Windstreek-Stall: Für das Masthähnchen von morgen

20 August 2025
Gebäude
Winstreek Stall

Mit der Frage, wie künftige Haltungssysteme für die Hähnchenmast aussehen sollen, befassten sich Praktiker und Berater auf einem zweitägigen Workshop in Meppen, Niedersachsen. Auf dem Programm stand auch die Besichtigung des Windstreek-Stalles in den benachbarten Niederlanden.  

Der innovative Windstreek-Stall wurde 2015 von der Familie Nijkamp im niederländischen Raalte gebaut - nach mehrjähriger Planungsphase. Er zeichnet sich unter anderem durch seine unkonventionelle Außenhülle aus. Sie misst auf der einen Längsseite am höchsten Punkt 11 m. Zur gegenüberliegenden Seite flacht sie stark ab. Wie Betriebsleiter Robert Nijkamp informierte, wurde der Stall in einem Projekt mit der Universität Wageningen entwickelt – mit staatlicher Förderung.

Die markante Form der Außenhülle ermöglicht eine energiesparende Schwerkraftlüftung im Stall.

Für „Beter Leven“ 1 Stern

Die Haltung entspricht den Vorgaben des niederländischen „Beter Leven“-1 Stern-Konzepts. Es ist vergleichbar mit der deutschen Haltungsform 3. Der Stall bietet demnach Platz für 23.000 Tiere bei einer Besatzdichte von 25 kg/m² Nutzfläche. Nach 56 Tagen werden die Tiere einer langsam wachsenden Herkunft ausgestallt. Sie wiegen dann durchschnittlich 2,8 kg. Vermarktet werden sie über die niederländische Supermarkt-Kette Albert Heijn.

Der Blick in den Stall verrät schnell, dass die Einrichtung speziell auf die Bedürfnisse von Masthühnern ausgerichtet ist: Die Tiere waren trotz der hohen Außentemperaturen von über 30 °C am Besuchstag aktiv und nutzten die erhöhten Ebenen und den angebotenen Platz. Das Klima im Stall schien also zu stimmen. Durch die große Fensterfront auf der einen Längsseite des Stalls fällt viel Tageslicht ein. Dieser gut ausgeleuchtete Bereich fördert insbesondere das Aktivitäts- und Erkundungsverhalten der Tiere. 

Durch die große Fensterfront an einer Seite fällt viel Tageslicht in den Stall.

Verschiedene Temperaturbereiche 

Auf der gegenüberliegenden Seite des Stalls befinden sich sogenannte Dunkelbrüter („Dark Brooders“). Diese überdachten Bereiche sind an der Decke aufgehängt und ahmen die Glucke nach. Sie bieten den Küken in den ersten Lebenstagen Schutz und Wärme mittels Infrarot-Heizplatten. Futter und Wasser stehen hier ebenfalls zur Verfügung. In den ersten Tagen nach Einstallung der Eintagsküken wird der Bereich unter den Dunkelbrütern ausgeleuchtet, um den Tieren Orientierung zu geben. 

Bei Einstallung beträgt die Temperatur unter den Dunkelbrütern etwa 33-34 °C. Der restliche Stallbereich wird nicht zusätzlich beheizt. Die Küken können so eigenständig wählen, wo sie sich aufhalten möchten. Die Höhe der Dunkelbrüter wird während des Durchgangs dem Wachstum bzw. den Ansprüchen der Tiere angepasst. Dies ermöglicht eine gute Belüftung unter den Dunkelbrütern, welche durch innenliegende Sensoren gesteuert wird. 

Abdeckungen hochfahren für Kontrolle

Zur zweimal täglichen Tierkontrolle werden die Abdeckungen so weit hochgefahren, dass der Betriebsleiter darunter aufrecht gehen kann. Laut Aussage von Robert Nijkamp müssen lediglich am ersten Abend nach der Einstallung einige Tiere zurück unter die Dunkelbrüter gebracht werden. Danach finden die Tiere den Weg allein. 

Die Steuerung der Luftqualität erfolgt ausschließlich über eine Schwerkraftlüftung ohne Ventilatoren. Die Luft strömt in einer Höhe von ca. 11 m in den Stallbereich ein. Dies erklärt auch das ungewöhnliche Design des Stalles und macht ein besonderes Management erforderlich. Insbesondere die Regulierung der Luftfeuchte stellte anfangs eine Herausforderung dar, so Robert Nijkamp. Die Lüftung wird über den Stallcomputer gesteuert. Dieser erfasst Temperatur und Luftfeuchte im Außenbereich und gleicht diese mit den Parametern im Stall ab. Ist die Luftfeuchtigkeit innen zu hoch, wird die Lüftungsrate erhöht im Sinne einer guten Einstreuqualität und Fußballengesundheit.

Bei Küken Fingerspitzengefühl gefragt

Das Lüftungskonzept ist besonders in den ersten Lebenstagen der zugluftempfindlichen Küken herausfordernd. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, so Nijkamp. Hier macht sich der Einsatz der Dunkelbrüter zum Schutz der Küken vor zu viel Zugluft jedoch wieder bezahlt.

Zur weiteren Strukturierung und Bewegungsanregung wurden erhöhte Ebenen mit einer darüberliegenden Wasserlinie im Stall installiert. Diese sind perforiert und werden zusätzlich eingestreut. Im Gegensatz zu den in Deutschland verbauten Modellen, sind sie mit 0,90 m bzw. 1,20 m relativ hoch. Das erleichtert die Tierkontrolle unter den Ebenen. Im gesamten Stallbereich werden den Tieren ebenfalls kleine HD-Strohballen als Beschäftigungsmöglichkeit angeboten.

Die erhöhten Ebenen stehen im Aktivitätsbereich, wo es am hellsten ist im Stall.

Gute Tiergesundheit im Stall 

Die Verluste sind mit ca. 1,5 Prozent gering und der Einsatz von Antibiotika war in den letzten zehn Jahren nur einmal notwendig, so der Betriebsleiter. Reinigen und Waschen des Stalls sind etwas aufwendiger. Im Vergleich zu seinen beiden konventionellen Masthühnerställen mit Außenklimabereich bezifferte Nijkamp das mit ca. zwei Stunden mehr.

Veranstalter des Workshops mit Exkursion war die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zusammen mit dem Projekt Netzwerk Fokus Tierwohl und der Arbeitsgruppe des Gesamtbetrieblichen Haltungskonzepts Geflügel. Die bundesweite Arbeitsgruppe aus Geflügel-Fachleuten konzipiert aktuell zukunftsgerichtete Haltungskonzepte für Masthühner. Die Veranstaltung in Meppen sollte hierfür auch Impulse geben.

Jule Schättler, Hannah Kanwischer, Dominik Jacobs, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Bild: Jule Schättler
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

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