Putenställe ein Stück sicherer machen

08 Februar 2022
Pute

Die Geflügelpest 2020/21 hat immense wirtschaftliche Schäden verursacht. Die ersten neuen Fälle gibt es schon wieder - auch in Niedersachsen. Wir stellen ein Beispiel vor, wie Putenställe ein Stück sicherer gemacht werden können.

Matthias Crone hat den Geflügelpestzug vom vergangenen Winter/Frühjahr hautnah gleich in mehrfacher Hinsicht miterlebt. Er betreut den Geflügelbereich beim Mischfutterhersteller Fleming + Wendeln, Garrel. Garrel lag quasi im „Auge des Hurricans“, hier und in der Nachbargemeinde Bösel gibt es im Umkreis von einigen Kilometern sehr viele Putenmastbetriebe mit teils geringen Entfernungen zueinander. Allein im Landkreis Cloppenburg wurden im vergangenen Winter/Frühjahr 40 Putenmastbetriebe mit der Geflügelpest  infiziert.

Einstallverbot über längere Zeit

Im Landkreis Cloppenburg, in dem Garrel und Bösel liegen, gab es infolge des Geflügelpestgeschehens über längere Zeit ein Einstallverbot, sprich, es durften keine Küken wiedereingestallt werden. Ställe standen leer – und es wurde hierfür natürlich kein Futter benötigt. Auch Fleming + Wendeln unterhält selbst einige Putenmastställe, für die Crone mit verantwortlich ist. Aktuell ist im Landkreis Cloppenburg schon wieder infolge der erneuten Geflügelpestfälle ein Einstallverbot erlassen worden.

„Es wurde im vergangenen Winter viel darüber diskutiert und spekuliert, wie zum einen der Ersteintrag in Ställe passiert ist, aber auch wie eine Übertragung von Stall zu Stall erfolgen konnte“, erzählt Crone. Begünstigt wurde das Pestgeschehen im vergangenen Winter wohl ohne Zweifel durch die sehr große Zugvogel-Population in Norddeutschland. Viele Zugvögel ziehen im Winter gar nicht mehr weiter nach Süden und Westen, sie bleiben hier. Außerdem scheint sich das Geflügelpestvirus auch in der Wildvogelpopulation zu „etablieren“ – auch in diesem Sommer gab es Nachweise des Virus in gefundenen Wildvögeln.

Je mehr Kontaktmöglichkeiten es bei einem Stall dann zur Außenwelt gibt, desto größer ist die Gefahr eines Eintrags. Die hier in Weser-Ems typischen Offenställe bei Puten sind also sehr anfällig. Infizieren sich Tiere in den Beständen, wird viel Virus produziert und ausgeschieden. Bei wenig Abstand zum nächsten Betrieb ist die Gefahr einer luftgetragenen Übertragung groß – zumal infizierte Puten schon vor dem Auftreten der ersten Symptome Virus ausscheiden. Im Seuchenzug 2020/21 gab es bei Wind und Sturm Folgeinfektionen im Umfeld von Erstausbrüchen. Im Februar diesen Jahres, als Schnee lag und es kaum Wind gab, traten keine Folgeinfektionen im Umfeld von Ausbrüchen auf.

Nachstreuen vermeiden durch andere Einstreu

Zu den möglichen Eintrags- oder Übertragungsquellen zählen also sowohl der Wind  als auch Überträger wie der Tierbetreuer oder Gerätschaften. Die Niedersächsische Tierseuchenkasse hatte den Geflügelhaltern im vergangenen Winter bestätigt, dass viele Betriebe ihre Biosicherheit sehr deutlich verbessert haben. „Aber man kann immer noch eine weitere Optimierung anstreben“, so Crone.

Bekanntlich werden Putenställe hierzulande im Verlauf einer Mastperiode häufiger nachgestreut, weil der Boden sonst zu feucht würde mit entsprechenden Problemen für die Fußballen der Tiere. „Dieses Nachstreuen bedeutet natürlich immer ein potenzielles Risiko in Bezug auf den Geflügelpesterreger“, sagt der Spezialist. Also wird in den von ihm betreuten Ställen nicht mehr das sonst übliche Langstroh eingestzt als Einstreu, sondern Sonnenblumenschalenpellets. Diese sind saugfähiger als Stroh, sie brauchen im Putenstall nur regelmäßig durchgearbeitet werden, damit sie nicht verklumpen. Ein Nachstreuen ist jedoch nicht erforderlich. Begonnen hat man bei Fleming + Wendeln zudem damit, für jeden Stall ein separates Equipment anzuschaffen, angefangen vom Kleintraktor bis zur angehängten Fräse. Die Geräte sollen im Stall verbleiben, sodass es keinerlei Kontaktmöglichkeiten etwa zu Wildvogelkot draußen gibt.

Zusätzliche Netze als Vorsorge vor Einträgen

Zur Vorbeugung vor einem Eintrag von Geflügelpestviren über die Luft, das große Problem bei Offenställen, hat Crone mit seinen Mitarbeitern zusätzlich sehr feinmaschige Windschutznetze, bzw. -planen an den offenen Längsseiten der Ställe angebracht. Es gibt hier in der Regel schon Windschutznetze, die aber nicht so feinmaschig sind. Diese können keine Kleinstpartikel abhalten, die vom Wind durch die Luft getragen werden und im Falle eines Falles Überträger der Geflügelpestviren sein können. Die sehr feinmaschigen zusätzlichen Netze/Planen können aufgerollt werden, bei Wind oder Gefahr von Einträgen können sie heruntergelassen werden. Die Kosten für die zusätzlichen Maßnahmen betragen etwa 5.000 bis 6.000 Euro für Kleintraktor mit Fräse und für die Ausstattung eines Stalles mit einem zusätzlichen Windschutznetz noch einmal die gleiche Summe. „Natürlich bietet das keinen absoluten Schutz, die bekannten anderen Maßnahmen in Sachen Biosicherheit müssen auch penibelst eingehalten werden, aber was möglich ist an Vorsorge wollen wir machen“, sagt Crone.

Die zusätzliche Windschutzplane (grün) ist sehr feinmaschig und soll verhindern, dass kleine Partikel, die mit Viren behaftet sein könnten, bei Wind in den Stall getragen werden.
Pelletierte Sonneblumenschalen sind sehr viel saugfähiger als Stroh, diese Einstreu braucht nur durchgearbeitet werden.
Die zusätzliche Plane ist so angebracht, dass sie auch hochgezogen werden kann, wie Matthias Crone hier demonstriert.
Ein eigenes Equipement pro Stall vermindert das Risiko, Viren von draußen einzutragen oder von Stall zu Stall weiterzutragen.
Land und Forst / Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Crone

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