Kurz vor Ostern fragen sich viele Verbraucher: Werden Eier knapp? In einigen Supermärkten wirkt das Angebot derzeit tatsächlich dünner als gewohnt. Branchenvertreter sprechen jedoch nicht von einer Krise. Mehrere Faktoren setzen den Markt unter Druck.
WDR berichtet über leere Eierregale
Auch im Fernsehen hat das Thema Aufmerksamkeit bekommen. In der WDR-Sendung Markt vom 4. März 2026 lief der Beitrag „Eier – kurz vor Ostern leere Regale“, der die Situation im Handel und bei Produzenten beleuchtet.
Der Beitrag zeigt, dass Verbraucher in einigen Regionen bereits eingeschränkte Auswahl oder zeitweise leere Fächer im Kühlregal beobachten.
Handel spricht von angespannter, aber stabiler Lage
Lebensmittelhändler sehen die Situation zwar als schwierig, aber beherrschbar. Ein Sprecher der Rewe Group erklärte, die Vogelgrippe stelle die gesamte Branche weiterhin vor Herausforderungen. Der Konzern stehe in engem Kontakt mit seinen Lieferanten und passe die Beschaffung flexibel an.
Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels meldet inzwischen wieder eine stabile Versorgung.
Experten: Keine Krise, aber knapper Markt
Marktbeobachter beschreiben die Lage differenzierter. Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) sagt: Eine echte Krise gebe es nicht – der Markt bleibe jedoch angespannt. Die Regale seien meist nicht leer, aber Kunden sähen häufiger Lücken. Manchmal fehle eine bestimmte Größe oder eine bestimmte Haltungsform. Gleichzeitig steige die Nachfrage deutlich, besonders vor Ostern.
Saisonale Nachfrage verschärft den Druck
Auch der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, sieht einen knappen Markt, aber keine Versorgungslücke. Vor Ostern kauften Färbereien große Mengen Eier, die kurzfristig im Handel fehlen. Dadurch könne es vorkommen, dass einzelne Sortierungen zeitweise nicht verfügbar sind.
Vogelgrippe bremst den Wiederaufbau der Bestände
Ein wichtiger Grund für die angespannte Lage ist die Vogelgrippe. Im vergangenen Jahr mussten in Deutschland mehrere Hunderttausend Legehennen getötet werden.
Der Wiederaufbau der Bestände dauert. Während der Einzelhandel bevorzugt beliefert wird, spüren Gastronomie und Lebensmittelindustrie die Knappheit stärker. Manchmal passen Hersteller sogar ihre Rezepte an und verwenden weniger Eier.
Strukturwandel in der Haltung verändert den Markt
Auch der Umbau der Haltungsformen wirkt sich aus. Ende 2025 stellten die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung ihre Produktion ein. Diese Eier gingen vor allem an die verarbeitende Industrie. Nun müssen andere Betriebe die Mengen ersetzen. Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen verschieben sich dadurch die Warenströme – und der Markt gerät zusätzlich unter Druck.
Nachfrage wächst schneller als die Produktion
Die deutsche Eierproduktion stieg 2025 zwar leicht – um rund 0,5 Prozent. Doch die Nachfrage wächst schneller. Das zeigt sich auch bei den Preisen. Im vergangenen Jahr kosteten zehn Eier aus Bodenhaltung im Durchschnitt 2,02 Euro. In vielen Supermärkten liegt der Preis inzwischen bei etwa 2,49 Euro für die günstigste Packung.
Kosten steigen – Ausbau bleibt schwierig
Neben Angebot und Nachfrage treiben auch höhere Kosten den Markt. Produzenten nennen steigende Löhne, höhere Mautgebühren und teurere Energie. Viele Betriebe würden gern expandieren. Doch neue Ställe genehmigen Behörden oft nur langsam. Gleichzeitig importiert Deutschland derzeit weniger Eier aus den Niederlanden.
Eier bleiben trotzdem gefragt
Trotz steigender Preise greifen Verbraucher weiterhin zu. Eier gelten als günstige Eiweißquelle. Margit Beck verweist darauf, dass sich mit wenigen Eiern mehrere Menschen satt essen lassen – deutlich günstiger als mit Fleisch. Zudem hat sich das Image verändert: Viele Konsumenten sehen Eier heute nicht mehr als Cholesterinproblem.
Der langfristige Trend zeigt klar nach oben. 2024 erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland einen Höchststand: Statistisch aß jede Person 249 Eier im Jahr – zehn mehr als im Jahr zuvor. Auch für 2025 erwarten Experten einen weiteren Anstieg.
Deutschland bleibt auf Importe angewiesen
Der steigende Verbrauch lässt sich nur teilweise im Inland decken. Der Selbstversorgungsgrad lag 2024 bei 72 Prozent. Mehr als ein Viertel der Eier stammt aus dem Ausland. Wichtigster Lieferant sind die Niederlande. Sie stellten zuletzt rund 76 Prozent der importierten Schaleneier.
Weltweit wächst der Eiermarkt
Der Druck auf den Markt beschränkt sich nicht auf Deutschland. Eine Analyse der World Egg Organisation und der Rabobank zeigt, dass die weltweite Nachfrage weiter steigt.
Bis 2035 rechnen Experten mit einem Wachstum des globalen Eiermarktes um 22 Prozent.
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