Wie Deutschland isst: Neue Studien zeigen wachsende Sehnsucht nach Orientierung beim Essen

07 März 2026
Gesellschaft
fünf personen

Auf dem Bild (v.l.n.r.): Jens Lönneker, Geschäftsführer Forschungsinstitut rheingold salon Köln, Prof. Dr. Reinhard Grandke, Vorsitzender des Kuratoriums der Heinz Lohmann Stiftung, Dr. Franziska Kersten, MdB, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, und PD Dr. med. Thomas Ellrott, Leiter Institut für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen.


Was wünschen sich Menschen in Deutschland beim Essen – und wie kaufen sie tatsächlich ein? Neue Studien zeigen: Verbraucher suchen heute stärker nach Orientierung, Gesundheit und Vertrauen. Gleichzeitig prägen Preisbewusstsein, Bequemlichkeit und individuelle Lebensstile den Alltag am Esstisch. Die Heinz Lohmann Stiftung diskutierte die Studienergebnisse im Deutschen Bundestag.

Essen in Deutschland zwischen Überfluss und Sinnsuche

Beim Politischen Frühstück der Heinz Lohmann Stiftung im Deutschen Bundestag standen aktuelle Studien zum Essverhalten in Deutschland im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis diskutierten, wie sich Einstellungen zu Lebensmitteln und das Kaufverhalten in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert haben.

Im Fokus standen zwei Untersuchungen: „Essen in Deutschland: Wünsche und Wirklichkeit – Gestern. Heute. Morgen.“ des Forschungsinstituts rheingold salon sowie die Studie „Prognosen und Wirklichkeit: Einstellungen zu Lebensmitteln und Kaufverhalten 2006 im Vergleich zu 2025“ der Universität Göttingen. Jens Lönneker, Geschäftsführer des rheingold salon Köln, stellte die zentralen Ergebnisse vor.

Vergleich über zwei Jahrzehnte liefert neue Einblicke

Die Studien verbinden aktuelle tiefenpsychologische Interviews mit einer repräsentativen Verbraucherbefragung. Dabei griffen die Forscher auf Fragen zurück, die bereits 2006 in einer Untersuchung zum zukünftigen Essverhalten gestellt wurden.

Die Wissenschaftler kombinierten diese Ergebnisse mit neuen Daten. So konnten sie zeigen, wie stark sich Erwartungen, Einstellungen und Einkaufsgewohnheiten verändert haben.

Gesundheit und Orientierung gewinnen an Bedeutung

Die Studien zeichnen ein differenziertes Bild. Viele Menschen erleben das heutige Lebensmittelangebot nicht mehr nur als Überfluss. Stattdessen wächst die Suche nach Sinn, Orientierung und Vertrauen.

Gesundheit spielt bei Entscheidungen eine größere Rolle als früher. Gleichzeitig wünschen sich Verbraucher klare und widerspruchsfreie Informationen zu Ernährung und Lebensmittelproduktion.

Die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Franziska Kersten, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung nachhaltiger Produktionsweisen. Für sie gehören der Schutz natürlicher Ressourcen, Tierwohl und die Einhaltung von Arbeitsrechten zu einer verantwortungsvollen Lebensmittelherstellung. Auch Ernährungsbildung bleibe zentral, um allen Menschen Zugang zu gesunder Ernährung zu ermöglichen.

Drei Spannungsfelder prägen das Essverhalten

Die Forscher identifizieren drei zentrale Spannungsfelder, die das Essverhalten heute prägen:

  • Lustproblem: Menschen möchten genießen, stehen dabei aber häufig unter gesundheitlichem oder moralischem Druck.
  • Turmbau-zu-Babel-Problem: Zahlreiche Ernährungstrends und Empfehlungen sorgen für Verunsicherung.
  • Beharrungsproblem: Gewohnheiten bleiben stark und verändern sich nur langsam.

Diese Gegensätze zeigen sich auch im Alltag. Viele Verbraucher greifen häufiger zu Convenience-Produkten, achten stärker auf Preise und kaufen öfter Sonderangebote. Gleichzeitig bleibt gutes Essen in angenehmer Atmosphäre ein wichtiger Teil der Lebensqualität.

„Ernährungsmix der Zukunft“ als gesellschaftliche Aufgabe

Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, hob die Bedeutung eines vielfältigen und transparenten Lebensmittelangebots hervor. Entscheidend sei, wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu verbinden und daraus alltagstaugliche Angebote zu entwickeln.

Transparenz und Qualität könnten Verbrauchern helfen, selbstbestimmt zu entscheiden.

Impulse für Ernährungs- und Verbraucherpolitik

Aus der Diskussion leiteten die Teilnehmer mehrere Ansatzpunkte für Politik und Gesellschaft ab.

Erstens sollte die Kommunikation über Lebensmittel stärker auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und verständlich sein. Zweitens könnten Orte des gemeinsamen Essens – etwa in Kitas, Schulen oder Betrieben – helfen, Orientierung und Genuss im Alltag zu verbinden.

Drittens müsse die Politik eine Balance zwischen Vielfalt im Lebensmittelangebot und verlässlicher Orientierung schaffen. Regionalität und Natürlichkeit könnten dabei Vertrauen schaffen, ohne die große Auswahl moderner Ernährung einzuschränken.

Geflügelnews
Bild: Heinz Lohmann Stiftung
Quelle: Heinz Lohmann Stiftung

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