In den ersten Lebenstagen entscheidet sich viel. Ein Aufzuchtbetrieb nahe Eindhoven misst die Körpertemperatur seiner Küken nahezu stündlich – auch nachts. Der Aufwand zahlt sich aus: Die Tiere sind gefragt, die Ergebnisse konstant gut.
Temperatur entscheidet über den Start
„Wir messen die Temperatur unserer Aufzuchtküken in den ersten Tagen fast stündlich, auch nachts“, sagt Aufzüchterin Marloes Borrenbergs-van Avendonk aus Bladel in Nordbrabant. Ihr Mann Geert schläft in dieser Phase sogar auf der Couch, um schnell im Stall zu sein. Für Marloes ist der folgende Vergleich naheliegend: „Ein Küken ist wie ein Baby. In den ersten Tagen braucht es besondere Pflege.“
Die Familie Borrenbergs zieht in drei Ställen bis zu 180.000 Legehennen auf. Zwei der Ställe sind als Etagenanlagen gebaut. Erst in diesem Jahr haben die beiden Geflügelhalter ihren größten Stall umfassend modernisiert und Anfang Dezember wieder in Betrieb genommen.
Erfahrung aus Generationen
Marloes hat den Betrieb von ihren Eltern übernommen und ist zwischen Hühnern aufgewachsen. Sie liest das Verhalten der Tiere routiniert. „Ballt sich die Gruppe, ist es zu kalt. Wenn viele Küken den Schnabel offen haben, ist ihnen zu warm“, erklärt sie.
In den ersten zwei bis drei Tagen nach der Ankunft im Stall kontrolliert das Ehepaar die Kloakentemperatur nahezu stündlich. Pro Reihe messen sie bei mindestens zehn Küken. Weichen die Werte vom Optimum von 39,8 bis 40,5 Grad Celsius ab, passen sie die Stalltemperatur sofort an. Nach drei Tagen stabilisiert sich die Temperatur bei den Tieren, weshalb die Landwirte dann seltener messen müssen.
Genetisches Potenzial gezielt nutzen
Der Betrieb beschäftigt einen Vollzeitmitarbeiter, der werktags um sechs Uhr morgens beginnt. Trotzdem gilt: In der ersten Woche nach dem Einstallen dreht sich alles um die Küken. „Für andere Dinge bleibt dann keine Zeit“, sagt Marloes.
Ist der Aufwand übertrieben? Geert lacht. „Das ist unsere Arbeit. Aufzucht heißt, das genetische Potenzial des Huhns freizusetzen. Es ist vorhanden – wir müssen es nur ausschöpfen.“ Die Temperatur spiele dabei eine Schlüsselrolle. Liegt sie zu hoch oder zu niedrig, steigt das Risiko von Verlusten deutlich.
Der gute Ruf des Betriebs ist für beide zentral. „Der Markt ist klein. Wer einmal negativ auffällt, wird das schwer wieder los“, sagt Marloes. Deshalb streben sie bei jeder Herde das bestmögliche Ergebnis an.
Training für den späteren Legestall
Zur Aufzucht gehört für die Familie mehr als das Füttern und das Optimieren der Stalltemperatur. Die Tiere sollen früh lernen, sich im Volierensystem zu bewegen. In den ersten Tagen nach dem Freilassen ins System helfen sie den Junghennen, nachts die richtigen Plätze im System zu finden.
„Wir nennen unseren Betrieb oft die Grundschule für Legehennen“, erklärt Marloes. „Wir bringen ihnen vieles bei, was sie später im Legestall brauchen.“ Dabei beobachten sie jede Herde genau und reagieren schnell auf Abweichungen von der Norm. Manche Gruppen benötigen mehr Unterstützung als andere.
Fokus auf weiße Linien
In den vergangenen Jahren zog der Betrieb überwiegend weiße Legehennen auf. „Braune Tiere gelten als ruhiger, aber die heutigen weißen Linien haben sich stark verbessert“, sagt Geert. Seit über zehn Jahren arbeitet die Familie mit Pluriton zusammen. Aktuell ziehen sie vor allem H&N Super Nick, Nick Chick, Crystal Nick und Dekalb Weiß auf, früher auch Lohmann LSL-Classic.
Das Volierensystem öffnen sie schrittweise. Jeden Mittag prüfen sie beim Abdunkeln, ob die Tiere selbstständig ins System zurückkehren. Wie lange sie dabei helfen müssen, hängt von der Herde ab.
Licht und Hygiene als Schlüssel
„Seit wir mit Beleuchtung von Signify arbeiten, sehen wir kein Federpicken mehr“, erzählt Geert.
Federpicken ist für den Betrieb kein Thema mehr. Seit der Umstellung auf eine spezielle Beleuchtung von Signify in den zweistöckigen Ställen tritt es nicht mehr auf. Das System reduziert nach der zweiten Woche den Rotlichtanteil und dimmt automatisch.
Auch Vogelmilben haben die Aufzüchter seit Jahren nicht mehr festgestellt. Möglich machen das konsequente Hygieneregeln. Duschen, betriebseigene Kleidung und Slipper sind seit über zehn Jahren Standard. Fünf Durchgangsduschen stehen auch für Fang- und Ladeteams bereit.
Jeder Besucher muss Kleidung ablegen, duschen und Betriebskleidung anziehen. Gegenstände wie Mobiltelefone oder Impfmaterial laufen durch einen UV-Desinfektionsschrank. „Nach sechs Minuten sind alle Keime abgetötet“, sagt Geert. Selbst Werkzeuge von Technikern werden vor dem Einsatz desinfiziert.
Bewusst gesetzte Grenze
Trotz aller Vorsicht bleibt ein Restrisiko. Für Marloes ist deshalb klar: 180.000 Aufzuchthennen sind das Maximum an einem Standort. „Mehr Tiere erhöhen das Risiko, Krankheiten einzuschleppen.“ Neben der Geflügelpest nennt sie auch andere luftübertragene Viren wie ILT. Ausbrüche in anderen Regionen haben ihr das deutlich vor Augen geführt.
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