Der friesische Landwirt Johannes Giliam hat in einen modernen Stall für 56.000 Sternküken investiert. Mit Wärmetauscher, Staubfilter, Nebelkühlung und durchdachter Stallgestaltung schafft er ein tiergerechtes Klima und spart Arbeitszeit.
Der friesische Landwirt Johannes Giliam aus Witmarsum hat in einen neuen Masthähnchenstall investiert. Mit moderner Technik, cleveren Details und einem durchdachten Hygienekonzept möchte er den Anforderungen der 1-Stern-Beter-Leven-Mast gerecht werden – und gleichzeitig Arbeitszeit sparen.
Tageslicht, Wärmetauscher und Staubfilter: Technik für Tierwohl und Arbeitserleichterung
Der Stall ist 110 Meter lang und 25 Meter breit, inklusive eines fünf Meter großen Wintergartens. Zusammen mit zwei älteren Ställen aus den 1990er-Jahren kann Giliam nun 56.000 Sternküken halten. Damit ist sein Geflügelzweig etwa genauso bedeutend wie der Ackerbauzweig, den er gemeinsam mit seinem Vater betreibt.
Besonders auffällig: Giliam hat sich beim Neubau bewusst für Tageslichtfenster in der Decke entschieden. Sie sind günstiger als Lichtbänder in den Wänden, verteilen das Licht gleichmäßiger und erfüllen die geforderten drei Prozent Tageslichteinfall.
Einfache Reinigung: Staubfilter clever gelöst
Ein weiteres Highlight ist der Wärmetauscher mit integriertem Staubfilterpaket. Während andere Systeme den Filter außerhalb des Stalls haben, sitzt er bei Giliam innen. Das macht die Reinigung einfacher: Der Staub bleibt auf einer Platte liegen und kann täglich weggekehrt werden. Mit Druckluft wird der Filter zusätzlich automatisch gereinigt. Das spart Zeit und sorgt für saubere Luft.
Über PVC-Rohre wird die vorgewärmte Außenluft in den Stall geleitet. Gerade in den ersten Wochen ist das ein Vorteil, weil Küken empfindlich auf Kälte und Zugluft reagieren. Feuchte Stellen in der Einstreu bleiben so aus.
Durchdachte Stallausstattung: Weniger Licht, mehr Ruhe beim Verladen
Ein großes Problem vieler Geflügelhalter ist unruhiges Geflügel beim Fangen und Laden. Giliam setzt auf einige praktische Tricks:
- schwarze Spundwände und Windschutzplatten, die weniger Licht einfallen lassen
- Klappen der Ventilatoren, die sich von oben statt von unten öffnen
- eine Plane vor der großen Tür beim Beladen
So bleiben die Küken ruhiger. Verletzungsraten beim Laden liegen bei ihm regelmäßig unter einem Prozent.
Kühlung und Luftführung gegen Hitzestress
Damit die Küken auch bei hohen Temperaturen gesund bleiben, hat Giliam aufgerüstet:
- Nebelkühlung über den Lufteinlassventilen
- ein Kaskadensystem für die Belüftung: Zunächst übernimmt der Wärmetauscher, danach öffnen sich die Ventile Schritt für Schritt automatisch
- Ventilatoren, die nur an besonders heißen Tagen oder beim Beladen laufen
Hygiene und Fütterung: Vorbereitet auf künftige Anforderungen
Schon jetzt verfügt der Stall über eine Hygieneschleuse mit Durchlaufdusche, die ab 2028 Pflicht wird. Besucher wie Tierärzte können so zukünftig noch besser kontrolliert eintreten.
Bei der Fütterung setzt Giliam neben dem Standardfutter regelmäßig auf Weizenbeimischung von bis zu 35 %. Das hilft, die Anforderungen des Beter-Leven-Programms einzuhalten (max. 25 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter).
Herausforderungen: Reovirus und Kükenqualität
Wie viele Kollegen hatte auch Giliam Probleme mit dem Reovirus, das aus der Brüterei stammen kann. Die Ausfälle und Einbußen waren erheblich. Derzeit sind seine Herden jedoch frei davon.
Er wünscht sich zudem eine bessere Qualität der Eintagsküken, da manche Gruppen schlecht anlaufen. Als Sternhalter ist er bei der Wahl der Brütereien eingeschränkt.
Fazit: Sternküken passen zum Betriebskonzept
Obwohl er auch konventionelle Masthähnchen halten dürfte, bleibt Giliam bei den Sternküken. Sie bringen gute Erträge, lassen sich ruhiger managen und passen besser zu seinem arbeitsintensiven Ackerbau. „Mit Sternküken fahren wir besser – und wir investieren bewusst in Technik, die uns Arbeit spart und die Tiere gesund hält“, so Giliam.
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