Wer Ökohähnchen mästen will, braucht viel Fläche

20 Juni 2022
Masthuhn

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ermittelte in einem Betrieb mit ökologischer Masthähnchenhaltung den Nährstoff- und Mistanfall und errechnete den Flächenbedarf für einen solchen Betrieb. 

Der Betriebszweig ökologische Hähnchenmast zählt in Niedersachsen zu den innovativen Betriebszweigen. Der Anteil ökologisch erzeugter Masthähnchen an der Gesamtzahl der Masthähnchen ist in Niedersachsen zwar vergleichsweise gering, die Beratungsnachfrage nimmt jedoch stetig zu. 

Die Rahmenbedingungen für die ökologische Hähnchenmast

In der ökologischen Hähnchenmast werden langsam wachsende Mastlinien, z.B. Hubbard ISA JA 757, eingesetzt. Die Hähnchen haben in der Endmast neben dem Innenstall einen überdachten Außenklimabereich und eine strukturierte Auslauffläche von mindestens 4 m² je Tier zur Verfügung. Mindestens ein Drittel der Lebenszeit muss Auslauf gewährt werden. Während die EU-Öko-Verordnung für konventionelle Herkünfte ein Mindestschlachtalter von 81 Tagen vorgibt, ist dies bei langsam wachsenden Genetiken nicht vorgesehen. Die Herdengröße je Produktionseinheit ist auf maximal 4.800 Tiere begrenzt.

Projekt zur Erfassung der Nährstoffausscheidungen

Da in der Düngeverordnung keine Verfahren der ökologischen Hähnchenmast etabliert sind, ermittelte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen den Nährstoff- und Mistanfall in einem Betrieb mit ökologischer Masthähnchenhaltung, der nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes wirtschaftet.

Das Projekt umfasste vier aufeinanderfolgende Durchgänge im Zeitraum von Mai bis Oktober 2021. Eintagsküken der Herkunft Hubbard ISA JA 757 wurden in ein Aufzuchtabteil (300 m²) eingestallt. Nach ca. 28 Tagen wurden die Hähnchen in das Mastabteil (600 m²) umgestallt und weitere 28 bis 32 Tage gemästet. Die beiden Abteile wurden mit etwa 1 kg Dinkelspelzengranulat je m² Bodenfläche eingestreut. Bei Bedarf wurde mit Hobelspänen nachgestreut. Als Beschäftigungsmaterial erhielten die Tiere Picksteine bzw. -schalen und Luzerneheuballen. Damit nachts höhere Ebenen angeflogen werden können, sind die Ställe mit Reutern bzw. Kunststoffsitzstangen, die an die Decke gezogen werden können, ausgestattet. 

Bei einer maximalen Besatzdichte von. 21 kg Lebendgewicht je m² Nutzfläche ergeben sich in der Aufzucht maximal 15 bis 16 und in der Mast maximal 8 bis 9 Tiere je m².

Die Tiere wurden dreiphasig gefüttert. Im Mittel der vier untersuchten Durchgänge ergaben sich folgende Futtermengen je Tier: 505 g Kükenstarter, 1496 g Kükenaufzuchtfutter und 2845 g Endmastfutter = 4846 g Futter insgesamt. 

Das Aufzuchtabteil wurde nach dem Umtrieb sofort gemistet, gereinigt, desinfiziert und nach ca. sieben Tagen wieder mit Eintagsküken belegt. Im Mastabteil inklusive Außenklimabereich und Auslauffläche wurden die umgestallten Tiere bis zum ca. 56. Tag gemästet. Ein Vorgriff erfolgte in diesem Betrieb während des Untersuchungszeitraumes nicht. Generell ist vorgesehen, Tiere vorwegzugreifen, wenn die maximale Besatzdichte von 21 kg je m² Nutzfläche überschritten wird.

Ergebnisse der Nährstoffbilanzierung

Die Experten nahmen danach eine Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen vor. Exemplarisch ist hier der zweite Durchgang dargestellt: 

  • Es wurden 4760 Küken eingestallt. Nach einer Mastdauer von 56 Tagen erreichten die Hähnchen ein Endgewicht von 2,48 kg. Die Tageszunahmen lagen knapp unter 44 g. Der Futteraufwand betrug 2,0 kg je kg Zuwachs. 
  • Das Kükengewicht und das Gewicht verendeter Tiere wurden bei der Berechnung des Gesamtzuwachses berücksichtigt. Die Tierverluste lagen bei 1 %. Für den Ansatz im Tierkörper wurden 30 g Stickstoff und 4 g Phosphor je kg unterstellt. 
  • Neben der Kalkulation der Nährstoffausscheidungen über die Zufuhr der Nährstoffe im Futter wurden auch die Nährstoffmengen im Mist ermittelt. Dazu beprobte man die bestehende Mistmatratze unmittelbar nach der Ausstallung der schlachtreifen Hähnchen bzw. der Umstallung der Aufzuchthähnchen in das Mastabteil.
  • Die Ergebnisse: Es wurden je Tier 80,3 g Stickstoff und 44,8 g Phosphat ausgeschieden. Zur Berechnung der Plausibilität wurde der kalkulierte Nährstoffanfall (= Futter minus Ansatz) den Nährstoffmengen im Mist gegenübergestellt. Vom Stickstoff werden 73,4 % und vom Phosphor 82,2 % im Mist wiedergefunden. 
  • In drei Durchgängen konnten Mistmengen gewogen werden. Sie schwankten zwischen 1,9 und 2,2 kg je Tier.

Hoher Flächenbedarf

Um den notwendigen Flächenbedarf für einen Stall mit 4800 Tieren zu kalkulieren, müssen die Nährstoffausscheidungen je Platz und Jahr berechnet werden. Bei 56 Masttagen und ca. sieben Leertagen (Reinigung etc.) ergeben sich rund zehn Durchgänge/Jahr. Daraus resultieren 793 g Stickstoff und 445 g Phosphat je Platz und Jahr. Unter Berücksichtigung von 40 % Stall- und Lagerungsverlusten ergibt sich eine Höchstmenge von 283 kg Stickstoff /ha. Wird Phosphor nach Bedarf gedüngt, dürfen (abhängig vom P-Gehalt des Bodens) in einem Beispiel-Ökobetrieb mit guten Erträgen und weiter Fruchtfolge (Getreide, Ackerbohnen, Körnermais und Kleegras, keine Strohabfuhr) max. 36 Phosphat kg/ha gedüngt werden.

Durch den sehr hohen Phosphor-Anfall benötigt der Beispielbetrieb demnach fast 60 ha Fläche. Die Ausscheidungen der Ökohähnchen je Platz und Jahr liegen mehr als doppelt so hoch wie die in der Düngeverordnung aufgeführten Ausscheidungen in der konventionellen N-/P-reduzierten Mast. Würden Aufzucht und Mast in einem Stall hintereinander und nicht parallel erfolgen, ergibt sich für unseren Beispielbetrieb bei 5,8 Durchgängen/Jahr (56 Mast- und 7 Leertage) ein Flächenbedarf von 34,4 ha.

Was bleibt festzuhalten?

  • Da in der Düngeverordnung bisher keine Verfahren der ökologischen Hähnchenmast etabliert sind, hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Nährstoffausscheidungen in einen Betrieb mit ökologischer Hähnchenmast nach Naturland-Richtlinien ermittelt. Sie lagen im Mittel von vier Durchgängen bei 79 g N und 45 g Phosphat je Tier. 
  • In dem hier beschriebenen Mastverfahren konnten bis zu zehn Durchgänge je Jahr realisiert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich ständig zwei Altersstufen an Hähnchen in einem Stallkomplex befinden, dessen Aufzucht- vom Mastabteil mit Außenklima- und Freilandbereich getrennt ist. 
  • Im Vergleich zur konventionellen N-/P-reduzierten Hähnchenmast sind die Ausscheidungen je Platz und Jahr in der ökologischen Hähnchenmast mehr als doppelt so hoch.
  • Wenn in der ökologischen Landwirtschaft nach Phosphor-Abfuhr gedüngt wird, muss die zur Verfügung stehende Fläche dementsprechend (rund 60 ha) groß sein. 
  • Im Vergleich zur konventionellen Hähnchenmast sind neben dem höheren Futteraufwand und den höheren Umtrieben je Jahr (zehn statt sieben) in erster Linie die deutlich höheren Phosphor-Gehalte im Futter für den hohen Flächenbedarf verantwortlich. 
  • Für die Festlegung von Standardwerten für die Nährstoffausscheidungen von Ökohähnchen sind weitere Untersuchungen notwendig.

 

Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Geflügelnews
Bild: Geflügelnews

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