Eine bundesweite Arbeitsgruppe aus Geflügel-Fachleuten konzipiert aktuell „Stallkonzepte der Zukunft“ für Masthähnchen. In einem Workshop in Meppen (Niedersachsen) wurden Ideen auch aus der Praxis zusammengetragen.
Wie sollen/können künftig nachhaltig Hähnchen gemästet werden? Mit dieser Frage befasst sich aktuell eine Arbeitsgruppe von bundesweiten Geflügelexpertinnen und -experten. Nachhaltigkeit heißt hierbei, dass sowohl Tierwohl, Umweltwirkung als auch Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden sollen.
Mitglieder der Arbeitsgruppe trafen sich jetzt zu einem Workshop in Meppen (Niedersachsen). Mit dabei waren außerdem Beraterinnen und Berater sowie Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter. Am ersten Tag des Workshops wurde ein innovatives Haltungskonzept in den benachbarten Niederlanden – der sogenannte Windstreek-Stall - besichtigt (Geflügelnews berichtete).
Am zweiten Tag wurden die gewonnenen Eindrücke diskutiert. Drei Fragestellungen zum Hähnchenstall der Zukunft standen dabei im Mittelpunkt:
- Wie kann das Stallklima künftig optimal gestaltet werden?
- Wie kann die Haltungsumwelt tiergerecht und arbeitswirtschaftlich machbar angereichert werden?
- Wie können natürliches Licht und künstliche Beleuchtung für mehr Tierwohl sorgen?
Verschiedene Klimazonen im Stall
Als zukunftsträchtige Variante wird ein Hähnchenstall mit verschiedenen Klimabereichen angesehen. Ein solcher Stall verlangt eine angepasste Klimaführung. Ein wichtiger Aspekt hierbei: Welche Unterstützung können KI-basierte Überwachungssysteme (KI=Künstliche Intelligenz) liefern? Auch verschiedene Heiz- (Bodenheizung, Zonenheizung, Ganzraumheizung), Kühl- und Lüftungssysteme (z. B. Unterdruck- und Gleichdrucksysteme) wurden diskutiert.
Für Stallneubauten dürfte zum Teil eine entscheidende Frage sein, wie die Stallklimagestaltung in Kombination mit einer Abluftreinigung funktionieren kann. Im Zuge der zunehmenden Nachfrage nach Fleisch aus „Tierwohl“-Ställen ist die Frage zu beantworten, welche anderen Stallklima-Ansprüche langsam wachsende Herkünfte haben. Diese kommen vermehrt in Ställen höherer Haltungsformen zum Einsatz.
Erhöhte Ebenen für mehr Abwechslung
Ein wichtiges Element in Sachen Haltungsanreicherung für Masthühner sind erhöhte Ebenen im Stall. Hier gibt es unterschiedliche Varianten. Diskutiert wurde, inwieweit der Stallbereich durch verschiedene Temperaturzonen sinnvoll unterteilt werden kann. So kann man den Bedürfnissen der Tiere noch mehr entgegenkommen. Auch automatisierte Systeme zur Beschäftigung mit Getreidekörnern waren in der Diskussion ein Thema. Rohrkettenförderungen können hierfür, oder zum Nachstreuen während des Durchgangs, genutzt werden.
In anderen Ländern werden auch Masthähnchen getrennt nach Geschlecht gemästet – analog zur Putenmast hierzulande. Bei einer Umsetzung ist die Frage, ob die Haltungsumwelt für Hennen und Hähne individuell zu gestalten, bzw. anzureichern ist.
Offene Fragen beim Thema Licht
Im Workshop wurde zum Thema Licht die Strukturierung des Stallbereichs durch verschiedene Lichtzonen aufgegriffen. Inwieweit sich dies auf Tiergesundheit und Aktivitätslevel der Tiere auswirke, muss jedoch noch weiter erforscht werden. Hierbei ist noch zu klären, welche Lux-Grenzwerte in den Zonen eingehalten werden müssten.
Auch die Art der Lichtquelle spielt nach Ansicht der Teilnehmenden eine große Rolle (zum Beispiel UV-(Voll-)Spektrum von Leuchtmitteln). Wie auch bei künstlicher Beleuchtung ist bei Einfall von natürlichem Tageslicht auf eine gleichmäßige Ausleuchtung des Stalls zu achten. Es sollte keine Lichtspots und keinen direkten Sonneneinfall geben.
Beim Thema Ausstallung ist es nach Ansicht der Teilnehmenden wichtig zu beachten, dass bei Ställen mit viel Tageslichteinfall eine komplette Abdunkelung im Sommer nicht immer gewährleistet werden kann. Dies ist in der Logistik und im Management zu berücksichtigen.
„Gesamtbetriebliches Haltungskonzept Masthühner“
Die im Meppener Workshop gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine neue Broschüre, das „Gesamtbetriebliche Haltungskonzept Masthühner“, miteinfließen. Für die Veröffentlichung gibt es noch keinen Termin. Bisher veröffentlicht wurden im Bereich Geflügel bereits entsprechende Broschüren für die Legehennenhaltung und für die Haltung von Junghennen. Diese können kostenfrei über den Medienservice der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bezogen werden .
Veranstalter des Workshops mit der Exkursion zum Windstreek-Stall war die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zusammen mit dem Projekt Netzwerk Fokus Tierwohl und der Arbeitsgruppe des Gesamtbetrieblichen Haltungskonzepts Geflügel.
Im Rahmen des Workshops stellte Svenia Paul vom Unternehmen VetVise zudem vor, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz schon heute in Masthühnerställen erfolgreich zur Unterstützung des Managements eingesetzt werden können.

































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