Hans-Peter Goldnick: Mit frischem Wind für eine starke Geflügelwirtschaft

06 Februar 2025
Deutschland
Hans-Peter Goldnick

ZDG-Präsident Hans Peter Goldnick setzt auf Wettbewerb, Praxisnähe und klare Strukturen. So will er die Geflügelbranche zukunftssicher machen.

Seit der Mitgliederversammlung des ZDG im November letzten Jahres weht ein frischer Wind durch den Verband: Nach acht Jahren unter Friedrich-Otto Ripke hat nun Hans-Peter Goldnick das Ruder übernommen. Der erfahrene Landwirt aus Schleswig-Holstein hat große Pläne: Mit viel Praxisnähe, klaren Zielen und einer Prise norddeutscher Bodenständigkeit will er den Verband moderner, politisch durchsetzungsstärker und zukunftssicher machen.

Auf der To-do-Liste des neuen Präsidenten stehen Themen wie der Umgang mit der Vogelgrippe, die Umsetzung der TA-Luft, bessere gesetzliche Rahmenbedingungen und das Herkunftszeichen „5xD“. Wird das Bundestagswahljahr 2025 zu einem echten Aufbruchjahr für die Geflügelwirtschaft? Wir haben Hans-Peter Goldnick nach seinen Herausforderungen und Plänen befragt.

„Verantwortung übernehmen“: Die Herausforderungen des neuen Präsidenten

Geflügelnews: Herr Goldnick, worin sehen Sie die Herausforderungen in Ihrer neuen Rolle als ZDG-Präsident?

Hans-Peter Goldnick: „Als neuer Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) musste ich zunächst lernen, Verantwortung aktiv zu übernehmen und auch die notwendige „Macht“ auszuüben. Das war für mich eine neue Erfahrung, aber eine, die mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Das ich in dieser Funktion etwas bewegen kann – sowohl durch meine Art als auch durch die Richtung, die ich für sinnvoll halte, das ist das vorherrschende Gefühl. Für mich ist klar: Das Leben ist ein ständiger Wandel und ich bin gerade dabei, meinen Platz in diesem Leben, in dieser Rolle zu finden und auszufüllen.“

Praxisnähe als Stärke

Ein Wechsel an der Spitze eines Verbandes bedeutet oft Wandel. Wie bringen Sie frischen Wind in die Branche, und was zeichnet Sie aus?

Hans-Peter Goldnick: „Ich bin kein politischer Profi, sondern ein Vollblut-Geflügelhalter mit eigenem Betrieb, ein Mann der Praxis. Das ist ein großes Plus, denn ich stehe mit beiden Beinen im Hier und Jetzt und kann demzufolge die Anliegen der Branche verständlich und klar auf den Punkt bringen.

Hans-Peter Goldnick (rechts) hat seinen Betrieb vor einigen Jahren an seine Tochter Lena Goldnick (Mitte) übergeben. Wie es sich für die Hofnachfolgerin angefühlt hat, die Zügel zu übernehmen, berichten wir demnächst auf Geflügelnews.

Durch meine Erfahrung als Landwirt kann ich Betroffenheiten authentisch darstellen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man in bestimmten Situationen steckt. Damit erreiche ich so manches mal mehr Klarheit und kann dadurch effektiver vermitteln.

Entscheidend ist, dass ich als ZDG-Präsident, wir als ZDG-Präsidium, für unsere Mitglieder sprechen – sie sind unsere Kunden, in ihrem Auftrag handeln wir. Unsere Aufgabe sehe ich darin, ihre Anliegen verständlich zu machen und diese deutlich zu kommunizieren. Genau dies – so glaube ich - liegt mir und in dieser Rolle fühle ich mich wohl.

ZDG 2.0: Effizienz steigern, Vermarktung stärken

Was steht 2025 für den ZDG an?

Hans-Peter Goldnick: „In diesem Jahr 2025 und darüber hinaus wollen wir die Weiterentwicklung des ZDG zu einem ZDG 2.0 - sagen wir mal - vorantreiben. Im Raum steht auch eine in Teilen Neustrukturierung, um noch effektiver und noch schneller auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder eingehen zu können. Ich denke, wir sollten die Anzahl der Gremien und Untergruppierungen überdenken. Wir wollen jedem Mitglied eine starke Vertretung bieten und dabei nach innen wie nach außen die Zukunftsfähigkeit dieser Branche kommunizieren. Unser Ziel ist es, für alle da zu sein, ob groß ob klein, ob Geflügelmast oder Eierproduktion, ob Schlachterei, Färberei oder Packstelle - das ist der ZDG!

Außerdem müssen wir uns frühzeitig in politische Entscheidungsprozesse einbringen. Heute sehen wir oft, dass NGOs mit wenig fundierten Thesen einen erheblichen politischen Einfluss nehmen. Wir müssen dagegenhalten, die Wissenschaft einbeziehen und mit stichhaltigen Argumenten aufzeigen, warum bestimmte Entscheidungen falsch sind oder korrigiert werden müssen. Dafür brauchen wir einen effektiven Apparat, der schnell und durchsetzungsstark agieren kann.

"Unser Ziel ist es, für alle da zu sein, ob groß ob klein, ob Geflügelmast oder Eierproduktion, ob Schlachterei, Färberei oder Packstelle - das ist der ZDG!"

Mit der IDEG ist es uns gelungen, eine wirklich beeindruckende Branchenkommunikation auf die Beine zu stellen. Das müssen wir weiterführen und dabei gucken, ob wir dies nicht auch für die Eier hinbekommen. Wer sagt denn das bei 236 Eiern pro Jahr und Bundesbürger Schluss ist? Eier sind gesund, nachhaltig und echtes Superfood! Ich denke, da ist noch Luft nach oben!

Und natürlich bleibt Netzwerken eine zentrale Aufgabe – auf Veranstaltungen wie der Grünen Woche, die gerade zu Ende gegangen ist, aber auch parteiübergreifend. Es geht darum, falsche Ideen zu entkräften, Gehör zu finden und eine wirtschaftsfreundlichere Politik zu fördern. Unser Wohlstand hängt davon ab, dass es der Gesellschaft und der Wirtschaft gut geht. Wir müssen dringend verhindern, dass Unternehmen durch ungünstige Rahmenbedingungen hier in der Folge ins Ausland abwandern.“

Freier Wettbewerb: Der Schlüssel zu Fortschritt und Innovation

Uns interessiert Ihre Haltung zum Thema Wettbewerb!

Hans-Peter Goldnick: „Ich verstehe mich als überzeugten Europäer und befürworte den freien Wettbewerb. Auch in unserer Branche gibt es Bemühungen, durch Ab- oder Ausgrenzung Marktanteile zu sichern, das ist verständlich und nachvollziehbar, aber Vorsicht, der Wettbewerb ist der Schlüssel zu Fortschritt und Innovation.

All unser Wohlstand, all die Dinge, die wir nutzen und uns umgeben, sind die Produkte des Wettbewerbs um die Gunst des Kunden. Ich sage Ihnen: Ohne Konkurrenz gibt es keinen Fortschritt!

Wettbewerb ist die Grundlage unseres Wohlstands und unseres guten Lebens. Deshalb setze ich mich auch dafür ein, diesen Wettbewerb zu fördern, weil er der Motor für unsere Zukunft ist.“

Herkunftszeichen 5xD als freiwilliges Erfolgsmodell

Wir haben im letzten Jahr viel über das Herkunftskennzeichen „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ (5xD) gehört und gelesen. Wie stehen Sie zu 5xD und wie wollen Sie es vorantreiben?

Hans-Peter Goldnick: „5xD ist ein Angebot, sich vom Markt abzuheben und die Stärken einer Produktion zu deutschen Standards in Deutschland – übrigens auch als Produktionssicherheit - zu vermarkten. Es ist ein Weg und es bleibt jedem selbst überlassen, ob er diesen Weg gehen möchte – wir leben in einem freien Land.

Übrigens glaube ich nicht, dass ein Zeichen wie 5xD automatisch dazu führt, dass Kunden einem Produkt mehr Wert beimessen. Meine Erfahrung zeigt, dass Konsumenten oft an ihrer gewohnten Einkaufsstelle bleiben, unabhängig davon, welche Marke gerade im Regal steht. Viele Verbraucher kennen die Bedeutung von Qualitätszeichen wie 5xD oder KAT gar nicht. Solche Kennzeichnungen sind in erster Linie ein Vermarktungsinstrument, das clever eingesetzt werden muss, um Wirkung zu zeigen.“

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Cordula Möbius, Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.

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Marcus Bauhaus - vor 1 Jahr
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