Vom Quereinsteiger zum Putenhalter: Warum ein 25-Jähriger trotz aller Warnungen auf Puten setzt
Ohne Vorkenntnisse startete Lars Raemakers in die Putenhaltung. Heute zieht der junge Landwirt nach vier Durchgängen eine positive Bilanz – trotz Tierseuchenrisiken, hoher Investitionen und eines schrumpfenden Marktes.
Noch vor anderthalb Jahren hatte Lars Raemakers nie einen Putenstall von innen gesehen. Heute bewirtschaftet der 25-Jährige gemeinsam mit einem Geschäftspartner einen Betrieb mit sechs Putenställen in den Niederlanden. Sein Beispiel zeigt, dass auch Quereinsteiger mit Mut, guter Beratung und unternehmerischem Denken erfolgreich in die Putenhaltung einsteigen können.
Vom Quereinsteiger zum Putenhalter
Als Lars Raemakers im Juni seinen Kontrollgang beginnt, zeigt das Thermometer bereits 30 Grad Celsius. Gerade bei Hitze kontrolliert der junge Geflügelhalter seine Tiere besonders sorgfältig. Die rund 42 Tage alten Putenhennen nehmen trotz der hohen Temperaturen ausreichend Futter auf und wirken vital. Ein Blick auf den gefüllten Kropf und die Daten der Futterwaage bestätigt seinen Eindruck.
Dass Raemakers bis Anfang 2025 kaum Berührungspunkte mit der Putenhaltung hatte, merkt heute niemand mehr. Inzwischen befindet sich sein Betrieb bereits im vierten Durchgang.
„Der Markt schrumpft zwar, aber ich habe diese Entscheidung keine Sekunde bereut“, sagt der 25-Jährige.
Eigentlich sollte es eine Forellenzucht werden
Sein Weg in die Geflügelhaltung verlief alles andere als geradlinig. Während seiner Jugend arbeitete Raemakers regelmäßig auf dem Schweinebetrieb von Coen Beerens. Nach der landwirtschaftlichen Ausbildung plante er zunächst eine Forellenzucht und investierte bereits erhebliche Summen in Technik und Genehmigungen.
Doch das Projekt überzeugte ihn nicht.
Die Arbeit allein bereitete ihm wenig Freude, außerdem hielt er das Konzept rückblickend für nicht ausgereift. Er verkaufte die Anlage und wechselte zunächst als Accountmanager zu MS Schippers. Dort beschäftigte er sich intensiv mit der Geflügel- und Schweinehaltung.
Genehmigungsrecht änderte den Plan
Gemeinsam mit Coen Beerens wollte Raemakers ursprünglich Masthähnchen halten. Für den leerstehenden Geflügelstandort lag bereits eine Genehmigung in Vorbereitung.
Dann änderte ein Urteil des niederländischen Staatsrats Ende 2024 die Rahmenbedingungen. Auch die interne Stickstoffverrechnung wurde genehmigungspflichtig. Damit rückte die geplante Masthähnchenhaltung in weite Ferne.
Für die Putenhaltung lagen dagegen alle erforderlichen Genehmigungen bereits vor.
Raemakers fährt täglich mit dem Fahrrad vom Schweinebetrieb seines Geschäftspartners zu den Putenställen.
Viele Experten rieten von Puten ab
Der Schritt stieß jedoch auf Skepsis. Mehrere Berater, Dienstleister und auch der Hoftierarzt warnten vor den Risiken.
Im Mittelpunkt standen die Geflügelpest, die Schwarzkopfkrankheit sowie die hohe Bedeutung einer konstanten Wasserqualität. Schon geringe Veränderungen beim Geschmack des Trinkwassers können dazu führen, dass Puten weniger Wasser aufnehmen.
Trotz dieser Hinweise hielten Beerens und Raemakers an ihrem Vorhaben fest.
Gemeinsamer Neustart mit moderner Technik
Im April 2025 gründeten beide Unternehmer eine gemeinsame Gesellschaft. Beerens brachte die Stallgebäude ein, Raemakers übernahm die Tierhaltung.
Vor der ersten Einstallung modernisierten sie den Betrieb umfassend. Sie installierten unter anderem neue Heizungen, LED-Beleuchtung, Nebelkühlung, Tränkelinien, Fütterungstechnik und einen eigenen Brunnen. Außerdem erhielt einer der Ställe eine neue Dämmung.
Die Investitionen teilten die beiden Partner über ein gemeinsames Vergütungsmodell. Raemakers erhält eine Vergütung für seine Arbeitsleistung, Beerens für die Stallanlagen. Den verbleibenden Gewinn teilen sie nach einem festen Schlüssel.
Der erste Durchgang verlangte starke Nerven
Der Einstieg verlief alles andere als reibungslos.
Während des ersten Durchgangs liefen in zwei Ställen noch Umbauarbeiten. Tiere mussten deshalb umgesetzt werden. Zusätzlich stürzte in einem Stall eine Futterlinie ab, nachdem sich eine provisorische Verlängerung der alten Stahlseile als ungeeignet erwiesen hatte.
Trotz dieser Schwierigkeiten verlor Raemakers nie die Freude an der Putenhaltung. Besonders hebt er die Unterstützung erfahrener Putenhalter und Berater hervor.
Während des ersten Durchgangs stürzte in einem Stall ein Teil der Futterlinie herunter.
Unterschiede zwischen Hähnen und Hennen
Bislang hat der Betrieb drei Mastdurchgänge abgeschlossen. Zwei Herden bestanden aus Hähnen, eine aus Hennen.
Hähne bleiben rund fünf Wochen länger im Stall und erreichen etwa das doppelte Endgewicht. Gleichzeitig dürfen weniger Tiere eingestallt werden und die Verlustrate liegt etwas höher. Dafür werden deutlich weniger Geflügelrechte benötigt.
Mit der aktuellen Marktlage zeigt sich Raemakers zufrieden. Die garantierten Erzeugerpreise liegen inzwischen bei rund 1,95 Euro je Kilogramm Lebendgewicht. Zusätzlich vergüten die Vermarkter Mehrgewichte.
Investitionen mit Augenmaß
Trotz der positiven Entwicklung plant der junge Unternehmer vorsichtig. Weitere Geflügelrechte möchte er derzeit nicht kaufen.
Zum einen sind die Preise hoch, zum anderen ist unklar, wie lange der jetzige Standort bestehen bleibt. Sein Geschäftspartner arbeitet bereits an einer möglichen Betriebsverlagerung in das benachbarte Ospel. Die heutige Lage nahe eines Natura-2000-Gebiets und des Ortskerns erschwert langfristige Perspektiven.
Mit Zuversicht in die Zukunft
Ob der Betrieb künftig an einem neuen Standort weitergeführt wird, bleibt offen. Für Lars Raemakers steht derzeit jedoch etwas anderes im Vordergrund: Er hat seinen Platz in der Landwirtschaft gefunden.
Nach nur wenigen Durchgängen blickt der Quereinsteiger positiv auf seine Entscheidung zurück. Sein Beispiel zeigt, dass unternehmerischer Mut, fachliche Unterstützung und die Bereitschaft zu lernen auch in einer anspruchsvollen Sparte wie der Putenhaltung zum Erfolg führen können.
BetriebsdatenLars Raemakers (25) führt einen Putenbetrieb im limburgischen Nederweert-Eind. Er betreibt den Hof gemeinsam mit dem Schweinezüchter und Sauenhalter Coen Beerens, dem die Geflügelanlage gehört. Die Stallfläche umfasst insgesamt 5.277 Quadratmeter. Die jungen Puten kommen im Alter von fünf bis sechs Wochen auf den Betrieb. Sie stammen von verschiedenen deutschen Aufzuchtbetrieben. Geschlachtet werden die Tiere bei Heidemark im deutschen Ahlhorn – im Alter von 16 Wochen (Hennen) beziehungsweise 21 Wochen (Hähne). |
Geflügelnews
Bild:
John Peters
Quelle:
Lisa Lagerberg, Sterke Erven Pluimvee
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