Rapskernkonzentrat als Soja-Ersatz: Neue Forschung zeigt, wie Geflügelhalter mit heimischem Rapsprotein nachhaltig und effizient füttern können. Mit dem neuen EthaNa®-Verfahren lassen sich hochwertige Proteine gewinnen, die sich ideal für die Geflügelmast eignen.
Viele Geflügelhalter stehen aktuell vor einer großen Herausforderung: Die Eiweißversorgung der Tiere hängt in hohem Maße vom Import-Soja aus Südamerika ab. Dieses Soja ist zwar eiweißreich, hat aber ökologische und ökonomische Nachteile. Regenwälder werden für den Anbau gerodet, Transportwege sind lang, die Preise schwanken stark und die Abhängigkeit von Importen ist groß.
Probleme mit herkömmlichem Rapsextraktionsschrot
Eine spannende Alternative bietet nun der heimische Raps. Neben dem bekannten Rapsöl enthalten die Körner bis zu 20 % Eiweiß. Bisher konnten diese Proteine kaum genutzt werden, da sie beim klassischen Verfahren der Ölgewinnung durch hohe Temperaturen geschädigt werden. Die dabei entstehenden Rapsextraktionsschrote enthalten zudem viele Bitterstoffe und sind daher nur eingeschränkt als Futtermittel nutzbar.
Das EthaNa®-Verfahren: Schonende Aufbereitung von Rapskernen
Forscher des Fraunhofer-Zentrums CBP in Leuna haben ein neuartiges Verfahren entwickelt, das sogenannte EthaNa®-Verfahren. Hierbei werden geschälte Rapssamen mit Ethanol – einem umweltfreundlichen Lösungsmittel – schonend verarbeitet. Durch niedrige Temperaturen (maximal 70 °C) bleibt die Eiweißstruktur erhalten.
Das Ergebnis: Ein Rapskernkonzentrat mit über 50 % Proteingehalt und weniger als 5 % Restöl. Damit ist es vergleichbar mit Sojaextraktionsschrot und deutlich eiweißreicher als herkömmliches Rapsschrot (ca. 38–39 %). Bitterstoffe und unverdauliche Fasern sind kaum noch enthalten.
Ergebnisse aus Fütterungsversuchen mit Geflügel
Um die Praxistauglichkeit zu prüfen, wurden an der Universität Hohenheim Mastküken mit dem neuen Rapskernkonzentrat gefüttert. Die Ergebnisse sind für Geflügelhalter interessant:
- Die Küken legten in nur 21 Tagen von 43 g auf rund 1000 g zu.
- Die Eiweißverdaulichkeit war deutlich besser als bei herkömmlichem Rapsextraktionsschrot.
- Mit Zusatz von Phytase-Enzymen konnte die Verdaulichkeit nochmals gesteigert werden, da Phytinsäuren abgebaut und wertvolle Phosphate freigesetzt wurden.
Damit zeigt sich: Das Rapskernkonzentrat bietet nicht nur ähnlich hohe Eiweißwerte wie Soja, sondern wird von den Tieren auch gut aufgenommen und verwertet.
Vorteile gegenüber Soja – regional, nachhaltig und wirtschaftlich
Für die Praxis ergeben sich gleich mehrere Vorteile:
- Regionale Eiweißquelle: Weniger Abhängigkeit von Sojaimporten, geringere Transportkosten und kürzere Lieferketten.
- Hohe Proteinqualität: Über 50 % Eiweiß, gute Aminosäurenzusammensetzung, bessere Verdaulichkeit.
- Sichere Leistung: Schnelles und stabiles Wachstum der Masttiere.
- Nachhaltigkeit: Beitrag zum Klimaschutz, da Sojaimporte aus Regenwaldregionen reduziert werden können.
- Ganzheitliche Nutzung des Rapses: Neben dem Protein entstehen hochwertiges Öl, Schalen für die Bauwirtschaft (z. B. Dämmstoffe) und weitere wertvolle Nebenprodukte für Kosmetik oder Pflanzenschutz.
Nachhaltige Nutzung des Rapses: Mehr als nur Öl Praxisrelevanz und Ausblick
Noch ist das Verfahren im Pilotstadium, aber die Ergebnisse sind vielversprechend. Für Geflügelhalter könnte das in Zukunft bedeuten:
- Sichere Versorgung mit heimischem Eiweiß – unabhängig von Weltmarktpreisen.
- Einfache Integration in bestehende Fütterungssysteme, da Rapskernkonzentrat ähnlich wie Sojaschrot eingesetzt werden kann.
- Kombination mit Enzymen wie Phytase, um die Verwertung noch weiter zu verbessern.
Wenn sich die industrielle Produktion etabliert, könnte Rapsprotein in der Geflügelfütterung einen echten Durchbruch darstellen.




































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.