Ein schottisches Landwirtspaar steigert durch konsequentes Management, Hygiene und klare Vermarktung ihre Legehennenleistung auf 426 Eier pro Henne in 90 Wochen – ein Spitzenwert für wirtschaftliche Eierproduktion.
Geflügelhaltung ohne Erfahrung: So starteten die Wilsons in die Legehennenhaltung
Michael und Michelle Wilson aus Abernethy im Südosten Schottlands wagten vor sieben Jahren den Einstieg in die Legehennenhaltung – ohne jede Vorerfahrung. Inzwischen betreiben sie auf ihrer 324 Hektar großen Cordon Farm einen kombinierten Ackerbau- und Legehennenbetrieb, auf dem Kartoffeln, Getreide und Gras angebaut sowie 32.000 braune Legehennen gehalten werden. Wie Farmers Weekly berichtet, erzielen die beiden mittlerweile beachtliche Ergebnisse: In ihrem jüngsten Durchgang erreichten sie mit ihren Hennen eine Legezeit von 90 Wochen und sammelten dabei 426 Eier pro Tier.
Langfristiger Erfolg mit klarer Rentabilitätsstrategie
Von Beginn an legten die Wilsons großen Wert auf die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebszweigs. In den ersten fünf Herden erreichten sie im Schnitt eine Legezeit von 76 Wochen und 354 Eier pro Henne. Die jüngste Herde erzielte mit 76 Wochen 362 Eier, und die Leistung blieb auch in der verlängerten Legezeit von 90 Wochen mit einer täglichen Legeleistung von 67 Prozent beeindruckend stabil. Diese Entwicklung sehen sie als Folge konsequenter Managemententscheidungen und betrieblicher Optimierung.
"Finanziell lohnt es sich – aber der Aufwand steigt"
Die verlängerte Legezeit bringt laut Michael Wilson jedoch nicht nur Vorteile: „Finanziell gesehen hat es sich gelohnt, aber der Futterverbrauch steigt, wenn die Hennen älter werden, es gibt mehr Bodeneier und mehr Sterblichkeit, das Verpacken dauert länger … All das erfordert zusätzliche Arbeit und erhöht den Druck auf das Personal.“ Deshalb plant er, in der aktuellen Runde die Legezeit auf 86 Wochen zu begrenzen – also noch vor dem Einsetzen größerer Leistungseinbußen zu beenden.
Gesundheit durch Isolation und Standardschutz
Ein Erfolgsfaktor sei auch die isolierte Lage der Cordon Farm: In der Umgebung gibt es keine weiteren Geflügelhalter. Das, so Michael, sei ein zentraler Grund dafür, dass bislang keine Krankheiten aufgetreten seien. Die Wilsons verzichten daher auf betriebsspezifische autogene Impfstoffe. Alle Tiere stammen aus einem Jahrgang und werden mit einem standardisierten „Fünf-in-Eins“-Impfplan behandelt – darunter Impfstoffe gegen Salmonellen, E. coli und infektiöse Bronchitis.
Laut Farmers Weekly sieht Michael Wilson in dieser Strategie nicht nur einen Kostenvorteil: „Wir wollen, dass die Hennen so schnell wie möglich ihr Gewicht erreichen, und sie sind stärker, wenn der Impfdruck gering ist.“
Hygiene als Schlüssel zur Biosicherheit
Gründliche Reinigung und Desinfektion nach jedem Durchgang, keine anderen Tiere auf dem Betrieb sowie die ausschließliche Nutzung von Silagegras tragen zum hohen Gesundheitsstatus bei. Hinzu kommen konsequente Hygienemaßnahmen wie das Desinfizieren von Schuhwerk, Händewaschen, eingeschränkter Zugang zu den Ställen und die Reinigung aller Fahrzeuge.
„Es ist dem Engagement unserer Mitarbeiter zu verdanken, dass wir eine strenge Biosicherheit aufrechterhalten können“, betont Michael Wilson. Viele der Maßnahmen, die auf Cordon Farm angewandt werden, seien inzwischen in die Standards des British Egg Industry Council eingeflossen.
Vom eigenen Futter zum Zukauf – mehr Balance in der Ration
Lange Zeit mahlten die Wilsons ihr Geflügelfutter selbst, stellten aber kürzlich auf industriell hergestelltes Mischfutter um. Die Umstellung sparte Zeit und Personal und wurde von demselben Futterberater begleitet wie zuvor die hofeigene Mischung. Die neue Ration sei besser an die Produktionsphasen angepasst: „Zu Beginn der Legerunde enthält sie Nährstoffe, die die Futteraufnahme fördern, gegen Ende Produkte zur Stärkung der Eierschale.“
Bezüglich der CO₂-Bilanz sieht Wilson keinen Unterschied zwischen eigener Futtermischung und Zukauf. Entscheidender sei ohnehin die Gesundheit der Tiere: „Die Hennen werden in Bezug auf ihre Leistung auf eine harte Probe gestellt, und man muss jeden Tag Vollgas geben, sonst sieht man die Folgen am nächsten Tag.“
Vermarktung über Farmlay: Regional, direkt und zuverlässig
Die Vermarktung der Eier erfolgt über Farmlay Eggs in Aberdeenshire, einen regionalen Lieferanten für Aldi und Lidl in Schottland. Cordon Farm arbeitet seit Beginn mit Farmlay zusammen. Michael schätzt besonders die unkomplizierte Kommunikation: „Ich kann jederzeit zum Telefon greifen und mich direkt mit jemandem beraten.“ Obwohl nicht verpflichtend, bezieht er auch die Hennen von Farmlay, während er den Futtereinkauf selbst organisiert.
Offenheit als Vorteil: Lernen von den Besten
Trotz – oder gerade wegen – ihrer fehlenden Erfahrung im Geflügelbereich sieht Michael Wilson ihre Quereinsteigerrolle als Stärke: „Man kann von den Besten lernen und mit einer neuen Perspektive beginnen, ohne von alten Gewohnheiten eingeengt zu werden.“ Besonders interessieren ihn technische Fragen rund um Fütterung und Tiergesundheit.
Die Kombination von Ackerbau und Legehennenhaltung funktioniert auf Cordon Farm laut Wilson reibungslos, da jeder Betriebszweig über eigenes Personal verfügt. „Das Einzige, was ich tun muss, ist, meine Managementzeit zwischen den beiden Betrieben aufzuteilen“, erklärt er.

































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