probleme mit Genetik und Zusatzstoffen 

Weil der russische Markt weltweiten Restriktionen unterliege, werde es in der Geflügelindustrie wahrscheinlich zu starken Beeinträchtigungen kommen, vermutet die agrarpolitische Direktorin der russischen Hochschule für Ökonomie, Eugenia Serova. Sie begründet dies unter anderem mit der vollständigen Abhängigkeit Russlands bei der Geflügelgenetik. Derzeit würden alle im Land verwendeten Genetiken importiert. Darüber hinaus gebe es eine starke Abhängigkeit bei den Futtermittelzusatzstoffen. Russische Geflügelzüchter importierten derzeit 80 Prozent der Futtermittelzusatzstoffe, und zwar hauptsächlich aus der Europäischen Union. Bei einigen Produkten erreiche die Importabhängigkeit 100 Prozent.

Herkunft Smena 9 – die Rettung?

Vladimir Fisinin, Präsident des russischen Verbandes der Geflügelproduzenten Rosptizesojus bestätigte, dass derzeit 99 Prozent der Genetiken nach Russland importiert würden. Es gebe aber 58 Brütereien und mehrere Zuchtbetriebe für Elterntiere im Land. Wenn Russland in den nächsten beiden Jahren ohne Importe auskommen müsste, könne diese Situation das Land über die nächsten beiden Jahre retten. In dieser Zeit werde sich die russische Geflügelindustrie auf die Ausweitung der Produktion der Herkunft Smena 9 konzentrieren, die in Bezug auf die technischen Ergebnisse westlichen Herkünften in nichts nachzustehen scheine.

 

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Bild: Geflügelnews

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