Neuer Stall für 56.000 Sterneküken: Johannes Giliam setzt auf clevere Technik

27 August 2025
Masthuhn
Giliam witmarsum

Der friesische Landwirt Johannes Giliam hat in einen modernen Stall für 56.000 Sternküken investiert. Mit Wärmetauscher, Staubfilter, Nebelkühlung und durchdachter Stallgestaltung schafft er ein tiergerechtes Klima und spart Arbeitszeit.

Der friesische Landwirt Johannes Giliam aus Witmarsum hat in einen neuen Masthähnchenstall investiert. Mit moderner Technik, cleveren Details und einem durchdachten Hygienekonzept möchte er den Anforderungen der 1-Stern-Beter-Leven-Mast gerecht werden – und gleichzeitig Arbeitszeit sparen.

Tageslicht, Wärmetauscher und Staubfilter: Technik für Tierwohl und Arbeitserleichterung

Der Stall ist 110 Meter lang und 25 Meter breit, inklusive eines fünf Meter großen Wintergartens. Zusammen mit zwei älteren Ställen aus den 1990er-Jahren kann Giliam nun 56.000 Sternküken halten. Damit ist sein Geflügelzweig etwa genauso bedeutend wie der Ackerbauzweig, den er gemeinsam mit seinem Vater betreibt.

Besonders auffällig: Giliam hat sich beim Neubau bewusst für Tageslichtfenster in der Decke entschieden. Sie sind günstiger als Lichtbänder in den Wänden, verteilen das Licht gleichmäßiger und erfüllen die geforderten drei Prozent Tageslichteinfall.

Einfache Reinigung: Staubfilter clever gelöst

Ein weiteres Highlight ist der Wärmetauscher mit integriertem Staubfilterpaket. Während andere Systeme den Filter außerhalb des Stalls haben, sitzt er bei Giliam innen. Das macht die Reinigung einfacher: Der Staub bleibt auf einer Platte liegen und kann täglich weggekehrt werden. Mit Druckluft wird der Filter zusätzlich automatisch gereinigt. Das spart Zeit und sorgt für saubere Luft.

Über PVC-Rohre wird die vorgewärmte Außenluft in den Stall geleitet. Gerade in den ersten Wochen ist das ein Vorteil, weil Küken empfindlich auf Kälte und Zugluft reagieren. Feuchte Stellen in der Einstreu bleiben so aus.

Johannes Giliam (37) baute in Witmarsum im Westen Frieslands einen neuen Stall für 25.000 1-Stern-Beter-Leven-Masthähnchen (Stern-Hähnchen).
Der neue Stall ist 110 Meter lang und 25 Meter breit, einschließlich eines 5 Meter langen Wintergartens.
Der neue Stall steht neben den beiden bestehenden Ställen aus den 90er Jahren, in denen er jeweils 15.000 und 16.000 Sternküken unterbringt. Nach dem Neubau hält er 56.000 Sterneküken.
Der Masthähnchenhalter entschied sich für einen Wärmetauscher mit Staubfilter. Das Staubfilterpaket des Wärmetauschers befindet sich jedoch nicht außerhalb, sondern im neuen Stall.
Durch den Einbau des Staubfilterpakets im Stall bleibt der Staub im Stall. Der Staub bleibt auf einer Platte liegen.
Mit Hochdruckluft aus einem Kompressor wird der Staub einmal täglich von den Filtern geblasen, wodurch der Wärmetauscher weniger verschmutzt wird.
Der Kompressor befindet sich ebenso wie das Druckgebläse in einem separaten Raum.
Der Geflügelhalter entschied sich wie in seinen bestehenden Ställen für einen Wärmetauscher von Plettenburg.
Im Stall hängen zwei PVC-Rohre mit kleinen Löchern – die auf Höhe der Küken angebracht sind –, aus denen die vorgewärmte Außenluft aus dem Wärmetauscher austritt.
In der Rückwand befinden sich vier Längsventilatoren, die Giliam nur an extrem heißen Tagen und während des Beladens verwendet.
Die Klappen für die Fassadenventilatoren in der Rückwand eines Masthähnchenstalls lassen sich von oben öffnen, um den Lichteinfall während des Verladens zu begrenzen.
Während der Fotoaufnahmen am Dienstagnachmittag, dem 5. August, sind die Bauarbeiter noch voll damit beschäftigt, den Staubauffangraum fertigzustellen.
Auch die Windschutzplatten sind auf der Innenseite schwarz.
An den neuen Stall ist ein fünf Meter breiter überdachter Auslauf angebaut.
Giliam entschied sich für Windschutzgitter mit einer aufrollbaren Plane als Außenverkleidung.
Die Lufteinlassventile werden über ein Kaskadensystem mit einem Stahldraht geöffnet. Im Gegensatz zu einem Stahlseil dehnt sich ein Stahldraht nicht aus.
Giliam erklärt, wie das sogenannte Kaskadensystem funktioniert: „In den ersten drei Wochen sorgt der Wärmetauscher für die komplette Stallbelüftung, und alle Einlassventile bleiben geschlossen. Danach öffnen sich zwei Einlassventile pro Dachsparrenfeld und anschließend die anderen.“
Neben der Kühlpumpe hängt ein Boiler im Futterraum. Dieser dient dazu, das Wasser für die Dusche zu erwärmen.
Giliam ließ im Vorraum des Stalls eine Hygieneschleuse mit einer Durchlaufdusche einbauen.

Durchdachte Stallausstattung: Weniger Licht, mehr Ruhe beim Verladen

Ein großes Problem vieler Geflügelhalter ist unruhiges Geflügel beim Fangen und Laden. Giliam setzt auf einige praktische Tricks:

  • schwarze Spundwände und Windschutzplatten, die weniger Licht einfallen lassen
  • Klappen der Ventilatoren, die sich von oben statt von unten öffnen
  • eine Plane vor der großen Tür beim Beladen

So bleiben die Küken ruhiger. Verletzungsraten beim Laden liegen bei ihm regelmäßig unter einem Prozent.

Kühlung und Luftführung gegen Hitzestress

Damit die Küken auch bei hohen Temperaturen gesund bleiben, hat Giliam aufgerüstet:

  • Nebelkühlung über den Lufteinlassventilen
  • ein Kaskadensystem für die Belüftung: Zunächst übernimmt der Wärmetauscher, danach öffnen sich die Ventile Schritt für Schritt automatisch
  • Ventilatoren, die nur an besonders heißen Tagen oder beim Beladen laufen

Hygiene und Fütterung: Vorbereitet auf künftige Anforderungen

Schon jetzt verfügt der Stall über eine Hygieneschleuse mit Durchlaufdusche, die ab 2028 Pflicht wird. Besucher wie Tierärzte können so zukünftig noch besser kontrolliert eintreten.

Bei der Fütterung setzt Giliam neben dem Standardfutter regelmäßig auf Weizenbeimischung von bis zu 35 %. Das hilft, die Anforderungen des Beter-Leven-Programms einzuhalten (max. 25 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter).

Herausforderungen: Reovirus und Kükenqualität

Wie viele Kollegen hatte auch Giliam Probleme mit dem Reovirus, das aus der Brüterei stammen kann. Die Ausfälle und Einbußen waren erheblich. Derzeit sind seine Herden jedoch frei davon.

Er wünscht sich zudem eine bessere Qualität der Eintagsküken, da manche Gruppen schlecht anlaufen. Als Sternhalter ist er bei der Wahl der Brütereien eingeschränkt.

Fazit: Sternküken passen zum Betriebskonzept

Obwohl er auch konventionelle Masthähnchen halten dürfte, bleibt Giliam bei den Sternküken. Sie bringen gute Erträge, lassen sich ruhiger managen und passen besser zu seinem arbeitsintensiven Ackerbau. „Mit Sternküken fahren wir besser – und wir investieren bewusst in Technik, die uns Arbeit spart und die Tiere gesund hält“, so Giliam.

Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Tom Schotman

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