Das sollte man als Neueinsteiger in die Hennenhaltung wissen
22 Dezember 2025
Junghenne
Der Markt für Eier boomt in Deutschland. Entsprechend werden neue Betriebe gesucht – inzwischen auch in Regionen, in denen es bislang wenig landwirtschaftliche Geflügelhaltung gibt. So auch in der Eifel. In Habscheid gab es Erstinfos für Neueinsteiger, die sich für die Legehennenhaltung oder -aufzucht interessieren.
Mark Paulmann ist Tierarzt in der spezialisierten Geflügelpraxis Dres. Arnold mit Hauptsitz im niedersächsischen Ankum. Auf einer Veranstaltung des Legehennen-Vermehrers Friedrichsruh in Habscheid (Rheinland-Pfalz) gab es von ihm einige tierärztliche Grundinformationen sowohl zur Junghennenaufzucht als auch zur Legehennenhaltung.
Auch Mark Paulmann beobachtet naturgemäß die Entwicklungen auf dem Eiermarkt. Er schätzt die Chancen für landwirtschaftliche Neueinsteiger-Betriebe aktuell als sehr gut ein: „Ein zweites Standbein Geflügel lohnt sich.“
Das Management ist entscheidend
Der Fachtierarzt betreut seit über 30 Jahren Legehennen- und Aufzuchtbetriebe. Seiner Erfahrung nach ist der wichtigste Faktor für gute Leistungen in der Eiererzeugung das Herdenmanagement: „Das Management macht 80 Prozent des Erfolges aus“, sagte er. Oberstes Gebot ist für ihn dabei, ausreichend Zeit für die Kontrolle und die Überwachung des Tierbestandes einzuplanen: „Futter, Wasser und Lüftung müssen regelmäßig überprüft werden, man muss täglich mindestens zwei Kontrollgänge im Stall machen.“
Natürlich unterstütze die Technik im Stall heute die Überwachung, liefere zahlreiche Daten und erleichtere die Arbeit der Tierbetreuerin oder des Tierbetreuers. „Aber Sensoren können kaputtgehen oder Systeme können Fehler haben“, gab er zu bedenken. Auch diesbezüglich müssten regelmäßige Kontrollen sein.
Haltungsdauer nicht überreizen
Ein wichtiger wirtschaftlich bedeutender Aspekt in der Legehennenhaltung ist die Haltungsdauer. Sie wurde in den vergangenen Jahren deutlich verlängert. Das sei, so Mark Paulmann, grundsätzlich positiv zu sehen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Er sieht die Zucht auf „immer mehr und immer länger“ hin zu 130 Lebenswochen und 600 Eiern jedoch durchaus kritisch. Denn je länger die Hennen gehalten werden, desto auffälliger werden die Schlachtbefunde bei der späteren Schlachtung der Hennen.
Als Legehennenhalter ist man Lebensmittelhersteller. Dessen müsse man sich immer bewusst sein, so der Tierarzt. Der Gesundheitsprophylaxe kommt deshalb große Bedeutung zu, allem voran eine optimale Hygiene. Als bekanntestes Beispiel für zoonotische Erreger im Geflügelstall nannte er Salmonellen. Gelangen sie über Eier zum Verbraucher, gibt es Probleme.
Auch in Regionen mit wenig Geflügelhaltung wird um neue Betriebe geworben.
Vorsorge und Impfungen immer wichtiger
In den vergangenen Jahren ist der Einsatz von Antibiotika auch in der Legehennenhaltung deutlich zurückgegangen. Dies ist gewünscht, habe aber auch Konsequenzen in der Form, dass der Aufwand für Vorsorge und/oder andere Behandlungen deutlich größer geworden sei. Impfungen werden wichtiger. Sie stellen dabei auch immer eine Belastung für die Tiere dar.
In der Legehennenhaltung sind Impfungen Sache des Betriebes. Besonders ans Herz legte der Tierarzt den potenziellen künftigen Eiererzeugerinnen und Eiererzeugern die korrekte Impfung gegen die Newcastle Disease (ND). Sie ist in Deutschland für alles gehaltene Geflügel Pflicht.
ND-Impfung im Blick behalten
In den vergangenen Monaten sind aus Polen sehr viele Fälle von ND bei Legehennen, Junghennen und auch Zuchttieren bekannt geworden. Dort gibt es erst seit 1. April 2025 eine ND-Impfpflicht. Fast 5 Mio. Stück Geflügel sind der Seuche dort bereits in einem Jahr zum Opfer gefallen. Verursacher ist laut Mark Paulmann ein eventuell aus dem Nahen Osten (Ägypten) nach Europa eingeschleppter Stamm. Auch in Belgien habe es bereits einen Ausbruch gegeben.
Mark Paulmann merkte an, dass Impfungen sehr sorgfältig durchzuführen seien und man sich strikt an die Vorgaben halten müsse. Auch hierbei können man Fehler machen. Verstärkt eingesetzt werden in der Legehennenhaltung heute stallspezifische Impfstoffe, etwa gegen Coli, Pasteurellen oder Rotlauf.
Junghennenaufzucht legt Grundstein
Entscheidend für fitte Legehennen im Legebetrieb ist eine optimale Junghennenaufzucht. Damit wird der Grundstein für eine wirtschaftlich erfolgreiche Eiererzeugung gelegt. Das Management ist hier besonders anspruchsvoll. Da Packstellen/Vermarkter auf der Suche nach neuen Betrieben sind, muss es naturgemäß auch mehr Aufzuchtbetriebe geben.
Thema auf der Veranstaltung in der Eifel war auch die Vogelgrippe. Auf Nachfrage informierte der Tierarzt, warum aktuell nicht geimpft wird und welche Hemmnisse es gibt. Das Problem ist unter anderem, dass geimpfte Tiere sich auch weiterhin anstecken können.
Impfung ist kein Rundum-Sorglos-Paket
Sie zeigen dann zwar keine oder kaum Krankheitssymptome, scheiden aber das Virus trotzdem aus und können es quasi unentdeckt weiterverbreiten. Seiner Einschätzung nach könnte das dazu führen, dass das Vogelgrippevirus dann überall und ständig vorhanden ist, also auch in Nutzgeflügelbeständen endemisch wird.
Das deshalb nötige engmaschige Monitoring geimpfter Bestände ist sehr arbeits- und kostenaufwändig, aber eben unerlässlich. In Frankreich habe es in diesem Jahr bereits mehrfach Fälle von Aviärer Influenza-Infektionen bei geimpften Entenbeständen gegeben – die beim Monitoring entdeckt wurden.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Dieter Theyssen
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