Geflügel mit Rapsschrot füttern

22 Februar 2022
Masthuhn
Der Verbrauch an Sojaextraktionsschrot (SES) ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken. Der Verbrauch an Rapsextraktionsschrot (RES) nimmt dagegen zu. 2015 lag er erstmals über dem von SES. Die steigende Nachfrage nach gentechnikfreien Eiweißquellen rückt RES noch stärker in den Fokus. Bei Monogastriern kommt es bisher noch selten zum Einsatz. Doch Fütterungsversuche zeigen, dass es sich auch in der Geflügelfütterung erfolgreich einsetzen lässt. Das verdeutlichte Prof. Gerhard Bellof von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf vergangene Woche bei einem Webinar von Proteinmarkt.

RES entsteht als Nebenprodukt der Rapsölgewinnung. Durch den Ölentzug werden andere Inhaltsstoffe wie Rohprotein und Faserfraktionen angereichert. Im Vergleich zu SES enthält RES nach Angaben der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) rund ein Viertel weniger Rohprotein und einen höheren Gehalt an Faserfraktionen. Der Stärkegehalt ist niedriger als bei Getreide oder Körnerleguminosen.

Eigenschaften von Raps
Folgende weitere Eigenschaften sind zu berücksichtigen:

  • Bei den Aminosäuregehalten fällt auf, dass RES im Vergleich zu SES weniger Lysin enthält, aber mehr Methionin und Cystin. Entscheidend ist auch die Verdaulichkeit der Proteine – gerade im Hinblick auf das Ziel, die Rohproteingehalte zu senken und Überschüsse zu vermeiden. Die Verdaulichkeit der einzelnen Aminosäuren ist bei RES für Methionin und Cystin ähnlich wie bei SES, für Lysin, Threonin und Tryptophan allerdings fünf bis zehn Prozent niedriger. Grund dafür sind die höheren Fasergehalte und stärkere Lignineinlagerungen.
  • Auch der Gehalt an umsetzbarer Energie ist wegen des erhöhten Faseranteils in RES niedriger als in anderen Futtermitteln. „Wenn wir nennenswerte RES-Anteile in der Geflügelfütterung einsetzen wollen, müssen wir an gezielte energetische Ergänzungen denken und das auch bei den Kosten berücksichtigen“, betonte Bellof. Außerdem gelte es, die Lücken bei der Verdaulichkeit der Aminosäuren durch eine geschickte Ergänzung der Futtermischungen auszugleichen, zum Beispiel mit freien Aminosäuren.
  • Der niedrige Kaliumgehalt sei einer der Vorteile von RES, gerade in der Mastgeflügelfütterung: Zu viel Kalium führt dem Wissenschaftler zufolge zu einem erhöhten Wasserverbrauch und dadurch zu feuchteren Exkrementen und einer schlechteren Einstreuqualität mit negativen Folgen für die Fußballengesundheit.
  • Der hohe Phosphorgehalt von RES bereite einigen Mischfutterherstellern Sorgen. Deshalb angesichts der Vorgaben der Düngeverordnung in der Nutztierfütterung auf RES zu verzichten, hält Bellof aber für zu kurzsichtig gedacht: Man müsse bei der Mischungskomposition darauf achten, die Zielgehalte einzuhalten, was auch mit nennenswerten RES-Gehalten in den Mischungen gelinge. Etwa zwei Drittel des Phosphors in RES liegen als Phytat vor. Geflügel scheidet einen erheblichen Anteil des Phosphors ungenutzt aus, weil es das Enzym Phytase, das zur Verdauung von Phytat nötig ist, nicht ausreichend bilden kann. Der gezielte Einsatz von Phytase als Futterzusatzstoff ermöglicht es aber laut Bellof, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Unerwünschte Inhalte

Raps enthält auch unerwünschte Verbindungen, die früher bei der Verfütterung an Geflügel oft Probleme verursacht haben und ein häufiger Grund für Vorbehalte gegen RES sind:

  • Glucosinolate vermindern ab einer gewissen Konzentration Futteraufnahme und Leistung und führen zu verstärktem Schilddrüsenwachstum. „Durch Erfolge in der Pflanzenzucht sind die Gehalte an Glucosinolaten in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Dem UFOP-Monitoring zufolge liegen sie mittlerweile auf niedrigem Niveau und wir können von Gehalten von etwa acht mmol/kg RES ausgehen“, betonte Bellof. Er hob aber auch hervor, dass es immer noch Ausreißerwerten gebe.
  • Bei Fütterung von RES an Legehennen führte Sinapin früher bei Braunlegern mit einem bestimmten genetischen Defekt zu „Stinkeiern“. Durch Entwicklungen in der Tierzucht kommt dieser genetische Defekt aber in den meisten modernen Legehybriden nicht mehr vor, sodass dieser Vorbehalt heute unbegründet ist.

Fütterungsempfehlungen
Bei Legehennen gibt es laut Bellof eine Reihe von Fütterungsversuchen mit RES-Anteilen in der Futtermischung von zehn bis 20 Prozent. Die Ergebnisse zeigen eine reduzierte Futteraufnahme mit zunehmenden RES-Anteilen, doch die Legeleistung blieb auch für Anteile von 20 Prozent stabil. In einem aktuelleren Versuch der Universität Hohenheim blieb die Futteraufnahme bei Anteilen von bis zu zehn Prozent stabil, knickte aber bei 15 Prozent ein. Die Legeleistung blieb auch in diesem Versuch konstant, aber die Eimasse sank.

Die UFOP empfiehlt Anteile von bis zu zehn Prozent RES. Bei Berücksichtigung der Energie- und Aminosäuregehalte seien dabei keine negativen Einflüsse auf Futteraufnahme oder Leistung zu erwarten (Tabelle). Bei Anteilen von 15 Prozent und mehr würden Futteraufnahme und Eigewichte tendenziell sinken.

Auch bei Mastputen verwies Bellof auf aktuelle Untersuchungen mit einer Steigerung des RES-Anteils auf bis zu 20 Prozent. Eigene Untersuchungen würden zeigen, dass die Futteraufnahme mit steigenden RES-Anteilen leicht sinkt. Bei 20 Prozent würden auch die Tageszunahmen reagieren, weshalb derartige Gehalte nicht geeignet seien. Bellof empfiehlt, die RES-Anteile altersabhängig zu steigern, um negative Effekte auszuschließen.

Bei Masthähnchen gibt es Bellof zufolge ebenfalls eine Fülle von Untersuchungsergebnissen. In einigen Versuchen waren bei Mischungsanteilen von 15 Prozent RES Futteraufnahme und Gewichtsentwicklung reduziert. In einer eigenen Untersuchung sei es gelungen, den Trend zur reduzierten Futteraufnahmen bei 15 Prozent RES durch Kombination mit 20 Prozent Körnererbsen aufzufangen und die Tageszunahmen zu stabilisieren.

Laut UFOP gibt es nur wenige Studien zur Broilerfütterung mit den heutigen 00-Rapsqualitäten mit niedrigen Glucosinolatgehalten. Jüngere Versuche würden den möglichen Einsatz von 16,7 Prozent RES ohne Leistungseinbußen belegen. Außerdem verweist die UFOP darauf, dass RES wegen der günstigeren Kohlenhydratzusammensetzung und der geringeren Kaliumgehalte im Vergleich zu SES die Kotbeschaffenheit und damit die Fußballengesundheit positiv beeinflusst. Da Küken höhere Ansprüche an die Verdaulichkeit haben, empfiehlt die UFOP auch bei Masthähnchen eine altersabhängige Steigerung der RES-Anteile im Alleinfutter.


Fazit

Bellofs Fazit lautet, dass RES auch in der Geflügelfütterung erfolgreich eingesetzt werden kann. Besonderheiten wie hohe Rohfasergehalte, geringe Energiegehalte und geringere Verdaulichkeit einiger Aminosäuren seien bei der Kalkulation des Mischfutters zu berücksichtigen und entsprechend auszugleichen. Die hohen Phosphorgehalte ließen sich ebenfalls über die gezielte Ausgestaltung der Mischung ausbalancieren.

Die Kombination von RES und Körnerleguminosen wie Erbsen biete die Möglichkeit, hohe Anteile heimischer Eiweißfuttermittel einzusetzen. Dementsprechend verspricht auch die UFOP in einer Stellungnahme zur Vermeidung von Nährstoffüberschüssen bei Kombination von RES und Körnerleguminosen gute Kombinationseffekte für die Aminosäuren- und Phosphorversorgung. Durch den Einsatz freier Aminosäuren sei mit beiden Futtermitteln auch eine proteinreduzierte Fütterung gut möglich.

Land und Forst / Laura Schneider
Bild: Geflügelnews

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