Eier knapp, neue Ställe erst in ein paar Jahren: So läuft die Eierproduktion in der Schweiz

27 August 2026
Absatz
Wurgler

18.000 Legehennen je Betriebseinheit, rund 90 Prozent Freilandhaltung und ein Selbstversorgungsgrad von nur 62,6 Prozent: Die Eierproduktion in der Schweiz unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von der deutschen. Geflügelnews hat Eierproduzent Daniel Wurgler getroffen. Als Geflügelhalter, Berater und Präsident von GalloSuisse erklärt er, wie seine Schweizer Berufskollegen arbeiten und vor welchen Herausforderungen sie stehen.

Schweizer Eierproduktion setzt auf Familienbetriebe

Wer aus Deutschland auf die Schweizer Eierwirtschaft blickt, dem fällt zunächst die Größe der Betriebe auf. Rund 800 professionelle Legehennenhalter mit mehr als 500 Tieren gibt es nach Angaben von Daniel Wurgler in der Schweiz.

Wurgler gehört selbst dazu. Gemeinsam mit Berufskollegen betreibt er sogenannte Betriebszweiggemeinschaften mit rund 25.000 Junghennen- und 18.000 Legehennenplätzen. Gleichzeitig berät er Eierproduzenten und ist Präsident von GalloSuisse, der Branchenorganisation der Schweizer Eierproduzenten. 

Die Schweizer Eierproduktion ist nach seinen Aussagen stark von Familienbetrieben geprägt. Häufig bildet die Legehennenhaltung nur einen Betriebszweig. Eltern, Kinder und weitere Familienmitglieder arbeiten mit.

Eine Besonderheit ist die Größenbegrenzung. Pro Gebäude beziehungsweise Betriebseinheit sind höchstens 18.000 Legehennen vorgesehen. Größere Strukturen sind über Betriebszweiggemeinschaften möglich, dafür müssen jedoch mehrere Betriebe und Gebäude zusammenkommen. 

90 Prozent Freiland: Bodenhaltung spielt eine Nebenrolle

Auch die Verteilung der Haltungsformen unterscheidet sich deutlich vom deutschen Eiermarkt. Nach Wurglers Angaben leben rund 90 Prozent der Schweizer Legehennen in Freilandhaltung. Etwa 20 Prozent der Eierproduktion entfallen auf Bio. Die Bodenhaltung spielt dagegen eine vergleichsweise geringe Rolle. 

Mobilställe gibt es ebenfalls. Für größere professionelle Betriebe sieht Wurgler darin allerdings eher eine Nische. Die Kosten seien hoch, hinzu kämen Schwierigkeiten im Winter und bei Tierseuchen wie der Vogelgrippe. Die meisten professionellen Eiererzeuger setzen deshalb auf feste Ställe.

Bei den Hennen verläuft eine Grenze durch die Schweiz

Auch bei der Genetik zeigt sich eine Schweizer Besonderheit. Rund 70 bis 75 Prozent der Legehennen sind Weißleger. Allerdings unterscheiden sich die Landesteile.

In der Deutschschweiz dominieren weiße Hennen, während Eierproduzenten in der französischsprachigen Westschweiz häufiger Braunleger halten. Wurgler führt das unter anderem auf den kulturellen Einfluss Frankreichs zurück. 

Im Biosektor gewinnen braune Hennen zusätzlich an Bedeutung. Das ist unter anderem im Ausstieg aus dem Kükentöten begründet: Anders als Deutschland setzt die Schweiz je nach Produktionsform auf unterschiedliche Lösungen, das Töten von männlichen Eintagsküken zu vermeiden. 

Die konventionellen Erzeuger setzen auf die Geschlechtsbestimmung im Brutei. Dafür haben sich Produzenten und Handel gemeinsam auf ein Verfahren verständigt. Zum Einsatz kommt das nicht invasive MRT-Verfahren Genus Focus von Orbem. Es arbeitet weitgehend automatisiert und wird inzwischen in zwei Schweizer Brütereien eingesetzt. 

Für die Eierproduzenten hat diese Lösung ihren Preis: Wurgler beziffert die zusätzlichen Kosten in der konventionellen Produktion auf rund 3,10 Schweizer Franken je Henne beziehungsweise Küken.

Bio setzt auf Bruderhähne – doch wer kauft das Fleisch?

Ganz anders sieht es bei den Bioerzeugern aus. Dort werden jährlich rund 600.000 männliche Tiere aufgezogen. Die Schweiz musste dafür zusätzliche Mast- und Schlachtkapazitäten schaffen. Die eigentliche Schwierigkeit beginnt für Wurgler jedoch danach: Das Fleisch muss einen Käufer finden.

Die Bruderhahnaufzucht verursacht nach seinen Angaben Mehrkosten von etwa 16 bis 18 Schweizer Franken (rund 17 bis 19 Euro) je Tier. Gleichzeitig kostet ein Biohuhn bereits deutlich mehr als 40 Franken (rund 43 Euro). Damit steht die Schweizer Biobranche vor einer Frage, die auch deutsche Geflügelhalter kennen: Ein alternatives Produktionsverfahren funktioniert auf Dauer nur, wenn sich die zusätzlich erzeugten Produkte auch vermarkten lassen.

Schweizer Eier fehlen – trotzdem lässt sich die Produktion nicht schnell erhöhen

Als besonders interessant bezeichnet Wurgler die derzeitige Marktlage in der Schweiz. Der Selbstversorgungsgrad bei Eiern liegt nach seinen Angaben nur bei 62,6 Prozent. Es gäbe also noch Luft nach oben. Trotzdem haben die Erzeuger wenig Interesse, den Selbstversorgungsgrad näher an die 100-Prozent-Marke bringen. Der Grund liegt nach Wurglers Aussagen in der starken Saisonalität. des Geschäfts: Rund um Weihnachten und Ostern kann heimische Ware knapp werden. Im Sommer dagegen droht bei zu hoher Produktion ein Überangebot. 2022 standen zeitweise rund zehn Prozent mehr Eier zur Verfügung, als der Markt benötigte.

Wer heute einen Stall plant, produziert vielleicht erst in sechs Jahren

Selbst wenn Eier fehlen, können Schweizer Erzeuger nicht kurzfristig reagieren. Stallbauprojekte brauchen Zeit im Alpenstaat.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Stall vergehen laut Wurgler im günstigsten Fall zwei bis drei Jahre. Häufig dauert es fünf bis sechs Jahre, bis ein Projekt umgesetzt werden kann. 

Für Eiervermarkter wird das zum Problem. Neue Produktionskapazitäten lassen sich nicht kurzfristig schaffen. Deshalb versuchen die Vermarktungsunternehmen derzeit, vorhandene Produzenten zu halten und neue Eiererzeuger zu gewinnen.

Für Landwirte kann das die Verhandlungsposition verbessern. Wer bereits eine Baubewilligung besitzt, ist für Vermarkter besonders interessant.

Schweizer Junghennen müssen aus der Schweiz kommen

Auch bei der Herkunft der Tiere gelten besondere Regeln. Über „Suisse Garantie“ ist festgelegt, dass Junghennen grundsätzlich in der Schweiz aufgezogen werden. Auch die Elterntiere stehen im Land.

Lediglich die Zuchttiere werden importiert. Bei einem Markt von nur rund 3,5 Millionen Legehennen wäre eine eigene Schweizer Zuchtlinie wirtschaftlich kaum darstellbar. 

85 Wochen werden bei Bio fast zum Standard

Ein weiterer Trend dürfte deutschen Legehennenhaltern bekannt vorkommen: Die Nutzungsdauer steigt.

Vor zehn bis 15 Jahren waren Jahresumtriebe in der Schweiz üblich. Heute bleiben die Hennen länger in Produktion. Im Biosektor sind verlängerte Umtriebe nach Wurglers Angaben nahezu Standard. Dort werden Hennen häufig bis etwa zur 85. Lebenswoche gehalten.

Im übrigen Markt liegt der Standard eher bei rund 65 Wochen. Ein auf Verarbeitungseier ausgerichteter Integrator arbeitet sogar mit 120 Wochen und einer Mauser. 

Dafür gibt es wirtschaftliche Gründe: Die Genetik ermöglicht eine bessere Persistenz, Junghennen sind teuer und Verarbeitungseier aus Schweizer Produktion werden stärker nachgefragt.

Längere Legeperioden haben ihren Preis

Wurgler sieht die Entwicklung dennoch nicht uneingeschränkt positiv. Je länger eine Herde im Stall bleibt, desto größer werden die Herausforderungen bei Tiergesundheit und Parasiten.

Deshalb müsse jeder Betrieb abwägen, wie weit sich der Umtrieb sinnvoll verlängern lässt. Nach Wurglers Erfahrungen eignen sich Weißleger besser für lange Legeperioden als Braunleger. 

Geflügelnews, Text:
Dieter Theyssen

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Cordula Moebius

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Bild: Dieter Theyssen

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