Schweine raus, Hähnchen rein: Außenklimastall clever umgebaut

17 April 2025
Masthuhn
Schulze Hähnchenmast

Familie Schulze war mit ihrem 2005 gebauten Außenklimastall für die Mast der eigenen Ferkel ihrer Zeit eigentlich voraus. Zuschläge für die Mehrkosten konnten kaum erlöst werden. Das sieht heute anders aus. Nach Aufgabe der Sauenhaltung wurde die Hähnchenmast, Haltungsstufe 3, neuer Betriebszweig – im umgebauten Außenklimastall.   

„Wir sind Überzeugungstäter“, sagt Katharina Schulze-Wendt. Sie meint damit die Haltung im Außenklimastall. Zusammen mit ihrem Mann Ernst-Martin Schulze und ihren Schwiegereltern bewirtschaftet sie im niedersächsischen Darrigsdorf in der südlichen Lüneburger Heide einen Betrieb mit 120 ha Ackerbau, einer Gemeinschafts-Biogasanlage (drei Betriebe, 810 kW), Schweinemast - und seit dem vergangenen Sommer mit Hähnchenmast.

Auf dem Betrieb gab es bis 2020 ein geschlossenes System aus 150 Sauen und Mast der eigenen Ferkel. Für Ernst-Martin Schulze an sich eine „runde Sache“. In diesem Sinne waren 2005 im Außenbereich zwei neue Außenklimaställe mit zusammen gut 1.000 Mastplätzen gebaut worden: „Diese Haltungsform gefiel uns einfach für unsere Tiere“, so der 47jährige und es sollten keine Ferkel mehr verkauft werden. Ein Teil der anfallenden Ferkel wurde weiter im vorhandenen älteren Stall am Hof gemästet. Da die Schweine komplett konventionell vermarktet wurden, war die Wirtschaftlichkeit „eine Herausforderung“, sagt der Betriebsleiter.

Drei Generationen Schulze vor dem umgebauten Außenklima-Hähnchenstall.
Die Futtersilos zwischen den Ställen werden weitergenutzt.
Für Haltungsstufe 3 sind langsam wachsende Herkünfte verpflichtend.
Zu den Kriterien von Haltungsstufe 3 zählen auch Sitzstangen im Stall.
Die nachträglich eingebauten Luken zum Kaltscharrraum sind ab dem 20. Tag offen.
Die Wärme für die Hähnchenställe kommt von der benachbarten Biogasanlage.
Nach hinten wurden beide Ställe um jeweils ca. 35 m verlängert.
Die Strohballen im Stall kommen von den eigenen Flächen des Betriebes.
Ab dem 20. Lebenstag können die Hähnchen wählen zwischen Stall und Kaltscharrraum.
Aus der Bauphase: Stallverlängerung und angeschleppter Kaltscharrraum sind schon zu erkennen.

Ausstieg aus der Sauenhaltung in 2020

Vor fünf Jahren fiel dann die Entscheidung, sich von der Sauenhaltung zu verabschieden. Eine Erweiterung am Hof wäre nicht möglich gewesen, zudem sah der Familienbetrieb die Arbeitssituation bei Erweiterung der Sauenhaltung kritisch: „Unser Ansatz war immer, dass ich die Arbeit auf dem Betrieb, wenn nötig, auch alleine schaffen könnte“, erzählt Katharina Schulze-Wendt. Eine reine Schweinemast mit Ferkelzukauf sah die Familie auch deshalb nicht als Zukunftsmodell. Aktuell ist die KFZ-Betriebswirtin halbtags berufstätig, die Schwiegereltern helfen noch mit auf dem Betrieb.

Vor fünf Jahren war die Diskussion um die höheren Haltungsstufen schon voll im Gange. So kam bei Familie Schulze erstmals die Idee auf, die Außenklimaställe umzunutzen für die Hähnchenmast. Auch weil Katharina Schulze-Wendt die Hähnchenmast vom elterlichen Betrieb kennt.

Entscheidung für Hähnchen Haltungsstufe 3

Nach Gesprächen mit einem großen Vermarkter und dem Geflügelfachberater Alfons Krafeld von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Alfons Krafeld hat sich auf den Bereich Stallneubau und Stallumbau spezialisiert und ist hierfür in ganz Deutschland unterwegs. Zunächst hatte Familie Schulze eine Hähnchenmast für Haltungsstufe 2 (entspricht den Kriterien der Initiative Tierwohl) im Blick, entschied sich dann aber für die Haltungsstufe 3. Dabei ist Zugang zu Außenklima ein Kriterium.

Die Baugenehmigung für den entsprechenden Stallumbau mit Umwidmung (der Tierart) gab es verhältnismäßig schnell in 2022. Emissionsmäßig passte es am Standort im Außenbereich. Um den erforderlichen Platz für 29.900 Hähnchen in Stufe 3 zu haben, wurden die beiden 12 m breiten Außenklimaställe um 35 m verlängert, seitlich wurde jeweils ein ca. 3 m breiter Kaltscharrbereich angeschleppt. Der eingestreute Kaltscharrbereich steht den Tieren ab dem 20. Tag zur Verfügung.  

Ernst-Martin Schulze entkernte die beiden Ställe mit Helfern selbst, der Umbau erfolgte 2023/24. Die ersten Küken kamen am 28. Juni vergangenen Jahres an. In den Ställen sorgen Sitzstangen und Strohballen für Abwechslung. Die Haltungsstufe 3 des Handels umfasst, dass langsam wachsende Herkünfte eingesetzt werden müssen, die Mast dauert etwa 45 Tage, mit Vorfangen etwa am 38. Tag. Die Besatzdichte ist auf 29 kg/qm begrenzt.

Wärme kommt von der Biogasanlage

Beheizt werden die Ställe mittels Wärme von der benachbarten Biogasanlage. Über zwei Satelliten-Blockheizkraftwerke versorgt die Biogasanlage neben den eigenen Wohnhäusern am Hof ein benachbartes Altenheim und außerdem Privathaushalte im Ort sowie Hähnchenmastställe bei einem der anderen Gesellschafter.

Für die ganze Familie ein wichtiger Tag: Das Einstallen der ersten Küken im Juni 2024

Schulzes haben fürs erste einen Fünf-Jahres-Vertrag mit ihrem Abnehmer geschlossen. Damit sehen sie sich auf der sicheren Seite: „Die Ankündigungen des Lebensmittelhandels sind da, bei Fleisch komplett auf die höheren Haltungsstufen zu gehen. Ob das allerdings so umgesetzt wird, hängt von den Verbrauchern ab, was sie bereit sind, zu zahlen“, wissen Schulzes.  

Geringere Arbeitsbelastung, gute Planbarkeit

Auf der sicheren Seite sehen sie sich aber auch dadurch, dass -theoretisch- im Stall auch Hähnchen niedrigerer Haltungsstufen ganz konventionell gemästet werden könnten – der Kaltscharrraum würde dann einfach nicht mitgenutzt. Auch arbeitsmäßig passt es mit dem neuen Betriebszweig. Ein Vorteil der genau getakteten Produktion in einer Integration: „In diesem Sommer haben wir die Leerstandzeit zwischen zwei Durchgängen etwas verlängert und werden für eine Woche Urlaub mit unseren Kindern machen“, freut sich die Familie.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz, Schulze

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